3. BESCHREIBUNG DER FESTUNGSBAUTEN

Die Festung Mont Royal wurde mit erheblichen französischen Mitteln aus dem Staatshaushalt und deutschen Zwangsgeldern mit bis zu 8 000 Fronarbeitern aus der weiten Umgebung des Moseltals erbaut. Sie umfasste mit einer Mittelachse von 5 km das gesamte Hochplateau des Berges mit dem Kern der Festung von 1,6 km Länge und 750 m Breite, begrenzt vom linksseitigen Moselufer rund um den Halbinselberg.
Die Etwa 50 ha große und 20 m hohe Felszitadelle (Festung) bildet den Kern der Festung. Dieser war umschlossen von einem 2,92 km langen, bis zu 30 m hohen Hauptwall mit fünf Bastionen ( vorspringender Teil eines Festungsbauwerkes) und drei Bolltürmen. Er wurde gedeckt von drei Hornwerken (Innenhöfe), fünf Ravelins, Gräben mit Kurtinen, Außenwerken, Gallerien und verschiedenen anderen Steinwerken um die Festungsstadt. Zur Zeit ihrer Entstehung, war sie die größte Festung Europas.
Zur näheren Beschreibung des Mont Royal möchte ich Herrn Dr. Ernst Willen Spies gebührende Geltung verschaffen, denn er war es, der Mont Royal nach ungefähr
250 Jahren neu entdeckte.
Dr. Spies ist der Gründer des Mittelmoselmuseums und Erforscher der Zwingfestung Mont Royal zu Traben-Trarbach. Er wurde 1898 in Wiesbaden geboren und siedelte 1902 mit seiner Familie nach Traben um. Er studierte Staats- und Wirtschaftswissenschaften, Geschichte und Kunst.
Ihm ist die Existenz und umfangreiche Ausstattung des Mittelmoselmuseums zu verdanken. Er selbst besaß Unmengen an Material über die Geschichte der Doppelstadt, die er dann auch größtenteils dem Museum schenkte.
Durch einen tragischen Unfall starb er im Jahre 1975 und wurde auf dem Friedhof in Traben beigesetzt.
Zwischen 1929 und 1931, aber auch während des zweiten Weltkrieges, betrieb er im Archiv des französischen Kriegsministeriums in Paris ein umfassendes Quellenstudium, dem wir heute Kartenwerke und viele Daten verdanken. Dazu nutzte er die Kriegswirren, denn die Baupläne des Mont Royal gelten heute noch als streng geheim. Insbesondere die Anlage der Schießscharten sind Geheimnisse französischer Festungsbaukunst.
Von 1932 bis 1938, in einer Zeit von Winzernot und Arbeitslosigkeit, schaufelten Dr. Spies mit vielen Männern aus den umliegenden Ortschaften, die als freiwillige Helfer oder für einen Pfenniglohn mithalfen, Teile der Festungsruine frei (Anlage 9).
Es wurden in mühevoller Arbeit Wälle, Mauern, Gänge, Treppen und Kasematten (dick ummauerter schusssicherer Raum in Befestigungswerken) freigelegt. Dr. Spies selbst beschreibt die Festung so:
" Die Kernfestung bestand aus dem fast drei Kilometer langen, haushohen Hauptwall mit fünf meist verstärkten Bastionen und drei kleineren Bolltürmen. Diesen Kern deckten im gefährdeten Süden ein Hornwerk, drei Ravelins (d.h. Deckwerke für den Wall) und zwei Flankenwerke, im fast unbezwinglichen Norden tief im Fels zwei Hornwerke voreinander, eine Contragarde und zwei Ravelins. Die hohen Steilhänge in Ost und West konnte man nicht erstürmen. Darum erhielt die höher zu bauende Ostfront eine bombensichere Kassemattenreihe für Kasernen. In den Vorwerken lagen weitere Magazine und Wachhäuser. Drei Haupttore durchbrachen den Hauptwall mit ihren Wachgebäuden nach innen und repräsentativen Fronten, sowie Brücken nach außen. Das südliche hieß das Französische oder Trarbacher Tor, das nördliche das Deutsches oder Trierer Tor, vor beiden sicherten das Luxemburger und das Maastricher Tor die Straße zur Eifel. Gefährdete Bollwerkspitzen und –fronten wurden von ihren Nachbarflanken verteidigt, besonders durch deren heute meist noch erhaltenen Kasemattenbatterien hinter 13 Meter dicken "Öhrchen". Aus Sandsteinquadern waren alle Kanten und das Mauerband, schmucker die Torfassaden und die Wachtürmchen auf den Werkspitzen. Die Achse dieser 200 Meter hohen und etwa 50 Hektar großen Zitadelle aus Fels und Stein maß 1,5 Kilometer. Um ihre trockenen Fels- und Mauergräben, sowie kleineren Wehre, lief das mit Palisaden gespickte Zickzackband der Hauptverteidigung hinter dem Erdglacis mit weiteren Werken und Schanzen davor. Die fünfeckige Kernfestung wurde von dem großen Zeughaus für ein mittleres Heer überragt. Ein Flügelbau umgebaut steht heute noch als Kommandantenhaus am Moselufer in Traben. Ferner waren fertig: Back- und Schlachthäuser sowie Küchen und Mühlen, drei Pulvermagazine, 22 Reihenkasernen für etwa 4000 Mann, zwei größere für Offiziere, diverse Magazine, alle fünf Zisternenbrunnen, 20 von 101 geplanten Privathäusern und über ein Dutzend Straßen sowie Plätze, meist in der ausgebauten Südhälfte. Südlich der Kernfestung dehnte sich ein verschanztes Lager über die ganze Hochfläche aus, das große Hauptquartier der französischen Heere , ihre mittel- und nordrheinischen Operationsbasis. Es umfasste eine Unternehmenssiedelung, "Nouvelle France" , die Barackenstadt der Bürger, Handwerker usw. mit eigenem Amt und Gericht , Winterbaracken für Truppen, Ställe für über 3000 Pferd, Magazine und Zeltlager für kleine und größere Heere. Von den beiden Flankenwerken steig man durch steile Wehrgänge zur zweiten Vorwehr der Festung hinab, einer Kette von sechs fertigen Geschütztürmen und Schanzen längs des inneren Moselufers zum Schutze von Magazinen, Tierparks, Häfen, Brücken und großem Lazarett für 1000 Kranke."
Die erwähnten steilen Wehrgänge, die von der Mosel gradewegs zum Gipfel führten, Steigmauern werden sie eigentlich in Überlieferungen genannt, sind bei den Bewohnern der umliegenden Ortschaften noch bekannt. Zwischen der Trabener und Wolfer Gemarkung erkennt man heute noch gut eine tiefe Felsrinne, die an einen Kädderich (Katarakt, Holz- oder Steinrutsche) erinnert. Der andere Wehrgang stieg bei Kövenig aufwärts. Einige Rest dieser Wehrgänge fand man noch bei der Moselkanalisierung vor einigen Jahren. Auch ist nachgewiesen, dass nach dem großen Stadtbrand von 1857 in Traben, aber besonders in Trarbach, Steine von der ehemaligen Festung Mont Royal und der Burgruine Grevenburg abgetragen und zum Wiederaufbau der Häuser verwendet wurde.