4. Kapitel

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Das Zeitalter Ludwigs XIV.

Noch 1669 hatte Rektor Hofmann die Burg als ,,des gantzen umliegenden Landes Schutzwehr, Freystatt und Erhalterin, da anderstwo das Kriegswetter in der angräntzenden Gegend alles über und über stürtzete" - bezeichnet. Diese gute Meinung von ihrer Burg sollten die Einwohner bald verlieren, seit 1680 Ludwigs XIV. Eroberungssucht dreist bis hierher übergriff  69) Trarbacher Species facti. (Siehe Anm. 8) Seite 2.) 1681 im April verleibte ein Beschluss der französischen Reunionskammer zu Metz die ganze hintere Grafschaft Sponheim dem französischen Königreich ein, weil sie ein uralter Bestandteil des kurz zuvor gleichfalls annektierten Herzogtums Lothringen sei.

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Kaiser und Reich gaben, von den Türken im Osten bedroht, 1684 durch den Regensburger Waffenstillstand auf 20 Jahre alle französischen Annexionen preis und hatten also eigentlich keine Berechtigung zu klagen, als nun die Franzosen sich hier ein mächtiges Grenzbollwerk schufen. Der berühmte Festungsbaumeister Vauban kam am 20. April 1687 in Traben an, weilte längere Zeit hier und schickte am 21. Juni von Saarlouis aus sein Montroyal- Projekt ein
71) Augoyat, Aperçu historique sur les fortifications, Paris, Tanera I,133 (1858). Es heisst da von der Festung Montroyal: ,,Dieser hinsichtlich der Festungswerke und Gebäulichkeiten ganz neue Platz hatte pentagonale Form, présentant au nord une tête composée de deux fronts bastionnés â orillons, au sud une petite tête composée d'un seul front, á l'est et á l'ouest deux longues courtines de 4 á 500 métres sur le milieu desquelles était une tour bastionnée. En avant de chaque tête était un ouvrage á corne. Au mur d'escarpe de l'une des longues courtines était adossé un eorps de bâtiment casematté. Das Innere schloss ein: ein Zeughaus, eine Bäckerei, 3 Pulvermagazine, zwei Proviantmagazine, eine Cisterne, Brunnen, Wohnungen (pavillons) für Offiziere und Kasernen für 4000 Mann, endlich unter den Seiten der Bastionen 8 gewölbte Souterrains. - Das Enkircher Kirchenbuch der durch die Franzosen in die Klause zurückgeführten Franziskaner enthält in jenen Jahren eine Reihe französischer Namen, - bei Taufen, Heiraten und Sterbefällen -; bei einigen ist ausdrücklich vermerkt, dass sie zur Garnison von Mont Royal gehören, andere werden geradezu als ,,Bürger" des neuen Orts bezeichnet. - Leider fehlen uns die französischen Akten über Vauban's Thätigkeit, die das im Text Gesagte auf das Eingehendste begründen werden. In dem Werk von Augoyat und der Vauban- Biographie von G. Michel (Paris, 1879) geschieht der Grevenburg und Trarbachs in diesem Zusammenhang keine Erwähnung.). Geplant war aber, wie sich bald herausstellte, die Anlage einer Doppelfestung. Neben der Hauptfestung auf dem Trabener Königsberge, dem berühmten Montroyal, sollte Trarbach mit seiner Grevenburg zu einer starken Vorfestung umgeschaffen werden, um den Montroyal gegen einen Angriff vom Hunsrück her an der gefährdetsten Seite zu decken. - Zunächst wurden die Verteidigungswerke des Schlosses verstärkt, auf dem jetzigen Kriegerdenkmalsplatz der mittelalterliche Halbturm in einen gefährlichen, niedrigen Rundturm (le pasté) umgewandelt, der den Franzosen selber nachher noch viel zu schaffen machte (Pl. Nr.13), sowie im Schloss die Kasematten und auf der Höhe über dem Schloss drei Schanzen, eine grosse und zwei kleinere, angelegt. Jetzt entstanden auch die langen Treppen abwärts zu dem Pastetenturm und an der Felswand empor zu den Schanzen (die sog. Franzosentreppe). Die Schanze auf Kestel, die dort während des 30jährigen Krieges gewesen war, wurde erneuert und eine auf dem Mühlrech neu angelegt. Von einem kleineren Werk am Fusse der Burg kam vor kurzem (1899) beim Brückenbau ein Stück der Fundamente zum Vorschein 72) Denkschrift ,,Estat auquel se trouve le chateau de Traerbach". Bibliothek der Gen.- Insp. des Ingenieurcorps und der Festungen Nr. 5564,O mit der Handskizze vom Schloss. - Röhde, Seite 40 nennt d a s Werk über dem Schloss ,,la Fontange" oder ,,Laterne", dasjenige auf Kestel Fort Moulin. Ein dem Herrn Fr. Vollmar- Trarbach gehöriger Plan der Belagerung 1734, französischen Ursprungs, giebt für die drei Werke über der Burg die Namen le roquet (Schosshündchen), le martinet (Mauerschwalbe) und la lanterne, während die Redute auf Kesten le fort du prêche (Kirchenschanze), die auf dem Mühlrech le fort du précipice (Schanze am Absturz) und der Turm am Kriegerdenkmal la tour d'enfer (Höllenturm) heissen)

1692 waren nach französischer Angabe alle zum Montroyal gehörigen Werke bereits à peu près (,,ungefähr") fertig. Andererseits wird aber erzählt, statt der am Montroyal selbst beabsichtigten 7 Bastionen seien wegen der gewaltigen Baukosten nur 3 errichtet worden und die Anlage des Grabens, der auf der Nordseite bis zur Tiefe des Moselbettes gegraben werden sollte, unterblieben. Im Unmut über den teuren Bau soll Ludwig XIV. bei dem Kommandanten Graf de Bussy sogar angefragt haben, ob er die Mauern mit Thalerstücken (?) bauen liesse ? 72a) Progr. des Progymnasiums vom J. 1856, Seite 14,.).

Die Trarbacher hatten durch die Befestigung des Schlosses, wie sie klagen, auch ,,einen guten Theil ihrer Weinberge verlohren", wie auch durch Reparaturen und Neuanlagen an den Stadtmauern viele angrenzende Häuser, Gärten und Wiesen sehr gelitten hatten, und für den Festungsbau neben den herrschaftlichen Wäldern auch die Gemeindewaldungen ,,fast gäntzlich ruinirt und niedergehauen" waren73) Trarb. Speciesi facti. Seite 2.). Um so froher waren sie, als der Franzosenkönig, um eines winkenden grösseren Gewinnes halber, 1697 seine hiesigen Eroberungen wieder zurückgab. ,,Es sollen auch", so heisst es im Art. 25 des Friedensvertrags von Ryswick, ,,von Sr. allerchristlichsten Majestät die Befestigungen, welche nach dem Frieden von Nymwegen der Burg zu Trarbach hinzugefügt worden sind, sowie die Festung Montroyal an der Mosel niedergerissen und von niemand ferner wieder aufgebaut werden. Doch mag die Burg zu Trarbach in ihrem früheren Zustand verbleiben, muss aber mit der Stadt und ihrem Zubehör den früheren Besitzern völlig wiedereingeräumt werden"74) Rhein. Antiquarius, III. Abt.. 1. Seite 257 ff'.).

Doch nur ein paar Jahre sollten sich die Gemeinsherrn des wiedererlangten Besitzes freuen. Im September 1702 ward das deutsche Reich in den eben entbrannten Krieg, den halb Europa um der spanischen Thronfolge willen führte (170l-1714), verwickelt. Für den Kaiser und seine Verbündeten war es nun von höchster Wichtigkeit, Herren des Moselwasserweges zu bleiben. Am 11. März 1702 nahm deshalb - also lange vor der Kriegserklärung der damalige Kommandant von Trarbach, Freiherr von Bettendorff, einige mit Lebensmitteln und Munition beladene französische Schiffe, "so sie von der Cuser Wiesen (Berncastel gegenüber) biss Trarbach treiben lassen" und wohl für den Kurfürsten von Köln, den Verbündeten Frankreichs, bestimmt waren, weg und hielt trotz kräftigen Widerspruchs und heftiger Drohungen des die Fahrzeuge begleitenden Kommissars auf Geheiss hoher Kaiserl. Generalität die Massregel aufrecht, worauf die Franzosen schleunigst ihre übrigen, noch im Trier'schen befindlichen Schiffe zurückholten. Auf die Nachricht von französischen Truppenansammlungen an der Grenze liess der Kommandant ,,die Stadt-Mauern mit Bretern und Stacheln versehen und an der Fortifikation des Schlosses unaufhörlich arbeiten"75) Wichtig für die Jahre 1702- 1704: Der siegprangende Hessen-Held oder die glückliche Eroberung der Stadt und des festen Schlosses zu Trarbach, So sich den 18. Dez. 1704 an Ihro Hochf. Durchlaucht den Herrn Erb- Printzen von Hessen-Kassel mit Accord übergeben (Leipzig bei Joh. Theod. Boetio, 1705); eine kleine Flugschrift von 16 Seiten. - (Bis auf ein im Privatbesitz des Herrn Ad. Allmacher- Trarbach befindliches Exemplar verschollen.) Ergänzend treten hinzu die Berichte in den Gesta Trev. und im denkwürdigen Antiquanus des Neckar- Mayn- Lohn und Mosel- Strohms von einem Nachforscher in historischen Dingen (Dielhelm) Frankfurt a. M. 1740. (Seite 685-697, doch nur in der ersten, nicht in der zweiten Auflage.) . - Ende Oktober aber erschienen die beiden französischen Generale, der Graf von Tallard und Lohmaria, mit einem starken Heere von Trier her vor Trarbach und nahmen die Stadt alsbald weg. Das Schloss aber hielt sich wacker, und besonders vom Pastetenturm aus fügte Freiherr von Bettendorff den Franzosen grossen Schaden zu, bis es ,,aus Mangel an Munition (welches unter den Deutschen gar gewöhnlich ist und die unglücklichsten Folgen nach sich ziehet). den 8. Nov. sich mit accord ergeben müssen, wie wohl die Frantzosen mehr als 500 Mann davor sitzen lassen" (eingebüsst haben).

Das Wachthaus lag ganz in Trümmern, keine Scheibe, kein Dach, kbine Decke auf dem Schlosse war ganz geblieben; von dem mittleren Turm, der dann später niemals wieder ausgebaut wurde, war nur noch ein Stumpf übrig. - Die Franzosen waren damals sehr fix ; denn eine bis ins Einzelnste ausgeführte Denkschrift, wie man das Schloss und die Stadtmauer, jenes mit 58000, dieses mit 8000 Franken, wiederherstellen könne, liegt vor, die das Datum des 8. Nov. trägt. Sie schliesst: ,,Ist das Schloss wieder in Stand gesetzt, wird man es zu den besten festen Punkten, ich wage nicht sagen, festen Plätzen Frankreichs rechnen dürfen. 500 Mann reichen dann jederzeit zu seiner Verteidigung aus, und falls man die Mauern der Stadt in der vorgeschlagenen Weise befestigt, so werden 5-600 Mann ausreichen, diese zu verteidigen, den Fall einer regelrechten Belagerung ausgenommen. Dann wird sich die Besatzung nach schwachem Wiederstand auf das Schloss zurückziehen können, das sich, mit Munition und Mundvorrat ausreichend versehen, wenigstens 2 Monate lang behaupten kann"76) 5. oben Anm. 72.).

Vorerst aber fanden die Eroberer keine Zeit, ihren Plan gründlich auszuführen, konnten aber doch die Garnison mit Mannschaften, Ingenieuren und Munition erheblich verstärken, ehe, schon 11 Wochen darauf, mitten im Winter die Verbündeten zu einer neuen Belagerung herbeieilten. Es waren Hessen-Kasseler, Kurpfälzer und Holländer unter dem Befehl des 26jährigen Erbprinzen Friedrich von Hessen-Kassel, eines Schwiegersohns Friedrichs 1., Königs von Preussen, der später als Nachfolger seines Schwagers Karl XII. die schwedische Krone getragen hat. Am 21. Januar beschossen sie mit 16 Stücken (Geschützen) von Traben aus die Stadt Trarbach, stellten gegen Abend das Schiessen ein und forderten durch einen Tambur zur Uebergabe auf. Die Antwort war: man möge erst gehörig Bresche schiessen. "Solches that man (den 22. Jan.) und hielt sich den 23. dito ganz stille. Die in Trarbach liegenden Franzosen, weilen sie vor der Stadt keinen Schuss noch Stück mehr sahen, sageten im Scherz: Der Deutschmann ist in die Stück eingefrohren und hat kein Pulver mehr". Als sie aber nun ,,hauffenweise" ans der Stadt herauskamen und Kugeln auflasen, so ,,griff der Hessische Obrist Steckenroth mit 600, aus seinen und holländischen Völkern, meistentheils Granadirern die Stadt von allen Thoren an 7 Orten mit unglaublicher Furie an, bis endlich nach halbstündigen Gefecht  die Hessen bei dem Laboratorio und in das Moselthor eine Bombe legten, worauf die Franzosen die chamade, sie hingegen den Marsch schlugen, auch solcher gestalt sich der Stadt mit stürmender Hand bemeisterten, wobei die Bürger ihre Häusser zugemacht und Lichter heraus gestecket haben". Viele Franzosen fanden ihren Tod; ihrer 164, darunter 4 Kapitäne und 4 Leutnants wurden kriegsgefangen. - Die Uebrigen indes retteten sich auf die Burg und mussten förmlich belagert werden. Infolge des Bombardements gerieten die ,,oberste Gebäude" des Schlosses am 10. Februar in Brand und der Kommandant Buravi 77) So schreibt Stramberg, Das Moselthal. Seite 92 (für Banavis im denkw. Antiquarius). zog sich mit den Verteidigern in die Kasematten zurück. Zu einem Sturm kam es nicht, ,,weil die Belagerer ihr Volck auf alle Weise schonten". Am 15. Februar bot der Kommandant die Uebergabe an; weil man ihm aber die geforderten Bedingungen nicht zugestehen wollte, wurden die Verhandlungen abgebrochen und die Beschiessung nahm ihren Fortgang. Da hiess es plötzlich: Graf Tallard nahet mit einem starken ,,corpo" zum Entsatz. Sogleich schifften die Verbündeten ihre ,,sämtliche Artillerie", die den unterirdischen Gewölbern ,,keinen Schaden" hatte thun können, nach Coblenz ein, hoben selbst unter dem Kommando des Obristen la Roche - des Erbprinzen geschieht hier keine Erwähnung - ohne die geringste ,,desordre" die Belagerung am 25. Februar auf und zogen über Kastellaun gleichfalls nach Coblenz ab.

Nach diesem misslungenen Angriff hatten die Franzosen Musse genug, die Schäden in den Befestigungen auszubessern, und die Werke auf dem Schloss zu verstärken. Jetzt entstand das Vorwerk an der Ostseite, das den Irmenacher Weg am Ende sperrte und trotz seiner Kleinheit den Angriff auf das Schloss selbst riesig erschwerte. - Da, nach 1 1/2 Jahren, nach dem glänzenden Siege bei Hochstätt brach der geniale englische Feldherr, der Herzog von Marlborough, von Landau aus gegen Trier vor und sandte, selbst zu wichtigen diplomatischen Geschäften nach Berlin hin abgerufen, den Erbprinzen Friedrich von Hessen-Kassel, um jetzt Trarbach unter allen Umständen zu erobern.

,,Niemand glaubte", so erzählt ,,Der siegprangende Hessen- Held", eine 1705 erschienene Flugschrift, die die auch sonst verherrlichte Eroberung Trarbachs ausführlich beschreibt, ,,dass es den hohen Alliirten ein Ernst sey, dieses feste Nest zu belagern, sondern nur etwan zu bloquiren, weil die weitverflossene Jahreszeit, das einfallende unbeqveme Wetter, der grosse Mangel an Lebens-Mitteln und Fourage viele Verhindernisse in den Weg legten." Die Verproviantirung war den benachbarten Reichskreisen aufgetragen; sie hatten aber diesen Auftrag schnöde vernachlässigt, als am 6. November 1704 ungefähr 8000 Mann bei Traben Posto fassten, meist Holländer, aber auch Hessen und Dänen. Die holländischen Ingenieurs unter General Verjure beschlossen, die Stadt und das Schloss gleichzeitig von Norden her anzugreifen. In Starkenburg war das Hauptquartier. Die Angriffsbatterieen kamen auf den H e y d e n k e l 1e r (mitten im Berge unter Starkenburg), am Mönchhof in Traben und (4 Mörser) auf die Höhe über dem Schloss zu liegen. Mittlerweile kam das grobe Geschütz von Köln und Bonn her an und der Erbprinz traf von Saarburg her ein. Am 17. November begann ein Bombardement, wie es Trarbach noch nicht erlebt hatte: 4 Tage darauf begann vor dem Nordostende der Stadt der Sturm auf Stadt und Burg. Aber nur die Stadt fiel, weil die Franzosen gegen Abend sie freiwillig räumten und die Bürger dann hingingen, die Pforten aufschlugen und die Deutschen hereinliessen". Der Angriff auf die Burg erwies sich von jener Seite her als unausführbar; die Verluste waren zu gross, weil die Franzosen mit ,,herabgeweltzten starken Höltzern" und Steinen Tod und Verderben herabsandten, der steile Schieferfelsen aber, zumal bei frisch gefallenem Schnee nicht zu erklimmen war. Noch einmal ward der Versuch gewagt (am 24. November); ein wohlgezieltes Feuer liess viele tot oder verwundet den Berg ,,herunterpurzeln", worauf die Uebrigen auf der Hälfte des Berges unter den Klippen Schutz suchten; Regenwetter trat ein; ein Nachschub von 1000 Mann blieb klüglich unten, und nur unter weiteren Verlusten kam gegen Abend die Angriffskolonne ins Lager zurück, wiederum beim Abstieg von den unheimlichen Balkengeschossen der Franzosen behelligt. Ja, es scheint, als habe man sie nur dadurch von der gänzlichen Vernichtung retten können, dass man mit den Franzosen in Unterhandlung trat und ihnen erlaubte, 60 Blessierte vom Schloss in die Stadt herunter zu bringen: ein Zugeständnis an den Feind, das sich sonst kaum erklären lässt. - Zu derselben Zeit zwangen die Belagerer einen französischen Leutnant, der sich mit 8 Mann in einem Turm vor der Stadt nebst mitgenommenem Proviant auf 3 Wochen einmauern liess und den Belagerern vielen Schaden gethan durch Unterminierung sich zu ergehen. - In den nächsten Tagen ward die Angriffsfront geändert und die Batterieen verlegt, um von der Stadtseite her die Burg anzugreifen. Am 30. November begann das Tage lang unterbrochene Bombardement wiederum. Gleichzeitig schritt man zur Anlage von Laufgräben, eine Arbeit, die nicht ohne Verluste vor sich ging. Aber nur Schritt vor Schritt kam man weiter: denn der französische Befehlshaber de la Barre verteidigte sich mit Löwenmut und grosser Geschicklichkeit. Am 6. Dezember in der Nacht waren die Angreifer bis an den Vorwerksgraben vorgedrungen (30 Schritte vom äusseren Schlossthor entfernt) und legten hier eine Batterie an, um die Bresche ,,auf den Fuss" schiessen zu können. ,,Hierauf wurde, weil die Bresche ziemlich gross, die Leitern, Stricke, Faschinen und anders Sturmzeug fertig gemacht und selbiger am 9. Dezember gegen Abend mit ohngefehr 700 Mann angetreten. Diese drungen dergestalt auf das Schloss, dass man sich dessen Eroberung gäntzlich einbildete; man wurde aber nach Verfliessung einer halben Stunde genöthigt, die Truppen zurückzuziehen und nur 2 vorteilhafte Posten zu behaupten." Der Erbprinz war über solche ,,Langwierigkeit" verzweifelt; wiederholt dachte er allen Ernstes daran, die Belagerung als ein fruchtloses Beginnen aufzugeben. Nur die schärfsten Vorstellungen und Vorwürfe des Herzogs von Marlborough haben ihn dann ausharren lassen78) 5. von Noorden, Spanischer Erbfolgekrieg, I.583/14.). Hatten die Franzosen erst ihre Toten, 36 an der Zahl, oben auf dem Schloss beerdigt, so thaten sie dies zuletzt nicht mehr; sie warfen die Leichen kurzerhand über die Mauern. Schliesslich versprach der Erbprinz jedem Feuerwerker einen Thaler für die Stunde und gab seine eigenen Pferde dazu her, die Geschütze fortzubewegen. So war mit steigender Erbitterung gekämpft worden; die Bresche erweiterte sich zusehends und die Mauer war über 10 Ruthen niedergelegt. Um den Vorwerksgraben besser anfüllen zu können, war eine Parallele von der Batterie beim Vorwerk den Berg hinauf nach der Batterie auf der Höhe angelegt worden (17. Dez. nachts).

Um diese Zeit starb droben auf dem Schlusse de la Barre, der durch einen Schuss an einem Fuss schwer verletzt worden war und ihn wegen hinzugetretenen kalten Brandes hatte abnehmen lassen. Seinem Nachfolger, einem Königsleutnant (lieutenant du roi) schien die weitere Verteidigung unmöglich. Am 18. Dezember, 3 bis 4 Uhr nachmittags, liess er Chamade schlagen und die weisse Fahne ,,ausstecken". Der Erbprinz gestand ihm eine ehrenvolle Kapitulation zu und am 20. Dezember 9 Uhr vormittags räumte die übriggebliebene Heldenschar, noch 200 Mann, das Schloss und rückte nach Diedenhofen ab, 40-50 Blessierte mitnehmend 79) Die Bedingungen lauten: 1. Soll der commandirende Officier mit der noch übrigen Garnison - welche auf 10 Tag mit denen zu Schiff gehenden Blessirten Officiers Zehrung mitzunehmen befugt seyn -, nebst zwey eisernen Stücken, so des Königs Wappen haben, nebst den Artillerie Officiers, Büchsenmeistern und Minirern nach Kriegs- Manier durch die Bresche ausziehen, jedem Soldaten 12 Schüsse (mit -) gegeben, sie nach Diedenhofen convoyrt und desfalls von beyden Theylen Geisseln gestellet werden. 2. Sollen alle Mobilien und Effekten des verstorbenen Commandanten Msr. de la Barre, dessen Officiers, Bediente und der Garnison Bagage, dessgl. die vor den Commissarium, Ingenieurs Zahlmeister (gehörige) Mobilien und Schriften, frey und sicher abgefolget werden. 3. Soll noch diesen Abend den Belägerern ein Thor eingeräumt werden. 4. Soll der auf dem Thurm zu T r a r b a c h gefangene Frantzös. Lieutenant gegen einen Hessischen Lieutenant, wie auch die 8 vom Kommendanten herausgeschickte Teutschen gegen 3 Frantzosen ausgewechselt werden. 5. Sollen die in Trarbach zurück-bleibende blessirte Officirs und Gemeine bis zu ihrer Genesung, nach bezahlter Verpflegung gleichfalls nach Diedenhofen convoyrt werden. 6. Sollen den abmarschirenden Officirern 50 Pferde und zu Abführung der verwundeten und kranken Offlciers 5 grosse bedeckte Schiffe gegen Zahlung bis Diedenhofen gegeben werden, 7. vom Schlosse bis an das Ufer zu sicherer Einschiffung deren Equipages Wachten gestellet, und da wegen des Eissgangs in der Mosel nicht fortzukommen wäre, die Schiffe ausgeladen und die Blessirte mit aller Equipage gegen Bezahlung (zu Lande) nach Diedenhofen geführt werden. 8. Soll sowohl denen im Schloss als in Trarbach sich befindlichen französischen Bedienten und gebrauchten Handwerckern, ein freier Abzug mit ihrer Bagage, wie auch denen daselbst sich häuslich niedergelassenen Frantzosen verstattet, mithin denen letztem mit Verkauffung ihrer Mobilien vierzehen Tage Zeit gegeben werden. 9. Sollen keine Soldaten oder einige andere Personen ausser die Deserteurs, bey dem Abzug angehalten werden. 10. Verspricht und soll der commandirende Officier alle Stücke, Munitions und Minen bey Eidesstatt anzeigen und den 20. dieses (Dec.) mit der Garnison nach Inhalt des Accords ausziehen. Der siegprangende Hessen-Held. S.13 u. 14, mit mehrfacher Verdeutschung des Ausdrucks im denkw. Mosel-Antiquar. 690/1).

Reiche Munitions- und Lebensmittelvorräte fielen den Siegern in die Hände. Aber es war ein unverhältnismässig teuer erkaufter Erfolg: 180 Tote, darunter den holländischen Brigadier de Trogne und 4 Offiziere, sowie 413 Blessierte, wobei 8 Offiziere, hatten sie zu beklagen. Der tapfere de la Barre wurde noch am 19. Dezember in der Kirche zu Trarbach beerdigt, ein Zeichen, wie hoch der Erbprinz und seine Offiziere den nur durch den Tod überwundenen Gegner schätzen gelernt hatten.

Noch während der Unterhandlungen schickte der Erbprinz den Obrist von Seyboldsdorff nach dem Haag, teilte den ,,Herren Generalstaaten" die Kapitulation mit, gratulierte ihnen zum Ausgang dieser Expedition und fügte bei, er habe auf vielfältiges Anhalten der Trarbacher Einwohnerschaft beschlossen, ein Regiment Hessen hineinzulegen.

Ob er daran gedacht hat, sich in Trarbach festzusetzen, wage ich, obschon noch anderes ,dafür spricht, nicht zu bejahen; doch hätten die anderen Verbündeten ihm solche Erwerbung kaum gegönnt und wirklich haben die Holländer sogleich von ihren eigenen Artilleristen eine Anzahl aufs Schloss gelegt. - Jedenfalls war der Erbprinz auf seinen Erfolg recht stolz, wie Medaillen, Flugschriften und briefliche Aeusserungen beweisen: ,,er hielt seine conquete (Eroberung) für um so viel mehr considerable (um so bedeutender), weil dieser Ort, der wegen der neuen und von Natur fortificirten Befestigung gleichsam unüberwindlich, noch bei so später Jahreszeit mit der grössten Gewalt weggenommen worden"80) Stramberg, Das Moselthal. 94).

Nun blieben die Verbündeten bis zum Ende des langen Krieges Herren der Stadt; die verschiedensten Truppen kamen, längere oder kürzere Zeit, hier in Quartier, Hessen, Paderborner, Osnabrücker, auch eine preussische Freicompagnie, sowie Sachsen- Eisenacher und besonders Holländer. In den letzten Jahren war ein ehemaliger Refugiê, namens d'Abadie, Brigadier und Kommandant, ein ans Frankreich geflüchteter Hugenotte und Oberst in holländischen Diensten. Ganz abgesehen von allen Unzuträglichkeiten, verursachte die Garnison den vielgeplagten Trarbachern noch grossen Baraufwand, den sie pro Kopf auf täglich ein ,,Petermentgen" berechneten 81) Ein Petermännchen = 31/6 Pfg. (kleine kurtrierische Silbermünzen des 17. und 18. Jahrhunderts mit dem Brustbild des Apostels Petrus auf Wolken). Cobl. St.-A. Grafsch. Sponh. Milit. 28. fol. 11.). Endlich kam 1713 der Friede in Sicht und alles atmete auf.

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Die Grevenburg

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70) Notiz aus dem ,,memoire pour. servir de réponse aux plaintes faites par les ministres Imperiaux, des prétendues eontraventions faites de la part de la France au traité de Tréve
de 1684 à cause des fortifications qui se font au Mont- Roial prés de Trarback. Fait á Fontainebleau le 23 octobre 1687, worin es heisst: D'ailleurs la reunion de Trarback etant incontestablement p r o u v é e  par l'Arrest de la chambre Roiale de Metz du mois d'Avril 1681