3.3. DER ZUSTAND DER FESTUNG IN DER HEUTIGEN ZEIT

Trotz der Schleifung durch die Franzosen im Jahre 1698 sind heute noch einige Überreste auf dem "königlichen Berg" zu finden. Doch selbst diese drohten vergessen zu werden. Es ist dem "Heimatbildner" und Gründer des Mittelmosel-Museum, Dr. Ernst Willen Spieß, zu verdanken, dass in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, anhand von Originalplänen aus Pariser Geheimarchiven, Ausgrabungen auf dem Festungsplateau durchgeführt wurden. Sprengpläne lieferten ausreichende Hinweise auf erhaltene Restbestände der Festung und machten so gezielte Grabungen möglich. Zunächst waren die Freilegungen ausschließlich für den Fremdenverkehr gedacht, denn die Festungsruine bot damals wie heute faszinierende Einblicke in die Vergangenheit. In den Kriegs- aber auch Nachkriegsjahren jedoch geriet die Festung nur kurz in Vergessenheit, bis die Ausgrabungen nach dem Krieg begannen. Trotz allem wurden die freien Festungsflächen mit Jungwald bepflanzt, was zum späteren Vergessen der Ausgrabungen nicht unwesentlich beitrug. Erst durch den zunehmenden Fremdenverkehr in den 60er Jahren gewann Mont Royal wieder an Bedeutung für den Tourismus.
Wenn man heute das Festungsgelände begeht, findet man nur noch wenige, aber beeindruckende Überreste der Festungsanlage. Einen möglichen Haupteingang stellt das Bollwerk "Kur Trier" (an der süd-westlichen Seit gelegen) mit seiner ausgeklügelten Flankenbatterie dar. Die Schießscharten ragen in die Festung hinein und lassen erkennen, wie raffiniert in der gesamten Einbettung eines Hornwerks die Schusslinien der jeweiligen drei Batterien angelegt waren. Die Geschütze befanden sich hinter der heute noch sichtbaren Mauer in einem unteren Gewölbe. Sie visierten aus den drei Schartenöffnungen die Grabensohle des Hornwerks. Allerdings ist die Kasematte hinter dem schmalen Mauergrat zerstört. Man muss sich das Mauerwerk noch zwei Meter tiefer bis zur Grabensohle und doppelt so hoch bis zum Mauerkranz mit drei versetzten Schießscharten vorstellen. Sinn und Zweck war, dass die Kanonen von außen nicht getroffen werden konnten (siehe Anlage 2 und 4). Über die Anlage "Kur Trier" erfolgte der einzige Zuweg von der Südseite in die Festung. Eine Treppe führt von dem Geschützkeller durch die Flankendeckung zur Grabensohle außerhalb des Festungsrings (heute verschüttet). Die Treppe ist heute noch begehbar. Auch der Ansatz der Flankendeckung ist heute noch zu erkennen. Im Volksmund werden sie "Öhrchen" genannt. Sie boten dem Feind nicht nur keinen Einblick, sondern auch durch ihr Abmaß wäre kein gegnerisches Geschütz zu Gegenmaßnahmen in der Lage gewesen.
Die drei Batterien auf der gegenüberliegenden Seite kreuzten genau die Schusslinien der anderen Batterien. So war es fast unmöglich, dass sich ein Feind hier Zutritt in die Festungsanlage verschaffen konnte (siehe Anlage 4). Die südliche Breitseite der Festung war durch drei solcher Bollwerke "Hunsrück", "Kur Trier" und "Kur Mainz" gegen das Vorgelände (heute Flugplatzgelände und Industriegebiet) abgesichert. Die Festung war nicht auf Störung von Belagerungen ihn ihrem Umfeld eingerichtet, sondern nur auf eine reine Verteidigung ausgerichtet. Alle Geschützmündungen zeigen entweder nur in die Verteidigungsanlage hinein oder in Richtung der Flanken ihrer unüberwindlichen Mauern.
In unmittelbarer Nähe des Bollwerks "Kur Trier" befindet sich der 32 Meter tiefe, birnenförmig angelegte Brunnen(kurz hinter der Einfahrt zum Flugplatz). Nur dieser eine wurde von den insgesamt sieben, sich auf dem Gelände befindenden Brunnen, ausgegraben. Er besteht aus einer Schieferschicht im oberen und einer wasserdichten Quarzschicht im unteren Teil. An dem Wasserstand des Brunnens lässt sich der Grundwasserspiegel des Waldes ablesen, denn das Grundwasser drückt sich in ihm nach oben.
Weiter nördlich des "Kur Trier" befindet sich der mit zwei Geschützen bestückte "West Bollturm". Die seitlichen Wände einer Schießscharte sind auch noch heute zu erkennen, teils noch in ursprünglicher Lage, anderen teils durch die Sprengung des Turms etwas abgerutscht.
Die Mauerstärke und Höhe der Umfassung, von der man nur noch einen kleinen Teil erkennt, boten genügend Schutz gegen alle Angreifer, die erst einmal den Mosellauf, die Vorwerke, den Berghang und das Vorfeld bezwingen mussten, ehe sie vor der Festung standen. Der Durchgang durch das Ausfallpförtchen führt durch 14 m dickes Steinwerk. Man betritt dann den Vorkeller zur eigentlichen Geschützstellung (heute eingefallen). Man erreicht sie heute rechtsgelegen vom Rundwanderweg. Durch das Gewölbe, des Vorkellers, ist diese Konstruktion sehr stabil und heute noch erhalten. Folgt man dem breiten Weg aus dem Vorkeller, kommt man zum "Nord-West Bollwerk" mit den drei typischen Schießscharten. Die Mauer muss man sich etwa 20 m hoch vorstellen und ebenfalls das rechte erhaltene Bruchstück eines „Öhrchens“. Die Hausteine aus Sandstein begrenzen das Außenmaß der Flankendeckung (siehe Anlage 1)Das Gegenwerk "Niederrhein-Nord- Ost" liegt gegenüber der Straße im Wald (ist aber nur teilweise freigelegt). Übrigens durchschneidet die Kreisstraße die ehemalige Festung in der gesamten Querachse.
Um an den Geschützkeller des Hornwerks "Eifel" zu gelangen, muss man die Straße überqueren, welche hier eine scharfe S-Kurve aufweist, die die Einheimischen nach Herrn Dr. Spieß benannt haben. Die Spieß-Kurve. Das Gewölbe ist zerstört, aber so ist es möglich die ganze Raumgröße eines Geschützkellers zu erkennen. Die drei Geschütze versorgten den Graben in östlicher Richtung, das Gegenwerk in westlicher Richtung. Über den Schartennischen liegen die Abzüge für den Pulverdampf. Gegenüber befindet sich an der vorderen Wand des Gewölbes eine Kaminanlage. Auch hier sind Reste der Außenmauer erkennbar, teils 20 m hohe Querverbindung, auch Kurtine genannt, und wieder der Ansatz der Flankentarnung (Öhrchen). Folgt man dem Pfad bis zur Sohle des Grabens kommt man zu einem begehbaren, übermauerten Gang. Es ist bei der Begehung einer Quermauer , um an den Eingang zu gelangen, ein deutlicher Einschnitt in das Kasemattengewölbe zu erkennen. Über dieses Sockelbett eines Querbalkens erhoben sich die Stützpfeiler der Zugbrücke. Diese überspannten den Graben von dem Fels-Ravelin bis hin zum Haupttor. Auf dieser Grabensohle, legte man diese Kasematte an um auch mit Infantriefeuer die Grabenanlage und Brücke nach beiden Seiten hin zu schützen. Die Schartenengen zeigen jeweils nach außen. Beim Durchgang der Kasematte führt der Weg an den Schartenöffnungen vorbei bis man auf ein Felsmassiv und Treppenstufen trifft, die ans Tageslicht führen. Die Stiegen gehen in eine Wendeltreppe über. Die links liegende kleine sandsteingefasste Türöffnung führt in eine Kammer, in der sich früher tief nach unten und weit nach oben das schwere Gegengewicht der Zugbrücke bewegte. Weiter dem Gang entlang, stößt man auf einen Waldweg der am Gegenwerk der Bastion "Kur-Köln" vorbei führt. Man erreicht die Ostseite der Festung. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick auf die Mosel und das Weindorf Enkirch. Zwei weitere Hornwerke liegen noch weiter Eifeleinwerts in Richtung Feriendorf "Mont Royal". Aber nur noch das eine, "Turenne", ist noch gut an der Straße zum Feriendorf zu erkennen. Das Andere "Vorhornwerk" wird man vergebens suchen, denn leider ist es den Bauten des Feriendorfs zum Opfer gefallen. Auch diese Hornwerke weisen die typischen Merkmale, wie die anderen Hornwerke auch, auf. Auf dem Weg zum "Ost- Bollturm", eine Anlage von Treppen, Gängen, und Räumen, passiert man ein riesiges Mauerwerk. Diese Ostmauer war massiv auf einer Fundamentbasis von 20 m Breite und bis zu 30 m Höhe gebaut. Im Volksmund wird sie auch die schwarze Mauer genannt, eben weil sie so beeindruckend groß ist. Die Risse in der Mauer sind Überreste der versuchten Sprengung, die hier erfolglos blieb. Heute haben sich allerhand Wurzelwerk der Bäume und Sträucher, aber auch Kräuter in den Spalten breit gemacht. Sie drücken die Mauerteile langsam auseinander, was letztendlich zu einem Einfall der Mauer führen könnte. Die Bundeswehr hat innerhalb eines Biwak`s die Mauer im August 2002 vom gröbsten Wurzelwerk befreit. Diese Maßnahme müsste von nun an regelmäßig ergriffen werden.
Der eben erwähnte "Ost- Bollturm" besitzt einen Ausfallgang der durch unterirdische Gänge mit dem Wehrbau verbunden war (heute verschüttet). Als nächstes trifft man auf die Kasernenkeller mit Doppelgewölbe. Sie zogen sich über fast 200 m hin, Keller an Keller. Die Kellerfenster sind teilweise verschüttet und die Zwillingsgewölbe nur noch teilweise zu erkennen. Den Kellern folgt das ehemalige Hornwerk "Kur- Mainz", das selbe Verteidigungssystem aufweist wie die anderen Hornwerke. Von dort aus sind die noch erhaltenen riesigen Magazinkeller, die zum Teil begehbar sind, gut zu erkennen.
Es sind nur noch einzelne Spuren der ehemals so gewaltigen Festung zu erkennen. Deshalb ist eine fachkundige Führung (die des Feriendorfes oder Mittelmoselmuseums) durch das Festungsgelände fast zwingend um auch wirklich zu erfahren was man dort sieht und erkennen kann.