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Historischer Rundgang

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 Ein Rundgang

Wir beginnen den Rundgang an der Burgschänke, die sich westlich noch an einen der vier Pallastürme anlehnt (5. Falt­plan). Der Pallas ist heute ein hoher Schutthaufen, aber zwei Ecktürme der ehemaligen vier sind noch zu erkennen, davon der eine mit den Ansätzen einer Wendeltreppe. Der 3. Turm ist in den Trümmern zu erkennen, der vierte an der senkrecht abfallenden Felswand abgestürzt. Wir gehen an diesem Felssturz entlang zur talseitigen Giebelwand des Kommandantenhauses. Die Durchbrüche sind Entlastungsbögen. Sie waren ausgemauert und die drei Etagen nur mit kleinen Fenstern versehen. Links der schmalen Treppe zur ,,Kanzel" steht noch eine Kaminanlage aus dem unteren Stockwerk dieses Anbaus, während die ,,Kanzel" selbst keinesfalls ein Altan war, sondern eine Toilettenanlage.

Nach dem Verlassen der Kanzel achte man rechts auf eine Ausgrabungsstelle: Dort sucht man den schon einmal wieder­gefundenen Brunnen erneut und sieht vor sich Mauerreste und Stützbögen ehemaliger Kasematten und Gebäude. Der Besucher folgt diesen Ruinen, passiert die Fundamente eines Halbrundturmes, der die Flanken der äußeren Ringmauer der Altanlage deckte und kommt zur Burggraben-Anlage, auf deren aufgefüllter Sohle man heute die Autos parkt.

In diesem Bereich wird die Burg interessant. An freigelegten Grundrißelementen erkennt man die Handschrift Vaubans (ab 1688) des bedeutendsten Festungsbaumeisters zur Zeit Lud­wigs XIV. Er sah in dem ursprünglich angelegten Halsgraben nicht nur einen Schutz für die Burg, sondern schützte diesen selbst durch taktisch angelegte Verteidigungsanlagen.

Auf die Vortoranlage verzichtete Vauban ganz. Von der Schildmauer aus wurde (wie auf Mont - Royal) eine überwölbte Treppe auf die Grabensohle geführt. Von dort ging der Laufgraben durch eine Kasematte, mit beiderseitigen Schartenzangen für Gewehrfeuer hinüber in den gegenüberliegenden Felsen. Eine Wendeltreppe führte bis auf das obere Felsniveau zu den drei Oberwerken. An der Felsbasis zweigten Wehrgänge nach rechts und links ab.

Linker Hand sind ein Stützbogen und Felsdurchbruch zu erkennen; rechter Hand setzte sich dieser Wehrgang fort durch eine Felsnase bis zu den Kurtinen, die in die Außenmauern mündeten. So lagen Angreifer im Festungsgraben von allen Seiten unter Beschuß (vergl. Grundriß mit der Rekonstruktionszeichnung).

Auf dem Rückweg zur Burgschänke passiert man links den großen Steinhaufen des ehemals 35 Meter hohen Bergfrieds, dessen Steinmaterial zum Teil abgetragen und zum Häuserbau im Tal verwendet wurde. Damit ist der Rundgang über das Trümmerfeld beendet.

Wer auch die Reste der drei Oberwerke von Vauban besichtigen will, muß die ab Graben bergseitige Autostraße weit zurücklaufen und links einen spitzwinklig einmündenden Weg wieder in Richtung Burg benutzen. Auf der Höhe mit Blick zur Burg erkennen Kundige den Ausgang der im Fels durchgeführten Wendeltreppe und im Rücken- noch höher hinauf- Reste der sog. ,,Laterne", eines der 3 Oberwerke. Der Unkundige muß suchen.

Die Gesamtanlage gibt dem flüchtigen Betrachter nur noch wenige Anhaltspunkte, so daß zum Verständnis dieser einst bedeutenden Burg und Festung die angefügten Pläne eine Hilfe sein sollen. Gelohnt werden die Mühen durch herrliche Ausblicke auf beide Stadtteile, auf den heute so friedlichen Mosellauf und von der ,,Kanzel" aus weit in die Eifel hinein.

 Die Chance, die Burg ausgangs des 19. Jahrhunderts durch den Kommerzienrat Ravenée aus Berlin wieder aufbauen zu lassen, wurde vertan. Zu sehr stand man noch unter dem Eindruck der Kriegsnöte des 17. und 18. Jahrhunderts. Der Bau eines Zubringerweges zur Burg scheiterte an Besitzrechten angrenzender Eigentümer von Weinbergen, sodaß sich Ravenée mit seinem Hobby der Burg Cochem zuwandte. Aus fremdenverkehrspolitisch romantischer Sicht mag man dies heute bedauern; die wissenschaftliche Burgenkunde aber tröstet:

Lieber eine echte Ruine, als eine falsche Burg.

Wer zu Fuß zur Burg gekommen ist, sollte den Weg abwärts zum Kriegerdenkmal wählen. Die in den Fels eingehauenen Stufen waren zur Zeit Vaubans überwölbt und gegen Beschuß gesichert. Die Treppe endet auf dem Halbrundplateau des Kriegerdenkmals (1870/71). Seine Ausmaße lassen die Größe der ehemaligen Bastion erkennen, die jenseits des Trarbacher Tals ein Gegenwerk, die ,,Redoute", besaß.

Das kampfstarke Gegenwerk zur Sperre des Talsterns, der sich mit 3 Tälern zum Hunsrück öffnet, ist gesprengt und bis auf kleinste Überreste abgetragen. Ein nach vorhandenen Plänen gefertigtes Modell steht im Mittelmosel - Museum.

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