3. Kapitel

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Beschreibung der ,,festen" Stadt und der Burg. Plan der Burg vom kurtrierischen Stück- Leutnant Franz Peter Kersten Nov. 1734.

Mit dem 30jährigen Kriege werden Stadt und Schloss uns anschaulicher: denn von nun an stehen uns Zeichnungen und Beschreibungen zu Gebote. Das älteste Bild findet sich in Merians Topographia der untern Pfaltz vom Jahre 1645 und wird hübsch erläutert durch den Kupferstich und die Beschreibung in der Hofmann'schen Ehrensäul vom J. 1669. Die Stadtmauer entspricht auf diesen Bildern den noch heute vorhandenen Resten; mit ihren 12 Türmen, bezw. Halbtürmen oder Schalen sowie ihren 4 grossen Thorgebäuden (das Weiherthor ist ein Doppelthor) macht sie einen entschieden mittelalterlichen Eindruck. Zeitweise scheint allerdings der Stadtgraben an der Moselseite verschwunden zu sein; auch die äussere Mauer, die nach Merian vom äusseren Weiherthor zur Kautenbachmündung und von da bis zum Turm auf dem Allmacher'schen Grundstück längs der Mosel hinlief, ist später nicht mehr vorhanden.

Die Grevenburg, die auf dem Merian'schen Stich zu gross gezeichnet ist, hat zwei Zugänge, den heutigen Brandweg (nur für Fussgänger) und den fahrbaren Irmenacher Weg. Auf dem Hauptplateau (dem alten Schlossplatz, jetzigen Ruinenfeld) liegen zwei grosse Gebäude, nach der Hunsrückseite hin durch 3 mächtige runde Türme und nach der Stadtseite bin durch ein etwas tiefer liegendes Vorwerk gedeckt. Das imposantere der beiden Gebäude, ein durch 4 runde, oben mit spitzkegeligen Schieferdächern versehene Ecktürme flankiertes Rechteck, war der sog. Donjon, der von vornherein zu Wohnzwecken bestimmt und deshalb mit einer Kapelle ausgestattet war. (Siehe Plan von 1734 Nr.1) Durch verdeckte Gänge gelangte man in das Neben- oder Zeugbaus (auch Preche- Bau oder Kantine genannt), welches als Waffenniederlage und Backhaus benutzt wurde. (Pl. Nr.2.) Davor lag auf dem Platze eine tiefe Cisterne, die 200 Fuder Wasser aufnehmen konnte. (Pl. Nr. 3.) Die Türme, welche seit 1702 nur noch 2 an der Zahl den Schlossplatz östlich begrenzten, hatten 7-8, oben 5-6 Fuss dicke Mauern und mehrere ,,bombensichere" Gewölbe, wovon die untersten als Pulvermagazine dienten. Sie waren schwer zu Stürmen, weil die Einlassthür erst im zweiten Drittel ihrer Höhe angebracht war, so dass Leitern erforderlich waren, um zu ihr zu gelangen; von ihren oberen Teilen, besonders den kegelförmig gespitzten Dächern aus - mittelst beängstigend en enger, steinerner Wendeltreppen stieg man empor - konnte die Höhe über dem Schloss vortrefflich bestrichen werden. (Pl. Nr. u.). Nach der Stadtseite an lagen Kasernen (die 1645 sehr niedrig waren) hinter der 5-6 Fuss dicken Umwallungsmauer, über den um 1690 angelegten bombensicheren Kasematten d. h. fünf unterirdischen Gewölbkammern die den Verteidigern wiederholt die letzte Zufluchtsstätte geboten haben. (Pl. Nr.9 bezw. 7.) Zwischen jenen Türmen und der Felsenwand Zug sich der Hauptgraben (Pl. Nr. 22) hin, der bereits 1645 durch eine Schiessgallerie (Caponniere) - später mehrere - und durch ein mit Geschützen gespicktes Rondell - an dessen Stelle in der Folge eine fünfeckige "Laterne" (Pl. Nr. 16) tritt - gegen einen Angriff vom Hunsrück her gedeckt war. Nach der Stadtseite zu lief er um die seit 1690 als "fausse braie" vorspringende Wallmauer (Pl. Nr.23) und mündete hier in den Stadtgraben; nach der Moselseite ist er gleichfalls vertieft, mehrfach versteilt und am Ende durch Abspitzung unzugänglich gemacht worden (wie heute noch zu sehen ist). Von dem Vorwerk nach der Stadtseite hin (Pl. Nr.10 u. 11) sagt Rektor Hofmann: ,, Auf der Seiten gegen der Statt zu bat das Schloss auch seine Abschnitte, Streichwehren und Thürme, darunter sich gleichwohl diese nicht viel höher als die Mauer erstrecket, auff deren einem mittelst der daran hangenden Glocken und einer Schlaguhr die Stundenzeiten bemerkt und angezeiget werden." Hier lagen später die Verteidigungsbatterien des Schlosses, die ,,kleine" etwas höher als die "grosse", vor der die Mauer eine Zangenfront bildete" 68).

Verschiedenes vermissen wir bei Merian. Das Wachthaus (Pl. Nr.8) neben dem Donjon und dicht bei einer zweiten kleinen Cisterne - wovon heute noch prächtige Trümmerbogen übrig geblieben, - der gefährliche Turm an der Stelle, wo heute das Kriegerdenkmal steht, (Pl. Nr.13) und endlich das vielbesprochene Vorwerk am Fahrthoreingang (Pl. Nr.15) sind späteren Ursprungs, das letzte gar erst 1703 / 14 angelegt worden.

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Die Grevenburg

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Pläne

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