9. Kapitel

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Die Ueberrumpelung von Trarbach (9. April) und die Einschliessung des Schlosses.

Anfangs April 1734 trafen die Franzosen in der ihnen gehörigen Stadt Saarlouis alle Vorbereitungen zu einem militärischen ,,Coup"( Für die folgenden 3 Kapitel sind als grundlegende Quellen benutzt Augoyat, Aperçu historique (s. Anm. 71)11, 114 bis 132 (1862), die Arbeit eines tüchtigen französischen Genie-Hauptmanns, dem die Berichte Belle-Isles vorlagen; daneben) und versahen die Truppen mit Pulver und Bley und Brodrationen für 5 Tage. Der Generalleutnant Charles Lonis Fouquet, Graf von Belle- Isle, ein Unterfeldherr des Marschalls Berwick, der die Rheinarmee befehligte, hatte durch einen Spion (Pauli ?) in Erfahrung gebracht, dass die Trarbacher Garnison noch unten in der Stadt einquartiert und die 3 Stadtthore nur mit schwachen Wachen besetzt waren. Darauf hin plante er, durch eine Ueberrumpelung die Garnison von der Burg abzuschneiden: dann fiel diese von selbst. Am 5. April brachen etwa 1100 Franzosen, unter dem Befehl des Chevalier von Belle- Isle, eines jüngeren Bruders des Grafen, von Saarlouis auf und kamen in verdeckten Märschen am 8. abends einige Stunden vor Trarbach an. Auf der Raststelle wurden 7Abteilungen gebildet, die, jede an einem besonderen Punkt, aber alle gleichzeitig um 12 Uhr nachts die Stadt Trarbach angreifen sollten.

Im Laufe dieses Tages hatte v. Hohenfeld sichere Kunde erhalten, dass die Franzosen 3 bis 4 Stunden weit entfernt ständen: er hatte also Zeit sich auf den Ueberfall vorzubereiten. Er will denn auch die Wachen und Posten an den Thoren verdoppelt haben. Auch kam ihm ein erprobter Kriegsmann, der kaiserl. Hauptmann Graf Wurmbrand, zu Hülfe, der seine Compagnie von Coblenz her heranführen sollte, ihr aber vorausgeeilt war. Sonst aber wissen wir darüber, wie es an diesem Abend in Trarbach herging, wenig unbedingt Zuverlässiges. Der dem später viel getadelten Kommandanten überaus günstige Chronist Dielheim erzählt: "Zu dem Ende fanden sich etliche, welche die Lage und Gelegenheit der Stadt und Festung gar wohl wusten und grosse Versprechungen erhalten hatten, gegen 9 Uhr des Abends ein, den Berg an der Vestung nahe am Moselthor zu ersteigen und die Kommunikationsbrücke aus der Stadt in die Festung abzuwerffen. Allein es wolte ihnen dieses nicht angehen, weil es die daselbst stehende Schildwacht bey guter Zeit noch wahrnahm und daher Lermen machte. Hierauf verfügte sich die Besatzung auf ihre angewiesene Posten, und die Burger hingen allenthalben Laternen aus. Gegen 12 Uhr hatte sich dieser Lermen wieder geleget, und jedermann, sowohl Soldaten als Burger, hielten dafür, es wäre dieses von dem Commandanten mit Fleis so angestellet worden, um nur seine Soldaten auf die Probe zu stellen. Nichts desto weniger machten sich doch der Herr Graf von Wurmbrand, welcher eben des Mittags angekommen war, nebst dem Churtrierschen Comrnissario, Feldscherer und den Artillerie-Bedienten gleich bei dem ersten Lermen auf die Festung und der Herr Commandant und Freyherr Baron von Hohenfeld brachte dieselbe ganze Nacht mit persönlicher Besichtigung aller Posten zu" ( Moselantiquarius (S.693), dessen Bericht trotz aller Tendenz höchst wertvoll ist, sowie das).

Merkwürdig nur, dass von Hohenfeld selbst von all diesen Dingen nichts erzählt und sich über sein eigenes Verhalten in der Nacht völlig ausschweigt, obgleich er noch 1734 sich selbst in einer kleinen Schrift verteidigen zu müssen geglaubt hat (Diarium über die Belagerung und respektive Defension des Schlos zu Trarbach Sambt Beylagen. 1734 (Trierer Stadt-Bibliothek, abgedruckt weiter unten unter Anm.).

Ohne Frage sodann ist der Ueberfall am andern Morgen der Garnison überraschend gekommen, obgleich die Franzosen sich um mehr als 3 Stunden verspäteten und erst zwischen 3 und 4 Uhr morgens am Weiherthor Schüsse knatterten. Aber hier misslang der Angriff; der trier'sche Hauptmann Boudonville hielt sich mit 50 Mann recht tapfer und mehrere Franzosen mussten ins Gras beissen. Durch die Schüsse wurde die Garnison alarmiert; beim Scheine von Fackeln und rasch angezündeten Feuern flüchtete sie sich in grosser Unordnung auf das Schloss. Da gerät aber - wohl 1/2 Stunde später das Moselthor in die Gewalt der Feinde: hier ist der Chevalier persönlich zugegen; im Nu wird ein vor dem Thore angelegter Verhau zerstört; mittelst Leitern geht es durch den Stadtgraben, die Schildwache wird schlafend (?) überwältigt und das Schilderhaus in den Graben gestürzt. Mit einer Petarde sprengt man das Thor auf. Alles geht so geschwind vor sich, dass der Fähndrich Buchholz sich kaum mit seinen 24 Mann flüchten kann. -Schlechter sollte es den tapferen Verteidigern des Weiherthors ergehen, die auf dem Rückzuge bei der Kirche (44 Mann) gefangen genommen wurden. An Toten liessen die Trierer nur einen auf dem Markt erschossenen Nachzügler zurück. Doch erbeuteten die Franzosen eine ganze Anzahl von Moselschiffen, die die Trierer erst in den letzten Tagen von moselauf und -ab nach Trarbach hatten bringen lassen ( Kurtrier Act. Misc. 69 auf Grund von Angaben, die ein Trabener gemacht hat. Adressat des Briefes ist der trier. Oberst v. Botzheim, der Schreiber wohl ein kurtrierischer Geistlicher oder Beamter.). Spielend hatten die Franzosen diesmal einen grossen Erfolg errungen, wenn auch ihr Plan nicht ganz geglückt war. Ein Gerücht wusste sogar zu erzählen, selbst v. Hohenfeld sei beinahe gefangen genommen worden. Von französischen Soldaten im Bett überrascht, habe er sich hurtig angekleidet, sich für den Bürgermeister ausgegeben und gesagt, er wäre froh, dass sie, die Franzosen, gekommen seien und wolle geschwind noch die beiden andern Thore eröffnen lassen. Unter diesem Vorwand habe er sich aufs Schloss ,,retiriren" können.

3 Stunden nach der Ueberrumpelung kam Graf Wurmbrands Compagnie, 40 altgediente Leute, teils Trierer, teils Kaiserliche, in Traben an; auf dem Schloss bemerkte man sie und veranlasste sie durch Warnungsschüsse und öfteres Winken zum schleunigen Rückzug, der ihnen auch gelang (5. auch ebend. 79.).

Eine Stunde später erschien ein französischer Ingenieur auf der Höhe über dem Schloss: aber eine gutgezielte Kugel vom hohen Turm machte ihm den Garaus. Etwas später fiel es dem Chevalier ein, dem Kommandanten eine Falle zu stellen, indem er ihn durch einen Tambur auffordern liess, die in der Stadt zurückgelassene Bagage abholen zu lassen. v. Hohenfeld genügte das Ehrenwort eines Tamburs nicht, sondern er verlangte erst eine schriftliche Versicherung seitens des Chevaliers. Aber diese blieb aus. Statt dessen beschwerte sich der Franzose brieflich, weil vom Schloss auf die Stadt gefeuert werde: das gehe gegen die Intention des Kaiserl. Ministeriums und ausserdem bestehe in Italien der Brauch, dass nach Uebergabe einer Stadt auch das dazu gehörige Schloss sich ergebe. v. Hohenfeld schrieb zurück, ihm sei von den italienischen Bräuchen nichts bekannt, ohnedem aber seyen die Belagerten keine Italiener, sondern Teutschen und werde er bey seinem obhabenden Kommando dasjenige exacte beobachten, wozu ihn seine Pflichten anwiesen; jedoch wolle er die Stadt verschonen, sofern die Frantzosen nicht von daraus ihn und die Seinigen molestiren würden. Noch am selben Mittag aber liessen sich an den Häusern ,,gegen die Festung" feindliche Soldaten blicken und "agirten gegen dieselbe feindlich": da liess v. Hohenfeld gegen 2 Uhr durch einen Tambur erklären, falls das nicht aufhöre, müsse er Trarbach beschiessen, eine Drohung, die eine Weile fruchtete.

Ueberhaupt blieb bei den Franzosen volle 8 Tage nach der Ansicht der Belagerten alles still. Nur am 10. April versuchte ein Mineur, während eines falschen Alarms in der Stadt, den neuen Turm zu unterminiren. Handgranaten verjagten ihn und bei anbrechendem Tage holte ein Wagehals, der sich vom Turm herabseilen liess, die liegen gebliebenen Gerätschaften und eine Pulverdecke herauf. Am 15. April erhielt der Kommandant sogar eine Bittschrift von der Bürgerschaft, des Inhalts, dass er die Bürger in ihre Wingertsarbeit, auch das Viehe auff die Weyd sicher ausgehen lassen möge. v. Hohenfeld schlug das sonderbare Begehren, das vielleicht von den Franzosen ausging, weil es ihm ,,gefährlich" schien, als ,,nit kriegsgebräuchlich" rundweg ab. Am 18. machte der Feind Miene, die Ponte stromaufwärts zu schaffen: da liess er sie in Brand schiessen.

Mittlerweile gingen im französischen Lager wichtige Aenderungen vor sich. Am 12. April traf Graf Belle- Isle selber in Trarbach ein. In 9 Tagen zog er fast sein ganzes Corps heran, das aus 14 Bataillonen, 9 Schwadronen Dragoner, dem Bataillon Königsartillerie, einer Handwerker- und Mineur- Compagnie bestand  (Nach dem Moselantiquarius 694: Drei Dragonerregimenter, 10 Regimenter zu Fuss, 40 Kompagnieen ,,Granadirer" nebst 800 Wägen und Karren voll Kriegsgerätschaft. Nach Kurtrier Act. Misc. Kriegssachen Nr.60, fol. 5, waren es die Dragoner- Rgtr. Marechal de Camp, de la Suze, d'Harcourt; Abteilungen der Kavalerie- Rgtr. du Roy und de Bethune. Ferner 11 Infanterieregimenter: Royal, Tonraine, La Couronne, Vermandois, Soissonnois, Beauce, Vivarais, Montmorency, Rosnivinen, Courten Suisse, Lemk; und das Bataillon Royal Artillerie.

Cormontaigne sagt: Mémorial sur l`attaque des places Einl.: ,,So klein ein Platz sein mag, muss man ihn in aller Form angreifen, so sind 10-12000 Mann und einige Dragonerregimenter erforderlich; und diese kleine Armee wird sich hinreichend ermüdet finden, wenn sie einen regelrechten Angriff durchführen soll. Es ist wahr, dass diese Art von festen Plätzen Forts oder Schlösser sind, die eine von der Natur oder Kunst begünstigte Lage haben und nur eine kleine Besatzung beanspruchen. Derart war das Schloss zu Trarbach."). Ausserdem hatte er eine Reihe auserlesener Ingenieure bei sich. Das Lager schlug Belle- Isle auf der Höhe vor Irmenach auf, wo 1702 schon General Tallard gelagert hatte. Seit langem entschlossen, dem Marschall Berwick die Erlaubnis zur Belagerung des Schlosses abzuringen, hatte er in Saarlouis bereits das Belagerungsmaterial aufgehäuft, 28 Kanonen schweren Kalibers und 14 Mörser, darunter 2 achtzehnzöllige, welche 500 pfündige Bomben, sog. Comminges schlendern sollten, um die Gewölbe der Kasematten zu zerstören.

Am 15. April erhielt Belle- Isle die Erlaubnis zur Belagerung. Sofort liess er die Artillerie von Saarlouis zu Schiff herabschaffen. War dies nun wegen des niedrigen Wasserstandes von Saar und Mosel schon schwierig, so kam nach der Ausschiffung in Bernkastel eine neue Schwierigkeit hinzu: die hier zu Lande gebräuchlichen Wagen brachen unter der Last der Geschütze zusammen.

Die Franzosen verwandten diese ersten Tage und Nächte auf vorbereitende Arbeiten, Wegebauten, Abschlagen der Weinstöcke auf der projektirten Laufgräbenlinie und Errichtung von Schutzwehren für die Batterien.

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