Die Grevenburg / Prof. Dr. h. Disselnkötter

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CAPITULATIONS Articulen 1.

G
leichwie diejenige feindliche invasion, welche das Römische Reich dermahlen von der Cron Franckreich in diesem Jahr 1784 erleidet / ihren Anfang in dem Ertz-Stifft Trier mit ungemeine dessen Pressirung und Attaquirung / des mit Churfürstl. Trierischer unterm Commando des Obrist Lieutenants nunmehrigen Obristen Freyherrn von Hohenfeld gestandener Soldatesca besetzt gewesenen Schlosses Grävenburg bey Trarbach genommen hat / also seynd wenige / welche nicht begierig gewesen / den eigenen und umbständlichen Verlauff von sothaner Frantzösischer Belagerung und Bombardirung zu wissen / deren Begierde zu vergnügen ist auch zwar ein und andere Relation hierüber in Druck ausgegangen / gleichwie aber bey deren Ueberlesung sich gezeigt hat / dass hierbey einige Ungleichheiten unterloffen / und das Publicum darmit übel berichtet worden so hat mann demselben sothanen Verlauff mit mehrerer Wahrheit hierdurch in Druck kund thuen wollen / und das Vermittels derselbstiger Relation, welche Ihre Churfürstlichen Gnaden zu Trier selbsten von gedachtem Commendanten Freyherrn von Hohenfeld bey dessen Retour zu Ehrenbreithstein unterthänigst praesentiret worden und das in folgender Forma Diarii.

Wehrender Zeit dass die Frantzosen unter Anführung ihres Generalen Graffen von Bellisle das von Ihre Churfürstl. Gn. mir zur Defension gnädigst anvertrautes Schloss zu Trarbach investirt (1 bestürmt). u. mit beständigem Feuer auff eine fast unerhörte Manier beängstiget / auch hierdurch fast zum Steinhauffen gemacht / mithin endlich mich genöthiget haben auff die Rättung der Mannschafft wenigstens bedacht zu seyn u. gemeltes Schloss mit Accord zu übergeben / bat sich folgendes in Facto mehr merkwürdiges nach meinen hierüber geführten Manuel Annotationen (2 handschriftlichen Notizen.) zugetragen.

Den 8ten April lauffenden Jahres 1734 umb 11 Uhr Vormittags kame der von Ihro Churfürstl. Gn. anhero abgeschickter Kayserl. Hauptmann HErr Graff von Wormbrand dahier zu Trarbach glücklich an.

Eodem erhielten wir Nachrichtliche Kundschafft / dass sich die Frantzosen 3 biss 4 Stunden von hier hatten sehen lassen / u. wie mir unbekannt / auch ungewiss ware, wohin etwa dieselbe ihre Absicht gerichtet / so hab ich zu aller praecaution in Hoffnung die Statt noch einige Weyl behaupten zu können alle deren Thore und Posten doppelt besetzen lassen.

Folgenden Tages den 9ten zwischen 3 u. 4 Uhren in der Nacht that (unter) deren Faveur (3 Schutz.) der Feind sich in aller Stille mit 17 Granadiers, u. drey frey Compagnien der Statt näheren / zu gleicher Zeit alle deren 3 Thoren attaquiren die gröste Macht aber an das Mosellthor wenden / u. daselbst den Angriff mit solcher Force, dass unseres Wiederstands ohngeachtet die Barriere in Stücke zerhauen / das Thor selbsten aber durch eine Petarde auffgesprenget / und demnach ich gemüssiget worden mich mit der bey mir gehabten Mannschafft auff das Schloss zu retiriren / da hiengegen der Hauptmann Paudonville der am Weyerthor seinen Posten u. selbigen zu defendiren gehabt / durch schnellen feindlichen Ueberfall sambt 45 Mann gefänglich genommen worden von denen Feinden seynd bei diesem Angriff dem hernechstlichen Vernehmen nach bey 20 Mann todt geblieben / da hiengegen wir nur einen Todten gehabt.

Selbigen Morgens zwischen 8 u. 9 Uhr liesse sich ein Frantzösischer Ingenieur oben auf der Charpirung blicken / umb sich über die Situation des Schlosses in dieser Gegend zu erkundigen / worüber er vom hohen Thurn mit einer Wallbüx todt geschossen wurde.

Eben gleich darauf liess der Chevalier de Bellisle mir durch einen abgeschickten Tambour bedeuten / dass ich die von denen meynigen bei der Retirade zurückgelassene Bagage aus dem Stättlein auf Parole, u. in Sicherheit abnehmen lassen mögte / da ich aber mich auff die blose Parole eines Tambours nicht verlassen könnte / sondern hierüber schriftliche Versicherung verlangt / wurde mir ein Schreiben von dem Chevalier de Bellisle zugesendet / worinn er sich darüber / dass ich auff die Statt feueren liese / beschwerte / dafür haltend dass solches so gar gegen die Intention des Kayserl. Ministerii laufen thäte / u. mir zugleich vormahlend / wie in Italien der Gebrauch oder das Herkommen wäre / dass wann eine Statt übergangen / das Schloss oder die Castelle sich auch ergeben müste sich erbiethend mit mir in der Güte hierüber zu tractiren / dem ich aber in schrifftl. Antwort erklähret / wie ich vors erst in dem erhaltenen Schreiben die verlangte schrifftl. Versicherung /  dass meinen Untergebenen ihre zurück gelasene Bagage aus Generosität verabfolgt werden solte / nicht finden thäte /.  Zum anderen wäre mir von denen angegebenen Italiänischen Gebräuchen oder Herkommen nichts bekant / one dem aber seyen wir keine Itaiäner / sonderen Teutschen / u. würde ich bey meinem obhabenden Commando das meinige exacte beobachten / wozu mich meine Pflichten anwiesen / jedoch wolte ich die Statt verschonen / sofern sie, Frantzosen, nicht von daraus mich u. die meinige molestiren würden.

Nachmittags umb 2 Uhren liese ich den Chevalier de Belle-Isle in einem durch einen Tambour abgeschickten Schreiben bedeuten, dass wann er nicht inhibiren würde / dass seine Leuth sich an denen Häusern gegen die Vestung blicken liesen / und gegen dieselbe feindlich agirten ich meine heut abgegebene Parole zurückziehen und die Schuldigkeit observiren würde.

Den 10ten ejusdem hielte man sich Frantzösischer Seits ganz eingezogen / ausser das Abends zw. 10 u. 11 Uhren ein falscher Alarme in der Statt Trarbach gemacht und wehrendem solchem falschen Alarme von ihnen tendiret wurde den neuen Thurn zu unterminiren / welche Absicht aber durch die daselbst postirte Mannschafft vermittels ausgeworffener häuffiger Granaden zernichtet wurde.

Den 11. bey anbrechendem Tage fande mann ohnweit dem neuen Thurn verschiedene von denen Feinden auff der Stelle zurück gelasene Minier Gereidschafften nebst einer Pulverdecken / die ich durch einen mit einem Strick herabgelassenen gemeinen samlen u. in das Schlos bringen lassen.

Eodem liese der Hauptmann Boudonville vor sich und übrige gefangene zu ihrer zeitlicher Subsistence einiges Geld begehren / deme ich dann zu solchem Ende vor seine Person fünffzig Gulden / denen anderen gefangenen aber iedem eines gantzen Monaths- Sold ausszahlen liese.

Den 12. wie im gleichen den l3ten hielte sich der Feind gantz eingezogen / u. veranlasete solches / dass ich am folgenden l4ten einen gemeinen von der Compagnie des Hauptmann Boudonville auff die Charpirung zum recognosciren aussgeschicket / der aber der Orthen alles still und vom Feind nichts angetroffen.

Den 15. erhielte ich von der Burgerschafft der Statt Trarbach eine Bittschrifft dahin gestellt / dass ich die Burger in ihre Weingarts Arbeit / auch das Viehe auff die Weyd sicher aussgehen lassen mögte / wie mir aber solches Begehren gefährlich geschienen / hab ich ihnen selbiges, als nit Kriegs- gebräuchlich abgeschlagen.

Den 16. thate ich Mittel finden durch einen zu nächtlicher Weyle von dem Schloss herabgelassenen Soldaten der seiner Profession ein Leyendecker war Nahmens Philips Esch das bisshero passirtes an ihre Churfürstl. Gn. unterthänigst zu berichten.

Den l7ten hielte sich der Feind gantz still und eingezogen.

Den 18ten nahme ich wahr dass der Feind die fliegende Schiffbrücke zu Trarbach obwerths / um sich deren zu bedienen / führen lassen wollte / liesse dahero solche in Grund schiessen.

Den 19. und 20ten liesse der Feind zu nächtlicher Weyl oben über die Charpirung an einer Batterie arbeiten / und bediente sich hierzu einer ohngemeiner Menge von Faschinen / die ich zwar mit Bomben werffen auch mit Haubitzen und Handtmortieren zu vernichten suchte / der Feind aber wolte sich ohnerachtet eines hierbey gehabten zimlichen Verluste an Arbeiteren an der Fortführung seines Wercks nicht hinderen lassen.

In der Nacht zwischen dem 20ten u. 21ten liesse der Feind auff dem Stattkirchhoff eine vertieffte mit Faschinen versehene Bedeckung anfangen / und wie solches gegen das hiebevorn hine inde Vertragenes Liefe / so thate ich demselben schriftlich deuten / dass / fals er von sothanen Werk nicht abstehen / u. das angefangenes demoliren wolte / ich solches von der Vestung aus zu ruiniren nicht unterlassen würde.

Wie nun mir hierauff eine Antwort zugekommen / worauss sich ergabe dass die Feind das vornhien verabredetes zu halten nicht gesinnt seyen, so hab ich gegen solches angefaugenes Werck Canoniren u. Bombardiren lassen / ohngeachtet auch die Burgerschafft von der Statt mich per Memoriale belangen liesse dass ich die Statt verschonen mögte / so hab ich aber derselben mündlich erklären lassen / dass wann sie bey dem Feind erhalten / und ausbringen könten / dass deren Arbeit in der Statt ein- oder abgestellet würde ich gegen die Statt nicht das geringste unternehmen wolte, wiedrigens aber gemüssiget seyn würde die daselbsten errichtete feindliche Wercker zu deren Ruinirung beschiesen zu lassen / wie ich dann auch darauff die Canons und Mortiers richten / forth das Werk ordentlich beschiesen u. bombardiren liesse.

Den 22ten Aprilis liesse der Feind eine Blendung von Faschinen unten an dem Schloss Thor auffwerfen / umb ihre in- und aus der Statt passirende vor unserm Schiesen zu bedecken.

Den 23ten liesse ich die von denen Feinden den vorigen Tag gemachte Blendung mit laborirtem Brenngezeig / u. Leuchtkugeln anstecken / u. obschon der Feind das Feuer zu löschen auff alle Weiss u. Manier gesuchet / so ist er doch daran durch unseres Geschütz / auch kleines Gewehr von der Vestung gehindert, mithien die völlige Blendung in Asche gelegt worden: also dass damit zugleich 4 Frantzosen / die das Feuer mit löschen wolten, aber darinnen zu stürtzen das Unglück hatten, zugleich verbrennt würden.

Den 24ten morgens umb 4 Uhr liesse der Feind mit kleinem Gewehr ohnauffhörlich / u. zwar Schuss auff Schuss nach uns auff der Vestung feuren / und wie solches biss 2 Uhren Nachmittags continuirte / so finge er zwischen 2 u. 3 Uhren an von seiner auff der C ha r p i r u n g angelegter Baterie auff uns mit 2 halben Cartaunen zu spielen / auch die Vestung von darauss mit verschiedenen Mortiers von der am Stattkirchhoff angelegter Baterie aber mit 2 Mortiers zu bombardiren / und obschon dieses ohne einige Nachlas geschehen / so gienge doch alles ohne Beschädigung ab / ausser dass unseres Hey- und Strohe- Magazin durch eine eingefallene dessen verdoppelte Thür einschlagende Bombe angezündet und solche Thür von uns / die wir anderst in denen Casematen uns des Dampffs halber nicht hätten erhalten können / so gleich zugemauret wurde / inzwischen zehlten wir von 8 Uhren Nachmittags biss zum anderen Tag Morgens 7 Uhren ins Schloss gekommene und crepirte 214 Bomben nebst 144 Canons Schüssen / hierbei liesse sich von denen Feinden einer in roter Kleydung sehen / welcher mit zweyen in Händen gehabten Pistolen gegen uns zur Bravoure trohent spielete / wurde aber darüber mit einer Wallbüx todtgeschossen / und wie wir nachgehends vernommen / ware selbiger ein naher Anverwandter des Graffen von Bellisle.

Den 25. continuirte der Feind sein voriges canonieren / und bombardiren / wir aber unterliesen nicht unserer seiths so viel möglich zu antworten massen dann auch hierbei dem Comte de Bellisle selbst begegnete / dass als er auff einem Block sitzend die Artilleristen zum wackeren Feueren gegen uns animirte eine Kugel von unsern Stücken sothanen Block ergriffen / und der Comte de Bellisle hierüber eine schwere Contusion an einem Schenkel bekommen.

In der Nacht zwischen dem 25. u 26. Morgens zu ein Uhr thate der Feind einen Versuch und Anfall auff die äusserste Bariere / und wie ich ab der von selbigem gemachter Anstalt Ursach bekame zu glauben / dass derselbe einen Sturm zu wagen vorhaben müse / liesse ich die Guarnison so gleich nach der Ordnung rangiren u. zu einer dapferen Resistenz animiren / die dann auch uff die angerückte Feind wacker u. ohnaufhörlich feurete / als dass dardurch viele von denen Feinden geblieben zu seyn gemutmaset worden.

Bei anbrechendem anderem Tag als den 26. aber erfuhr man / dass der Feind uns hierdurch eine Diversion zu machen intendirt habe / indem wahr genommen wurde / dass derselbe währender solcher nächtlicher Ataque mit einer neuen Baterie sich der äusserster Bariere genähert, und obwohlen wir dieselbe durch unseres Feuer zu zernichten trachteten u. hierzu was nur möglich ware den gantzen Tag / auch die folgende Nacht über anwendeten / so fande der Feind doch Mittel solche Batterie in gedachter Nacht zwischen dem 26. und 27. zu vergrösseren / u. uns näher damit beyzukommen. Selbigen 26ten gegen Mittag thate der Feind das Schloss hefftiger dann vorhien bombardiren und zwar mit solchen Bomben / deren Calibre ad 300 Pfd. kame damit auch den gantzen Tag und gefolgte Nacht über continuiren / wordurch dann uns grosser Schaden und Abbruch in der Communication geschehen / indem durch sothane Bomben der Casematten Gang auff der Hauptplatzen nebst anderen eingeschlagen wurde.

Den folgenden 27ten wurde mit dem canonieren und bombardiren nicht nur den gantzen Tag über continuirt / sondern das Feuer gleichsam verdoppelt und zwar wurden uns sogar von der Charpirung herunter in den Schlossgraben gerollet / auch mit Mortiers ins Schloss geworffen Bomben / so nach visitirt- oder examinierter Helffte eines im Graben auffgehobenen u. in soweit beisammen gebliebenen Bodenstücks 520 Pfd. haben schwehr sein müssen. Bei allem diesem unterliesse ich nicht die in letzt verwichener Nacht von dem Feind an unsere Barriere auffgesetzte Fachinen bedeckung oder Baterie anstecken zu lassen welches auch von guten Effect ware / der Feind aber lieffe von allen seithen zu / und thate ohngehindert unseres von dem Schloss gemachten beständigen Feuers mit selbst eigener Einreissung deren Fachinen worüber drei von ihren geharnischten Biconiers ins Feuer gefallene vor unseren Angesicht mit verbrant worden / den weitherumb und Eingriff des Feuers hindertreiben / da hingegen der Feind / gegen das Schluss ohngeheurer und auf eine ohnerhörte Manier zu Bombardieren anfinge / also / dass uns in das Schloss 5, 6, biss 7 Bomben auf einmahl ein geworffen wurden / und alle ihren Effekt nicht allein thaten sondern auch deren verschiedene solchen Gestanck brachten / dass solcher kaum auszuhalten ware.

In der Nacht zwischen dem 27. u. 28ten hat der Feind sich abermahlen der Barriere und dem Schloss den Berg herauf genähert und Mine gemacht / als wolte er einen Anlauf tentiren, welchem wir aber durch beständiges Chargiren sowohl mit kleinem Gewehr, als dem Geschütz die gantze Nacht hindurch bis an den anbrechenden Tag begegneten / wehrenden solchen Acte liesse der Feind auff der hohen Rippe, welche zwischen dem Hunsrücker u. Berncasteller Weg gelegen ist / eine Illumination von Pech und Brenn- Werck in dieser ohngefährlichen  W  Figur anzünden / und machte dabei ein Geschrey von allons, allerde, avancés avec les fachines, was aber alles dieses eigentlich hat bedeuten sollen / wurde uns nicht bekannt.

Den 28. u. 29ten thate uns der Feinde nicht weniger dann vorhin zusetzen und finge an unten am neuen Thurn in die Felss zu brechen, als suchten sie solchen zu unterminiren und folglich zu sprengen / der Feind liesse auch durch geharnischte eine grosse Quantität Fachinen zusammen u. auffeinandertragen / umb sich dadurch den Zugang zum Schloss zu praepariren / ich liesse aber solche Fachinen alle anstecken / und verbrennen / wie ingleichen die welche zu Behauptung einer an die Barriere angenaheter Baterie, dahin zusammen getragen waren, alle in Asche legen.

In der Nacht zwischen den 29. u. 30ten übergienge ein Gemeiner von dem neuen Thurn zum Feind / worauff dieselbe noch in selbiger Nacht durch eine unter dem Schlossthor durch die Weinberg gemachte Communication bis an der Baterie vollig angerucket u. durch die daselbst gepflantzte Canons die vorderste Mauer mit solcher vehementen (sie!) und Schnelligkeit durchschiessen thaten / dass dergleichen nie gesehen / noch möglich zu sein geglaubt worden / solches Canoniren wurde auch mit einem immerwehrenden Bombardiren vergesellschafftet / deme wir sovil immer möglich begegneten / dabey auch sogar wahr nahmen / dass ein einiger Corporal in etlichen Stunden 11 feindliche Artilleristen todt geschossen / und wie er hiebey das Vergnügen haben wolte zu zusehen / wie der Eilffte todt geschossener von seinen Cameraden von der Stelle hinweg geschleppet wurde / bekam er selbsten einen Schuss vor den Kopff / und nahme also selbigen Weg zur Ewigkeit / denen er mehr dann zwey hundert Frantzosen zur Verwunderung unserer aller wehrender Belagerung gebahnet hatte; und dabey allem deme der Feind inzwischen Mittel und Wege gefunden seine an der Barriere - angelegten Baterie mit neuen zusammengetragenen Fachinen zu repariren / so liesse ich selbige abermahlen anstecken / verlohre aber dabei einen Mousquetir nebst einem Artilleristen.

Den 1. Maji zwischen 9 und 10 Uhr Vormittags thate der Feind ganz gähling einen Anfall auff die Barriere und unsere daselbsten postirte Mannschafft nöthigen sich nach etlichmahl aussgestandener von dem Feind gegebener Salve zu retiriren / zumahlen da der Feind auff das Schloss zugleich von allen Seithen / und (mit) sambtlichen Baterien ohnauffhörlich Canoniren u. selbiges bombardiren liesse / wodurch er sich die am 27. vorigen Monaths anzulegen angefangene Oeffnung und Breche völlig bis auf das Fundament es Mauer- Wercks aller gethaner Gegenwehr und gemachter Verbauung ohngeachtet zu wege brachte / über dieses auch noch eine volle Contrevallation bis an den Graben des sogenannten Bomben-Kessels / oder der grossen Casemate in der darauffgefolgter Nacht gefertiget und zum Stand gebracht hat

Anderen Tages den 2ten Maji wurde wegen so nahe angerückten Feinds / als der sich dermahlen im Stand fund ordentlich anzulauffen / vor gut und nöthig geachtet / dermahligen statum des Schlosses in allen Quartieren zu examiniren und wie hiebey gefunden wurde / dass die mehreste Casematen und Gewälber, durch die in ohnerhörter Menge auffeinander eingeworffen / auch von der Charpirung so gar herunter in den Schloss Graben gleichsamb gerolte Bomben eingeschlagen / durch das ohnauffhörliche Canoniren die mehreste Wercken und mit selbigen die verdeckte Schiesslöcher alle biss auff etwa 6 zur Breche gehend ausser Stand / die Canons demontiret dabey auch alle Communicationes ruiniret waren / so wurden sambtliche ober- und unter Officiers convociret / und sondiret / ob deren etwa einer eine Retirade die bey dem Fall eines feindlichen Anlauffs genommen werden mögte / anweisen könte / wie aber keiner ware / so dergleichen Anweisung hatte thun mögen / also das Schloss in die weithere Länge nicht zu erhalten gewesen / ware man auf Mittel bedacht / wie noch in Zeiten eine honeste Capitulation erhalten und hierdurch wenigstens die Mannschaft salviret werden mögte / zu dem Ende liesen wir selbigen Vormittags umb 8 Uhren die Chamade schlagen / erhielten auch endlich / dass umb zur würcklichen Capitulation zu schreiten / die Geisseln ausgewechsel wurden / da dann endlich zwischen uns und denen Feinden folgende Capitulation getroffen worden;

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