1437 DIE HINTERE GRAFSCHAFT SPONHEIM

1437 fiel die Hintere Grafschaft Sponheim nach dem Aussterben der Starkenburger Grafen an die Landesherren von Baden, Veldenz und Kurpfalz und wurde im 15. Jahrhundert von Baden und Pfalz - Simmern gemeinsam verwaltet. Nun ,,rechtelte" die französische Reunionskammer dieses Gebiet der Grafschaft Veldenz zugehörig. Veldenz aber war eine Schenkung an das Bistum Verdun und da diese Grafschaft bereits reuniert, d.h. einverleibt war, nahm man ohne weiteren Gerichtsbeschluss die Grafschaft Sponheim gleich mit.
Die reunierten Gebiete an Mosel - Saar und Nahe nannte man ,,Saarprovinz", gab ihr die Hauptstadt ,,Saarlouis", die man von 1680 - 86 dann auch gleich als starke Festung ausbaute.

1681 nahm Ludwig XIV. Straßburg ein, 1684 Luxemburg und baute diese Städte als Festungen stärker denn je aus. Orte wie Pfalzburg, Homburg a.d. Saar und Bilisch wurden befestigt.

1684 vereinbarte Habsburg auf dem Reichstag zu Regensburg einen 20jährigen Frieden, um den mit dieser Geschichtsklitterung vollzogenen und daher umstrittenen Rechtsansprüchen Einhalt zu gebieten. Was reuniert war, sollte bleiben. Im Vergleich zu der Zeitrechnung von ,,Jahrhundertweinen" die alle paar Jahre wachsen, oder des 1000-jährigen Reiches mit 12 Jahren Bestand, hielt diese 20-jährige Friedensvereinbarung immerhin 3 Jahre.

Als Ludwig XIV. 1687 mit dem Bau der Festung Mont - Royal auf sponheim'schem Gebiet begann, sah der Kaiser darin einen Vertragsbruch, weil er Sponheim nicht zu Veldenz - und damit auch nicht zu Verdun gehörig - anerkannt hatte. Somit hält sich bis heute die geschichtliche Darstellung, daß Mont-Royal ,,mitten im Frieden" unter Verletzung eines 2ojährigen- Friedensvertrages ,,in deutschen Landen" erbaut worden sei. Da zur gleichen Zeit die Türkengefahr in Ungarn abebbte und das Reich die Übergriffe im Rheinland nicht hinnehmen konnte, kam es zu langen kriegerischen Auseinandersetzungen, die mit dem Frieden von Ryswick 1697 endeten.
Frankreich aber sicherte unbeirrt seine Festungsfront Luxemburg - Saarlouis und Strassburg noch durch zwei weitere Kolossalbauten: Landau und Mont-Royal. ,,Denn in Festungen ballte sich die Macht und ganze Kriege drehten sich damals um sie."
Die strategisch günstige Lage erkannte 1672 der Feldherr Turenne, als er auf einem Marsch vom Rhein nach Wittlich Vereitelte, daß sich die deutschen und holländischen Heere zu einem Gegenstoß nach Frankreich vereinigten. Er riet schon damals, dieses strategische Mittelland zu befestigen. Der berühmte Festungsbaumeister Vauban griff 1687 diese Pläne auf und verwirklichte die Deckung der Rheinfront und Beherrschung des mittleren Rheinlandes und der vier Kurfürsten von Köln, Trier, Mainz und Pfalz durch den Bau dieser Realfestung. Ludwig XIV. suchte mit dieser Position sein damaliges europäisches Übergewicht stärker als je zu verankern, wurde aber durch Europas Abwehr 1697 zur Aufgabe der ,,Reunionen" und Schleifung der Zwingfeste veranlasst. Die Festung verriegelte die Mittelgebirge Eifel und Hunsrück, sowie den Moselweg zu einem Sperrblock, flankierte Mittel -und Oberrhein und fesselte neben den vier rheinischen Kurfürstentümern die vielen Splitterstaaten. Sie versorgte aus der Etappe der Rheinfront die ,,Festungen" Köln, Bonn, Mainz, Landau, Strassburg und die ,,gefestigten" Plätze: Dill, Kirn, Ehrenburg, Oberstein, Lauterecken und Arenberg. Nach der Kriegserklärung 1688 eroberten französische Truppen schnell Bonn, Linz, Andernach und Mainz, - Koblenz widerstand der Belagerung. Das gesamte Gebiet um Mont- Royal wurde entfestigt. 1686 - 1689 waren die Schicksalsjahre für fast alle Burgen im weiten Umland, so für Cochem, die Winneburg, Beilstein, für Schlösser und Städte Zell und Bernkastel, Kastellaun, Simmern, Kirchberg. Die Eifelburgen folgten 1689. Man wollte mit der harten Entfestigung des weiträumigen Vorfeldes verhindern, daß sich die Reichsarmeen in Wehranlagen dieser Burgen festsetzten. So stand Mont - Royal schon in den ersten Bauphasen im Kriegsgeschehen, 1689 nach der Zurückeroberung von Mainz, nach der Schlacht bei Uerdingen (12.3.1689) und der Entsetzung von Kaiserswerth und Rheinberg - und 1692 bei der erneuerten Belagerung von Rheinfels.

Die Festung wurde mit Millionen französischer Staatsmittel, mit deutschen Zwangsgeldern und bis zu 8000 Fronarbeitern aus der weiten Umgebung des Moseltals erbaut. Sie umfasste mit einer Mittelachse von 5 km das gesamte Hochplateau des Berges mit dem Kern der Festung von 1,6 km Länge u. 750 m Breite, begrenzt vom linksseitigen Moselufer rund um den Halbinselberg. Die 50 ha große und 200 m hohe Felszitadelle bildete den Kern der Festung. Dieser war umschlossen von einem 2,92 km langen, bis zu 30 m hohen Hauptwall mit 5 Bastionen und 3 Bolltürmen. Er wurde gedeckt von 3 Hornwerken, 5 Ravelins, Gräben mit Kurtinen, Außenwerken, Gallerien und verschiedenen anderen Steinwerken um die Festungsstadt.

Der Süden wurde durch 1 Hornwerk, mit 3 Ravelins 3fach gestaffelt und 2 Flankenwerken gedeckt, der Norden durch 2 hintereinander liegende Hornwerke, eine Contregarde und zwei Ravelins. Der Ostfront entlang zogen sich bombensichere Kasematten mit Kasernenaufbauten. Einzelne Außenwerke: ,,Rabenwerk", ,,Eulenwerk" sicherten zusätzlich die Flanken. In den Vorwerken lagen weitere Magazine und Wachthäuser. Der Hauptwall hatte eine Basis von 13 - 15 m massiver Mauerdicke, einschließlich des schräg anliegenden Erdwerks bis zu 20 m. Die Mauerschräge nach aussen betrug 1:16. Die Mauerbänder waren 4 Fuss, an Stellen mit Erdanschüttung 8 Fuss breit. Alle Kanten, Geschützscharten und die Mauerkränze waren mit Sandsteinquadern eingefasst. Der Hauptwall wurde von 3 Haupttoren mit repräsentativen Fassaden durchbrochen. Doppeltore und Fallgitter sicherten diese Schwachstellen. Die Zugänge erfolgten über die Brücken, die teils auf überwölbten Infanteriekasematten standen und mit Zugeinrichtungen versehen waren.

Das südliche Tor war das ,,Trarbacher Tor", das nördliche das Trierer Tor"; vor diesem lagen zur Sicherung des schmalen Berghalses noch das ,,Luxemburger-" und ,,Maastrichter Tor". Die 5 Kasemattenbatterien (die in Zeichnungen erläutert werden) mit je 3 untergeschossigen und 3 versetzt hochliegenden Schießscharten im Bereich der oberen Grabenteile, gedeckt durch 13 m dicken ,,Flankenschutz", schützten die Bollwerkspitzen und Fronten.

Jeweils 2 Batterien waren durch Kurtinen verbunden, - im Mauerwerk Laufgänge, Stollen, Treppen. Teile dieser Labyrinthe sind in Plänen verzeichnet, wurden aber nicht mehr fertiggestellt. Um die trockenen Fels- und Mauergräben rund um die Kernfestung sowie ihre kleineren Wehren lief die auf tenailliertem Grundriß erstellte und mit Pallisaden gespickte Hauptverteidigung. Vor und hinter dem Erdglacis lagen weitere Werke und Schanzen. Die fünfeckige Kernfestung wurde von dem großen Zeughaus für ein mittleres Heer überragt. Back- und Schlachthäuser, Küchen und Mühlen, 3 Pulvermagazine, 22 Reihenkasernen für etwa 4000 Mann, 2 Offiziershäuser, diverse Magazine, 5 Zisternen waren im Bau. 20 von 101 geplanten Privathäusern, Straßen und Plätze - meist in der Südhälfte -waren fertiggestellt.
Südlich der Kernfestung lag über der gesamten Hochfläche (heute Flugplatz) das verschanzte Lager, ,,das königliche Hauptquartier". Es umfasste die Barackenstadt der Bürger, Handwerker und Beamten mit eigenem Verwaltungsamt und Gericht, Winterbaracken für Truppen, Ställe für über 3000 Pferde, Magazine, 2 Brunnen (Quellen) und Zeltlager für kleine und größere Truppeneinheiten.
Von den beiden Flankenwerken stieg man durch steile Wehrgänge hinab zur zweiten Vorwehr, einer Kette von 6 fertigen Geschütztürmen und Schanzen längs des Moselufers zum Schutz von Magazinen, Tierparks, Häfen, Brücken und einem großen Lazarett für etwa 1000 Kranke.
Geplant waren 8 solcher Redouten am Trabener Moselufer:
gegenüber Wolf am Hafen, vier an Rissbach vorbei, zwei zwischen Traben und Litzig und die achte in Litzig. Der dritte Wehrgürtel vor der Festung bestand aus den selbständigen Aussenwerken: 2 Redouten über dem Kautenbach und an der Mosel, 5 Bastionen um die modernisierte Grevenburg (siehe dortselbst), 3 kleinere Forts über derselben und ein Sternwerk über Enkirch.
Dieses Kolossalgebilde- auch ,,Zwingfeste" genannt, - hatte unter seinem Gouverneur Graf Montal bereits 1690 eine Kampfbesatzung von 14 Regimentern mit zusammen 8.450 Mann, 155 Geschützen und Riesenvorräten, z.B. wohl 2 Millionen Liter Wein. Sie war doppelt so stark besetzt wie ihre Stützen Saarlouis und Luxemburg, sowie ihre einzigen nicht bezwungenen rheinischen Gegner Koblenz und Rheinfels.