4.ZUSAMMENFASSUNG
4. Zusammenfassung und Folgerungen

In unserer heutigen Zeit ist das Interesse an alten Kulturgütern nicht von großem Stellenwert in unserer Gesellschaft. Dieses Schicksal musste auch Mont Royal, die einstige Festung zu Traben-Trarbach, erfahren. Sie ist die fast vergessene Festung, die einst weit über dem Moseltal ihre Pracht zeigte. Sie zählte zu ihrer Zeit zu den größten und beindruckensten Festungsanlagen Europas.
Im Jahre 1687 begann ihr Bau. Es wurden über zehn Jahre an der Zwingfestung gebaut und doch wurde sie niemals fertiggestellt. Es waren noch Zeughäuser (Waffenarsenale, Anlage 5) und Unterkünfte für noch mehr Soldaten in Planung, doch Frankreich war nicht in der Lage diese kostenintensive und von Frankreich schwer zu erreichende Festung zu halten. Somit wurde 1698 der Befehl, von dem Sonnenkönig Ludwig XIV, zur Schleifung des Mont Royal gegeben. Aber die Schleifung war nicht zwingend, denn Holland und Spanien machten Frankreich das Angebot, dass sie die Festung mit entsprechender Gegenleistung übernähmen. Doch Frankreich lehnte ab, denn es wollte seine neue Festungsbaustrategie nicht preisgeben. Ein anderer Grund könnte auch sein, dass Frankreich nicht sein Land, mit einer Stellung darauf, an andere europäische Mächte abtreten wollte, denn dann währe vielleicht das Gebiet um Mont Royal von Spanien oder Holland besetzt worden. Durch Frankreichs Verhandlungsgeschick war es ihm noch möglich die bedeutende Stadt Straßburg zu behalten als Gegenleistung zur Schleifung der Festung Mont Royal.
Aber nicht nur in dieser Zeit war das Interesse an der Festung groß. Vor dem zweiten Weltkrieg (ca. 1935) schrieb der Schriftsteller aus Traben-Trarbach, Werner Beumelburg, einen Roman namens "Mont Royal". Der Roman handelt von einem Mann aus Starkenburg, der sich zur Zeit Ludwig XIV dem Frondienst der Festung Mont Royal verweigerte. In diesem Roman schildert der Schriftsteller die Situation der Bevölkerung zur damaligen Zeit. Eindrucksvoll wird erzählt, wie die einfachen Leute der Umgebung unter dem Frondienst und der Besatzung der Franzosen litten. Man kann nur erahnen, wie viel Tote der Bau der Festung forderte. Aufzeichnungen über die Opfer sind mir nicht bekannt.
Übrigens ist bis heute nicht geklärt, ob der Schriftsteller Werner Beumelburg tatsächlich Ehrenbürger der Stadt Traben-Trarbachs ist. Darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Da man ihm in seinen Romanen nationalsozialistisches Gedankengut nachsagt, wäre die Ehrenbürgerschaft ein eher negatives "Aushängeschild" für die Stadt.
Dennoch wäre die Festungsruine, die über die Jahrhunderte unter einer Erdschicht und einem neu angelegtem Wald begraben war, fast ins Vergessen geraten, wäre da nicht Herr Dr. Ernst Willen Spies gewesen, der sich vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg für die Ausgrabung der Festung engagierte. Mit Hilfe von Freiwilligen, aber auch durch AB-Maßnahmen wurde die Festung, teils ohne Geräte oder Maschinen, mit der bloßen Hand freigelegt, denn damals war die Technik dafür noch nicht ausgereift genug. Einfache Hilfsmittel wie Sparten, Besen und Meisel dienten zur mühsamen Freilegung der Überreste der Festung.
Doch nicht nur Dr. Spieß , der auch in Pariser Archiven nach Kartenmaterial suchte und fündig wurde, wirkte an der Rekonstruktion des Mont Royal mit. Giselher Castendyck fertigte aufgrund der Aufzeichnungen von Dr. Spies, zahlreiche Skizzen und Pläne an.
Aber selbst diese Arbeit der beiden Herren gerät langsam in Vergessenheit. Heute ist kaum noch ein Interesse für die Traben-Trarbacher Stadtgeschichte da. Nur ein kleiner Kreis, zeigt Interesse für den Mont Royal.
Kaum ein Einheimischer weiß, welche Bedeutung die Zwingfestung zu ihrer Zeit hatte.
Ich, als Zugezogene, finde gerade die Vergangenheit des Mont Royal erforschenswert. Ich könnte mir gut vorstellen, dass man die Zeit der Festung unter dem Sonnenkönig Ludwig XIV gut in einer Art Heimatkundeunterricht in der Grundschule auch der jungen und zukunftstragenden Generationen nahe bringen könnte und somit wäre vielleicht der Grundstein für die zukünftige Denkmalpflege des Mont Royal gelegt. Ein möglicher Anfang dafür wurde in der letzten Stadtradssitzung vom 9.09.2002 eingeleitet. Dort wurde mitgeteilt, dass eine AB-Maßnahme zur Instandsetzung der Wanderwege des Mont Royal zu 80% vom Land bezuschusst werden. Dies ist nicht nur positiv zum Erhalt des Denkmals, sondern auch für den Tourismus von Nutzen.

Bemerkenswert ist der Diskussionsbeitrag von Richard Ochs, in der Ausgabe 38/ 2002 des Blauen Blattes. Er zeigt auf, dass die Überreste der Festung nicht zu erhalten sind und schlägt stattdessen vor:Absicherung der Reste "Ausschlachten" der vorhandenen SteinsegmenteSchaffung eines "Mont Royal Erlebnisparks"  Bau einer begehbaren Nachbildung in den Maßen 30 x 60 m Seitenlänge aus den Sichergestellten RestenUnd als Fernziel ein geeignetes Gebäude für Informationen rund um die Festung. Da er auch "neue Medien", wie ein virtueller Rundgang in seine Überlegungen mit einbezieht, wären sicher auch jüngere Menschen für die Geschichte des Mont Royal zu begeistern.

Diese Abhandlung trägt als Beibezeichnung des Themas die Überschrift "Lernen aus der Geschichte?", was ich für eine sehr gute Frage, aber zugleich Feststellung halte. Schon in der frühsten Geschichte Deutschlands fällt auf, dass es immer wieder zu Zwistigkeiten mit unseren französischen Nachbarn kam. Sei es zur Zeit des Mont Royal oder im Zweiten Weltkrieg. Heute haben wir aus der Vergangenheit gelernt und haben ein gutes freundschaftliches Verhältnis zu Frankreich, welches hoffentlich noch lange bestehen bleibt. Doch können wir auch aus der Geschichte der einstigen Festung Mont Royal lernen. Sie zeigt uns auf, dass solche riesigen militärischen Maßnahmen gar nicht mehr nötig sind, denn Mont Royal wurde kein einziges Mal angegriffen. Die Zitadelle diente lediglich der Truppenaussendung. Für diesen Zweck war sie einfach zu groß und kostenintensiv angelegt. Die Verschwendung an Staatsgeldern und Steuern wird hier, im Nachhinein, auch durch die Schleifung besonders deutlich.Trotz all dem ist Mont Royal mehr als nur eine Touristenattraktion. Er ist ein Stück Geschichte , welches bedeutend für seine Zeit war und in unserer heutigen Zeit sein sollte.