7. Kapitel

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Der polnische Erbfolgekrieg (1733-1735).In seinen Ursachen und Anfängen.

Im Februar 1783 starb in Warschau August II., der Starke, König von Polen und Kurfürst von Sachsen, und im polnischen Wahlreich war bald ein hitziger Streit um die Krone im Gange. Hinter dem Sohn des verstorbenen August, August III., standen die Russen und der deutsche Kaiser Karl VI., während Ludwig XV. von Frankreich den andern Kandidaten, seinen Schwiegervater Stanislaus Lescinski, unterstützte. Ein europäischer Krieg war die Folge: in Polen, Ober- und Unteritalien, am Rhein und an der Mosel flammte die Kriegsfackel auf.

In diesem, von Seiten der Deutschen kläglich geführten Kriege fiel die unglücklichste Rolle dem Kurfürsten Franz Egon von Trier zu, dessen Land damals von den Franzosen gründlich ausgesogen wurde.

Zehn Wochen vor Kriegsbeginn ernannte Franz Egon neuen Kommandanten von Trarbach ( 115. Als Quellenmaterial in diesem und dem folgenden Abschnitt wurden hauptsächlich verwendet folgende Akten Grafsch. Sponh. Militaria 29 u. 30, ferner Kurtrier, Act. Misc. (1730 bis 1737). Es war der Oberst Freiherr von Stein, ein derb zugreifender, rücksichtsloser Soldat, der bald, weil er mit allerhand Forderungen kommt, mit der hiesigen Regierung ( 116. Damals scheint kein Präsident ihr vorgestanden zu haben; v. Koppenstein war 17. Jan. 1733 gestorben. Gr. Sponh. Mil. 29, 23 ist von einer ,,Abwesenheit" unsers gemeinschaftlichen Präsidenten von Vrede (sic) die Rede. Röhde (S.25) nennt diesen nicht.) und Einwohnerschaft, aber auch mit den umliegenden Territorialgewalten in Streit gerät und deshalb geradezu hochmütig und bissig genannt wird. Und in der That war sein Amt schon deshalb kein angenehmes, weil sein Landesherr nicht kräftig genug die Hand über ihm hielt und ihm obendrein die widersprechendsten Befehle sandte. Geärgert murrte der Freiherr wohl; die in Coblenz können schreiben, was sie wollen; ich kenne meine ,,ordres" ( 117. Gr. Sponh. Mil. 28,142 ff.; 29, 36 ff.). Am 1. August traf er ein und besichtigte sofort mit einem kaiserl. Ingenieur die Festung ( 118 ebend. 29, 1.). Da sah es so traurig aus, dass er fast einen Schrecken bekam, sieh dann aber sogleich hinsetzte und einen unglaublich langen Bericht und Wunschzettel nach Coblenz einschickte. Nicht nur um Verdoppelung der Garnison, um Beschaffung von 7 Geschützen, 200 Ctr. Musketenpulver, 100 gute Flinten. 2000 Flintensteine war darin gebeten, sondern noch hundert andere Dinge. Natürlich fehlte es auch an Lebensmitteln; v. Stein bittet deshalb um 400 Ctr. Mehl, um Wein, Reis, Gerste, Quetschen, Gewürze u.s.w., auch um 300 Hühner, 30 Hämmel, 3 milchende Kühe u. s. w. Selbst den Tabak vergisst er nicht: 9 Centner hält er für erforderlich. - Ganz besonders verlangte aber der bauliche Zustand des Schlosses rasche und gründliche Besserung: die Kasernen, so schreibt v. Stein, desgleichen die Wachtstuben müssen ausgebessert, die schiefergedeckten Holzdächer auf allen Gebäuden abgetragen und diese etwa 7- 8 Schuh hoch mit Erde und Sand bedeckt werden. An verschiedenen Stellen müsse man den Fels noch gründlicher abspitzen und dem Feinde die Annäherung vom Hunsrück her dadurch erschweren, dass man auf der Höhe über dem Schlosse drei breite Einschnitte, 12, 18 und 20 Schuh tief, anlege. Endlich forderte der Kommandant noch die Anfüllung der trockenen Cisternen, einen Barvorschuss von 1000 Thalern, um die Arbeit sofort beginnen zu können, und einen Kaplan als Seelsorger für die Garnison ( 119. Kurtrier Act. Misc. (1730-37) 21 ff. Auch eine Aufnahme über die Waffenvorräte ist vorhanden (ebend. 46 ff.). Darnach befanden sich 42 Geschütze auf dem Schloss, darunter noch 4, um Steinbomben zu werfen; ferner 7000 Kanonenkugeln, ebensoviel Stein- und andere Bomben, auch 500 Kartätschen. Auch ganz altertümliche Waffen, 42 Haken- und 150 Wallbüchsen sind verzeichnet, sodann 84 Sturmbomben á 60 Pfund, 70 Sturmfässer und 33 Sturmsensen. An Handgewehren sind 129 Musketen grösseren und 479 kleineren Kalibers aufgeführt, wofür 170000 Kugeln und 14000 Flintensteine bereit lagen ).

Bald entfaltete sich in Trarbach ein reges Leben ( 120. Kurtrier Act. Misc. 17-19.). Ein Dutzend Coblenzer Handwerker, ein Zeugwart, ein Proviantmeister, zwei Enkircher Franziskanerpatres tauchten in den Strassen auf, desgleichen eine Anzahl Artilleristen, nämlich 4 Feuerwerker und 7 Büchsenmeister. An deren Platz stellte man in Coblenz ein Anzahl biederer Bürger, die ,,mit dem Zirkel umbzugehen wussten und rasch ein bischen im Artilleriewesen instruirt" wurden, im Uebrigen aber ruhig ihrem bürgerlichen Geschäft nachgehen durften ( 121 ebend. 24.). Dann kam in 4 Abteilungen auch das Fussvolk von Coblenz und Trier her an. Nachdem man die untauglichsten und kinderreichsten ausgesucht und abgeschoben hatte, erreichte die Trarbacher Garnison im September 1783 ihre Höchstzahl, nämlich 442 Mann, einschliesslich 1 Obersten, 3 Hauptleute und 21 Artilleristen ( 122. Anhang zur T. Sp. F.).

Nun galt es zunächst alle notwendigen Bedürfnisse aufs Schloss zu schaffen. Das trier'sche Amt Bernkastel besorgte die Anfuhr von Holz, Pallisaden, Heu und Stroh. Die hiesige sponheimische Regierung half aus Gefälligkeit bei dem Hinaufschaffen von 30 Fuder Wein. Kaum war das geschehen, da kam Befehl von Coblenz, v. Stein solle 200 Fuder Wasser in die Cisternen bringen lassen und zwar unverzüglich; denn, wenn der Wassermangel auf dem Schloss ruchbar würde, so fürchtete der Kurfürst, werde der eine Gemeinsherr, Christian III., ein französischer General, es den Franzosen verraten und sie zu einem sofortigen Ueberfall veranlassen ( 123. Gr. Sponh. Mil. 30, 2 ff.). v. Stein wandte sich wiederum an die Räte Schumm und von Savigny mit der Bitte um Hülfe: allein diese, sonst so feindselig gegen einander wie ihre Herrschaften, gingen jetzt Hand in Hand; es kam über ihrer Weigerung zu scharfen Auseinandersetzungen und zu einer Beschwerde über von Stein, der den Räten angedroht hatte, sie an sicherm orth und Ende hinsetzen lassen zu wollen (124. ebend. 30, 17 ff. 10 ff. Es heisst in der Beschwerde Ew. Hochwohlgeboren (die Kurtrierschen Räte) werden verhoffentlich an dergl. exorbitantem Verfahren einen gerechten Abscheu tragen und bei Ihro Kurfürst. Gnaden es in die Wege zu richten wissen, dass dem Herren Kommandanten in Zeiten Ziel und Mass gesteckt werde und Er dabei wissen möge, dass Ihme nicht gebühre allhier im Lande fernerhin dergestalt zu hausen, als ob keine Herrschaft noch Obrigkeit mehr im Lande wäre." - Aus diesen Tagen stammt folgender interessante Zettel »Es wird Herrn Truchsäss Knodt zu Enkirch hiermit allerernst anbefohlen, mit Zuziehung (von) Büchenbeur(n) morgen früh 5 uhren längstens 3 wohl bespannte wagen mit Bäumen versehen, umb Wein zu führen, dahiro einzuschicken, bei deren Ermangelung schärfste militärische Execution zu gewärtigen. Trarbach, den 13. August. Freih. v. Stein, Obrister und Kommandant." - Damals wurde diese Drohung nicht wahr gemacht, weil die gemeinsherrlichen Räte dazwischen traten, aber später mussten die armen Enkircher die Nachlässigkeit des Reg.-Rats Schumm, der ihnen eine getroffene Anordnung nicht rechtzeitig übermittelte, mit einer Strafeinquartirung von 26 Mann und 10 1/3 Rthlr., allerdings später niedergeschlagenen Executionskosten büssen.). Die Sponheimer setzten es wirklich durch, dass alle angrenzenden Gebiete und Herrschaften mit herangezogen werden sollten ( 125. ebend. 30, 14 ff., 105 ff ). Nun fasste man ins Auge, folgende Gebiete heranzuziehen das rheingräflich- grumbachische Amt Thronecken, das rheingräflichdhaunsche Amt Wildenhurg, das halb kurtrierische, halb rheingräflich- dhaunsche Amt Rhaunen, das badische Oberamt Kirchberg, die kurtrierischen Aemter Zell, Baldeneck und Wittlich, das kurkölnische Amt Zeltingen, das zu , 1/3 kurtrierische, zu 2/3, Pfalz- Birkenfeld und Baden- Baden gemeinsam gehörige Cröverreich und endlich unser Oberamt Trarbach, gleichfalls ein Gemeingut der beiden letztgenannten. Jetzt ging es ans Werk: die Trarbacher stellten täglich 1 Wagen und 30 Handfröhner. Mit der Hinaufschaffung der 200 Fuder waren 6 Wagen und 160 Arbeiter wochenlang beschäftigt. Weil v. Stein seine Forderung zur Teilnahme an diesem Werke ziemlich formlos ergehen liess, weigerten sich die Rheingräflichen, und als von Stein nun kurz entschlossen ein Strafkommando unter einem Leutnant nach Rhaunen und Schloss Dhaun entsandte ( 126.  ebend. 30, 30.), erhob sich ein solcher Schrei der Entrüstung bei diesen Duodezfürsten, dass Kurtrier sofort einlenkte, die Zurückziehung jenes Kommandos verfügte und v. Stein zu einem Entschuldigungsschreiben nach Dhaun und Thronecken veranlasste. Nun freundlich vom Kurfürsten ersucht, doch um des gemeinsamen Besten unseres werten ,,teutschen Vaterlands" willen mitzuhelfen, thaten die Rheingräflichen erst recht nicht mehr mit. Die Rheingräfin zu Dhaun liess dem Freiherrn v. Stein sogar ein hämisches Schreiben zugehen ( 127. ebend. 30, 59.), fügte eine spezifizierte Rechnung über 79 Gulden bei, "so die Executantes in Rhaunen und Dhaun verzehret", verzichtete aber grossmütig auf eine Entschädigung für die dem Leutnant Lombardius von hoher herrschaftlicher Tafel in Schloss Dhaun verabfolgte Verköstigung ( 128. ebend. 30, 65 ff. Wegen Zeltingen hatte Kurtrier mit Kurköln eine Auseinandersetzung (30, 109 ff.).

Der Kommandant musste diese Bosheiten ruhig einstecken, weil es jetzt nicht "die Zeit sey, einen Federkrieg anzufangen und es sich mehr empfehle, zu einer mehreren Verachtung des Briefes denselben unbeantwortet zu lassen".

Auf ähnliche Schwierigkeiten stiess v. Stein. als er sich zu Reparaturzwecken 20 Eichbäume von den Sponheimischen Räten erbat ( 129. ebend. 29, 13 ff.). Sie wiesen ihn ab, weil die Trarbacher Wälder verwüstet seien: im kurtrier'schen Wald zu Heinzeroth und Krummenau fänden sich geeignete Stämme. Den Trierern aber waren die eigenen Bäume zu schade: daher entwarf v. Stein mit dem Bernkasteler Amtsverwalter Bohn einen neuen Vorschlag. Sie fordern jetzt 50 Stämme von 40 Schuh Länge und stellen die Wahl zwischen den halbtrier'schen Wäldern zu Lauffersweiler und Krummenau und denjenigen zu Lötzbeuren, Niederweyler, Hirschfeld und Sohren. Für den letzten Vorschlag entschieden sich die trier'schen Räte ( 130 .ebend. 30, 74 und 76.), denn danach brauchte Trier selbst so gut wie nichts beizusteuern. Nun sollten aber 38 von den 50 Stämmen aus badischem Wald genommen werden, weshalb der badische Oberforstmeister von Boxberg zu Kirchberg sich einmengte und v. Stein veranlasste, die zum Fällen ausgesandten Soldaten zurückzurufen. Er selbst sandte gleichzeitig dem Kurfürsten (14. Sept.) einen neuen Verteilungsplan ein, wonach die Rheingräflichen mit 18 Stämmen die Hauptkosten tragen sollten. Der Kurfürst dagegen hat dann durch einen dringenden, aber würdigen Brief auf von Boxberg und seinen Herrn einzuwirken gesucht; ob mit Erfolg, steht dahin, und es lässt sich nicht sagen, woher v Stein seine 50 Stämme erhalten hat ( 131. ebend. 30, 85-90, 94, 97.).

Selbstredend bekam man auch in Trarbach den Ernst der Lage zu empfinden ( 132. 24. Aug. 1733 berichtet die Trarbacher Stadtvertretung, dass v. Stein doppeltes Service für die Thorwachten verlangt hat und dass man diejenigen Herrschaftl. Bedienten, Einspäninger (etwa unsere heutigen Gensdarmen), Küfer und Boten, welche bürgerliche Häuser besitzen und ein bürgerliches Gewerbe betreiben, zwangsweise mit Einquartirung belegt hat, weil die Garnison verstärkt ist. ebend. 29, 8.). Ueber die Köpfe der Sponheimischen Räte weg verfügte v. Stein Ende August eine neue Polizeiordnung für die Stadt. Sie enthielt Weisungen, wie sich die Bürger bei etwaigem Alarm verhalten sollten  (133. Gr. Sponh. Mil. 30, 42). Die Wirte sollten fortan allabendlich ein Verzeichnis ihrer Logiergäste einreichen, kein verdächtiges Gesindel beherbergen, den Soldaten nichts borgen, noch weniger etwas von ihnen in Versatz nehmen und keinen Bürger aus der Stadt nach dem Zapfenstreich mehr in der Wirtschaft dulden. Die Dienstmägde sollten keinerlei Gemeinschaft mit Soldaten haben und die Metzger gehalten sein, zweimal in der Woche für die Garnison frisches Fleisch zu schlachten. -Ein anderer Zank zwischen v. Stein und der Bürgerschaft rührt daher, dass der Kommandant mit seinem knappen Gehalt, wozu ja die Stadt 84 Thlr. jährlich beisteuerte, nicht auskam. Ein Gesuch um Erhöhung wurde vom Kurfürsten mit Stillschweigen übergangen und ihm dafür nahe gelegt, sich lieber die Zuneigung und Liebe der Trarbacher Bürgerschaft zu erwerben. -Unmittelbar, nachdem die Franzosen dem Kaiser den. Krieg erklärt hatten, liess v. Stein den Bürgermeister Arnoldi kommen und erklärte ihm, er habe, da jetzt Krieg sei, ein mehreres von nöthen als 84 Rthlr. Auf die Frage: Wie viel? schwieg er sich aus, wollte auch keinen schriftlichen Antrag stellen. Natürlich beschwerten sich die Trarbacher beim Kurfürsten und die Folge war, dass v. Stein eine scharfe Rüge erhielt, "es stehe ihm nicht zu, von der Stadt Trarbach zu seinem Privatvortheil weiteres als ihme bis dato gewähret worden, herauszupressen" ( 134. ebend. 29, 48; 50-1; 30, 122.).

Als am 21. September die 200 Fuder Wasser glücklich oben auf dem Schlosse lagen ( 135 ebend. 29, 33.), hatte man die Fröhner noch weiter nötig, einmal zur Hinaufschaffung von Erde und Sand, um damit die Dächer zu bedecken, sodann zu der "vorhabenden escarpirung" (Abspitzung des Felsens), die noch etwa 4 Wochen Zeit erforderten. So arbeiteten denn die Sponheimischen Arbeiter ruhig weiter; erst nachdem sie im ganzen 64 Tage Frohndienste gethan und die anderen bereits mehrere Tage ausgeblieben waren, streikten auch sie, am 16. Okt.; nur die Einwohner des Cröverreiches wurden noch länger herangeholt. Die Trarbacher Räte haben über diese Leistungen Buch geführt: ihre Gesamtausgaben veranschlagen sie auf 708 Rthlr. 4 Albus, wobei für den Kopf des Fröhnere 9 Albus, für den 4- bezw. 6 spännigen Wagen 4 bezw. 6 Rthlr. täglich angesetzt sind.

Während um diese Zeit seitens der Stadt in Frankfurt a. Main abermals und anscheinend vergeblich über ihre traurige Lage Beschwerde geführt wurde, gelang es ihr wenigstens, vom Kurfürsten zu erwirken, dass die Soldatenweiber und -kinder, die den Bürgern sehr zur Last gefallen waren, vor Beginn des Winters nach Coblenz abgeschoben wurden ( 136. ebend. 29, 50-1 und 30, 124.).

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