6. Kapitel

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1729 und 173O.

Einige Wochen darauf, am 30. April 1729, haben Bürgermeister und Schöffen eine Zusammenstellung über dasjenige gemacht, was seitens der Stadt für den Graf O'Connor ausgegeben ist. Darnach hat dieser den Hausrat seines Vorgängers d'Abadie übernommen (104) T. Sp. F. 22. 16 Lehne-Stühle, 18 Lein-Tücher, gross und kleine, vor H. Commandanten und seine Domestiquen, 2 Vorhänge um 2 Bettstätte nebst weissen Vorhängen an die Fenster, 2 neue Matratzen, 3 Unterbetter,2 Kopff-Pülven, 1 Kopff-Matratze, 6 lederne Küssen, 2 Bettziechen, 6 Küssen-Ziechen, 1 neue Cattone Decke, 6 wollene Deckel-Tücher, 3 Bettladen, 2 Tisch - Teppich, 5 Tisch - Tücher, 4 Hand-Tücher, 18 Servietten, an Zinn, wie auch alles, was in der Küchen an Eisen, Kupffer -, Holtz -, Stein- und Erden-Geschirr erfordert wird, fast alles neu und vom vorigen Hollandischen Commandanten Herrn d'Abadie überblieben ist zum geringsten ästimiret worden 151 Rthlr. 36 Albus.) und zwar fast alles neu, ,,zum geringsten ästimirt" auf 151 Rthlr. 36 Albus. Dazu ist ihm all die Jahre hindurch jährlich für durchschnittlich 25 Rthlr. zugekauft worden.

Weiter liegt vom 21. November eine notarielle Aufnahme vor über dasjenige, was man O'Connor seit November 1714 in natura geliefert hat, was davon annoch, wiewohl meistens ruiniret, vorhanden oder gäntzlich verlohren gegangen ist. Das Schriftstück lässt in vielen Stücken einen unnützen Verschleiss und eine liederliche Wirtschaftsführung erkennen.

T. Sp. F. 23. Summarische Specification Dessen, was das Städtlein Trarbach vom 14. Nov. 1713 biss den 21. Nov. 1729 in Herrn C. Grafen von Occonor Haushaltung foumiren müssen: Sodann, was laut und endlich, was Inventarii vom 21.  Nov. 1729 darvon annoch wiewohl meistens ruiniret, vorräthig gefunden worden: und endlich, was gäntzlich verloren  gegangen ist:

 

 

11 Paar feine Leintücher

24 Paar Knechts Lein-Tücher

17 Tisch-Tücher

17 Dutz. Servietten

15 ,, Hand-Tücher

4 Unter- Better

1 Knechts-Bett

18 Federne Küssen

11 Küssen-Ziechen

4 Matratzen

4 Cattone Decken

7 Wollene Deckel-Tücher

4 Vorhänge u. Bett-Stätten

4 Tisch-Teppiche

68 Pfd. Zinn

31 Stühle

3 gr. küpfferne Kessel

1 Tarten-Pfanne

4 Eiserne Küchen Pfannen

3 Paar

5 Paar

4 Paar

1 Dutz.

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2 (Stück)

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7 (Stück)

3 (Stück)

3 (Stück)

4 (Stück)

5 (Stück)

2 (Stück)

2 (Stück)

541/2 Pfund

19 (Stück)

2 (Stück)

1 (Stück)

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8 Paar

19  Paar

13 Paar

16 Dutz.

15 Dutz.

2 (Stück)

1 (Stück)

6 (Stück)

8 (Stück)

1 (Stück)

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2 (Stück)

2 (Stück)

2 (Stück)

131/2 Pfund

12 (Stück)

1 (Stück)

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4 (Stück)

Inventiret, den 21. Nov. 1729, im Beyseyn Herrn Weyrichen / Notarii und Ober-Amts-Wayssen-Vogten an Seiten Herrn Graffen von Occonor.
An Seiten des Städtleins Trarbach der beyden Gericht- Schöffen Herrn Philipps Kaysern und Herrn Johann Daniel Mog.


B
eide Aktenstücke waren augenscheinlich für den neuen Kurfürsten angefertigt, doch brachten sie keine Aenderung zuwege, so wenig wie mündliche Vorstellungen, die eine Abordnung von Bürgern in einer Audienz Mitte März des folgenden Jahres vorbrachte (
106) Gr. Sponh. Mi. 28, fol. 107/8. T. Sp. F. 18.).

Da schloss unerwartet am 29. April der verhasste Kommandant die Augen. In Trarbach äusserte sich eine Freude, "wie sie im Mittelalter kaum durch den Tod des rohesten Zwingherrn erzeugt werden konnte" (107) v. Stramberg, Das Moselthal, Seite 97.). Zur Visitation erschien kurz darauf General v. Wambold und verlangte für den Vice- Kommandanten, Oberst - Leutnant Arents, die Weiterleistung des ,,Service". Die Trarbacher jedoch, nicht gewillt, sich länger alles ruhig gefallen zu lassen, weigerten sich und drohten die Sache dem oberrheinischen Kreiskonvent vorlegen zu wollen. Als sie ihre Weigerung dem Kurfürsten auch schriftlich anzeigten, erhielten sie zunächst keine Antwort. Deshalb baten sie in einem zweiten Schreiben (31. Mai), der Kurfürst möge sich wegen des Service doch erklären, ob er es nachzulassen willens sei; sodann, man möge sie für die Unkosten, die ihnen in Höhe von 4600 Rthlrn. aus der üblen Haushaltung und den Servicegeldern O'Connors erwachsen, wenigstens durch den nachgelassenen, ,geringen" Hausrat entschädigen, der sonst an ,,Weltfremde" fallen müsse (108) T. Sp. F. 18. Bürgermeister und Rat an den Kurf. Franz Georg.).

Mit der Uebergabe dieses Gesuchs wurde der geschäftskundige und kluge Gerichtsschöffe Joh. Seb. Caspari betraut, den Franz Georg sehr liebenswürdig und entgegenkommend empfing. Es blieb dem Hofrat Coll überlassen, Caspari und seinen Vetter Böcking schroff abzuweisen und sie durch Drohungen einzuschüchtern (109) Gr. Sponh. Mil. 28, fol. 105 ff.).

Nur ein schwacher Trost für die Trarbacher war es, dass jetzt gerade der churmainzische (zugleich baden- badische) Kreistagsgesandte Löhr seine Hilfe anbot und den Rat gab, die Leidensgeschichte der Stadt und eine Aufstellung der Unkosten in 60 Exemplaren drucken und an die Kreistagsmitglieder verteilen zu lassen (110) ebend. fol. 104. Das war der Anlass zur Herausgabe der sog. Trarbacher Spezies Facti.). - Aber damit wurde die Forderung Kurtriers wegen des Service nicht aus der Welt geschafft; der Präsident und Oberamtmann Freiherr von Koppenstein und der (badische) Regierungsrat Schumm rieten sogar zum sofortigen Nachgeben (111) ebend. fol. 94/95.) Die Bürger aber hörten auf v. Savigny und zogen die Sache hin, was ihnen sechs Wochen gelang. Am 3. August 1730 machte Oberst-Leutnant Arents Ernst. In der ,,strengsten" Erntezeit liess er früh morgens um 8 Uhr die Thore Trarbachs verschliessen und bis 4 Uhr nachmittags niemand von der Bürgerschaft, nicht einmal ein Stück Vieh aus der Stadt heraus. ,,Die Gemeinde Traben, welche ihr mehrstes Ackerfeld auf der Trarbacher Seite liegen hat und damahlen mit Einerndtung des Korns begriffen war, musste jenseit Trarbach am (Schott -) Thore mit einer grossen Anzahl mit Früchten beladener Wagen die gantze Zeit über in einem hohlen Wege halten bleiben, ohne dass einer dem andern ausweichen konnte. Die gantz unentbehrliche Kommunikation beider gegenüberliegender Orte Trarbach und Traben wurde gäntzlich abgeschnitten, auch denen daselbst wohnenden herrschaftlichen Bedienten die Gelegenheit entzogen, ihre Funktionen zu verrichten, ja sogar denen theils zu Traben wohnenden Praeeptoribus und Discipulis des Trarbacher Gymnasii der Zugang dahin versperrt, und weilen die armen Einwohner ihr Vieh nicht von dem Hirten treiben lassen dörffen, sondern selbiges im Stall halten mögen, so ist die Beschwehrung, so ihnen daraus zugewachsen, desto leichter abzunehmen." Frhr. v. Koppenstein und Schumm waren - merkwürdiger Weise - zur Zeit nicht in Trarbach anwesend; deshalb erwirkte Bürgermeister Arnoldi um 9 Uhr früh die Erlaubnis, mit einigen Gerichtsschöffen a) zu v. Savigny traf Franz Georg in seiner Residenz Coblenz nicht an, eilte ihn, bis Montabaur nach, wo er dem Waidwerk oblag, und wurde mit gemessener Höflichkeit empfangen. Der Kurfürst tadelte allerdings das üble Betragen O'Connors sehr, den er, hätte er darum gewusst, nicht in Trarbach belassen haben würde, blieb aber in dem Hauptpunkte fest: es komme ihm fremd vor, dass man von Seithen des Städtchens sich zu nichts verstehen wolle; es müsse ein vor allemahl demselben ein rechter Ernst gezeiget und selbiges via facti zu seiner Schuldigkeit angehalten werden. Die Einwohner des Stättleins seien zwar - sehr zu beklagen, hätten es aber einer besondern Fatalität zuzuschreiben dass das Schloss ihnen so nahe liege. - Da nahm sich Savigny die Freiheit, den oft geplanten Neubau von Kasernen auf der Grevenburg zur Sprache zu bringen und erinnerte an die "etlich mal hunderttausend Gulden, die der Kurfürst vom Kaiser für Ehrenbreitstein und Trarbach erhalten habe". Da legte sich Franz Georgs Stirn in Falten: er habe das Geld nicht zum Festungsbau, sondern zur Verstärkung seiner Truppen erhalten und davon das blaue Bataillon errichtet. Als nun v. Savigny noch nicht locker liess und hinwarf, ein Bataillon koste doch unmöglich so viel, da schien der Kurfürst in einigen Unwillen zu geraten und v. Savigny zog sich schleunigst auf seine anfängliche Bitte zurück: man möchte mit der militärischen Exekution sich so lange gedulden, bis die Stadt diese Angelegenheit ihren beiden Landesherren unterbreitet habe. Nun gewährte der Kurfürst die knappe Frist von 14 Tagen, die dann sein Hofrat Coll allerdings inter pocula am folgenden Tage um eine Woche verlängerte (112) ebend. fol. 113-124, vgl. 109 ff.)

Noch vor v. Savignys Rückkehr hatte der Vize- Kommandant, in der Hoffnung, die Bürger mürbe zu machen, am 8. August noch einmal die Thore schliessen lassen: hei der Hartnäckigkeit der Trarbacher natürlich umsonst. - Die Frist verstrich; die Gemeinsherren legten bei Franz Georg und beim Kreisconvent Verwahrung ein, schickten den Trarbachern aber keine einhellige Erlaubnis, sich mit Arents zu verständigen.

Nun wiederholte dieser am 4. September die Absperrung in noch schärferer Weise und drohte damit fortzufahren, bis man nachgebe. In der Nacht wurden unter den 3 Thoren des Städtchens von den Soldaten so grosse Feuer angezündet, dass die Stadt in die grösste Feuersgefahr "um so mehr geraten ist, als die Gebäude und Häuser bis an die Thore reichen und wegen des engen, zwischen dem Gebürg liegenden Begriff gantz dicht aneinander hangen, einfolglich, wenn ein Brand entstanden wäre, bey dermaligem sehr kleinen Wasser selbiger gar leicht den gantzen Ort hätte verzehren können, - dahero auch die gantze Bürgerschafft die Nacht hindurch wachen und verschiedene Rotten derselben hin- und wieder herum patrouilliren müssen, um alles besorgende Unglück in Zeiten abwenden zu können". Um diese, in der warmen und trockenen Sommernacht überflüssigen Feuer zu unterhalten, nahmen die Soldaten alles mögliche Brenn- und Bauholz weg, stahlen "Fassreiffen und anderes Gehöltz " vom Kellereisaal, vergriffen sich an den Wasserbütten, die der Feuersgefahr halber bei den Häusern aufgestellt waren, zerschlugen die Bänke, auf denen die Hausinsassen draussen zu sitzen pflegten, rissen Bretter von der Brücke in der Weihergasse und brachen selbst auf den Ringmauern, so um die Stadt gehen, die Borde an den Thüren und Böden auf, - alles als Brennmaterial benutzend. Auf dringende Vorstellungen der Bürger hin wurde der Unfug in der nächsten Nacht etwas eingeschränkt, doch immerhin wieder ,von der nemblichen Brücke in der Weyergassen abermahl einige Bretter verbrannt und die der Wacht am Weyerthor gegenüberliegende Gärten ravagirt (verwüstet)".

Am 6. September waren die Bürger mürbe gemacht; um 3 Uhr nachmittags unterzeichnete der Stadtvorstand maxima cum protestatione (unter stärkstem Protest) einen vor  vorläufigen Vertrag und verpflichtete sich, dem Vizekommandanten - anstelle des Service - jährlich 84 Rthlr. zu zahlen" (113) Anhang zur T. Sp. F.).

Hatte man also hier der Gewalt weichen müsse": in Frankfurt a. Main erzielte man gerade jetzt einen kleinen Erfolg. - Die hintere Grafschaft Sponheim zahlte nämlich zur oberrheinischen Kreiskasse jährlich 500 Gulden (sog. Römermonathgelder); das heisst, Baden war gerade damals schon 2 Jahr lang mit seiner Hälfte rückständig geblieben. Diese badische Schuld von 500 Gulden sowie die Beiträge der nächsten 4 Jahre (je 500 Gulden) wurden durch Beschluss des Kreiskonvents der Stadt Trarbach zugewendet, die selbst diese Zeit hindurch von der Umlage frei bleiben sollte (114) Als Erzbischof von Trier gehörte er dem kurrheinischen, als Fürstabt von Prüm (Prüm war mitten im Frieden 1575 von Kurfürst Jacob III von Eltz annektiert worden) dem oberrheinischen Kreise an.). Dieselbe Versammlung erliess aber auch an den Kurfürsten von Trier ein scharfes Schreiben: für denjenigen Teil der Trarbacher Garnison, den er als Fürstabt von Prüm, also als Glied des oberrheinischen Kreises dabei habe; möge er selber dies Service und die Holzprästanda liefern (115) Als Quellenmaterial in diesem und dem folgenden Abschnitt wurden hauptsächlich verwendet folgende Akten Grafsch. Sponh. Militaria 29 u. 30, ferner Kurtrier, Act. Misc. (1730 bis 1737).; er solle ferner hinsichtlich der O'Connor'schen Verlassenschaft die Wünsche Trarbachs berücksichtigen und endlich dort gute Mannszucht halten lassen. Auch an den Kaiser wandte sie sich, dass er ,,alle nöthige baldige Versehung der Vestung Trarbach, anmit auch vorerwehnte Erleichterung dasiger, vor das gemeine Beste länger nicht das alleinige Opfer sein könnender Einwohner durch ein favorables (a) günstiges) Kayserl. Gommissions- Dekret beim Reichstag zu befördern allergnädigst geruhen möchte".

Leider entsprachen diesen Worten und Beschlüssen die Thaten wenig, und kaum hatte sich etwas in der traurigen Lage der Stadt geändert, als zwei Jahre später schwere Schicksalswolken um die Burg zusammenzogen.

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