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Bald nach Ausbruch des 30. jährigen Krieges wurde durch eine böse Verkettung der Umstände auch Burg, Stadt und Grafschaft von dem Kampfeslärm erfüllt. Gemeinsherren waren nämlich damals Pfalzgraf Georg Wilhelm von Birkenfeld geboren 1591, reg. von 1600-1669) und Georg Friedrich, Markgraf von Baden- Durlach. Durch einen unglücklichen Sturz von der Treppe hatte nämlich 1600 der abenteuerliche Eduard Fortunat (von der Linie Baden-Baden) auf dem Kastellauner Schloss ein jähes Ende gefunden; seinen Kindern aber aus der Ehe mit einer schönen Brüsselerin Maria Eickin oder van Eicken), deren Stand und Herkunft nie vollständig aufgedeckt worden (38) Bark, Die evangel. Kirche, I I 511.), stritten die lutherischen Baden- Durlacher die Ebenbürtigkeit und Erbfähigkeit mit Erfolg ab. Nun war Georg Friedrich von Baden- Durlach (reg. von 1605 bis zu seiner Ächtung im Jahre 1622 ein besonders eifriger Parteigänger der ,,Union", während der andere Gemeinsherr sich diesem protestantischen Fürstenbunde fern hielt, - Sobald aber durch das Eintreten der Union und ihres Hauptes, des Kurfürsten Friedrich V. voll der Pfalz, für den böhmischen Aufruhr der Kaiser Ferdinand II. gefährdet wurde, eilten sogleich 18000 Spanier unter dem Marchese Ambrosio Spinola von den spanischen Niederlanden herbei, zogen durch das Trier'sche, über den Hunsrück, und setzten sich in der Kurpfalz und den Nachbarlanden fest (39) Theatrum Europ. II 355-358. H e in t z, Das ehemalige Fürstentum Pfalz - Zweibrücken während des 30 jährigen Krieges. 2. Aufl. 1895 (Abdruck der ersten von 1810). Hier auf der Burg war ,,um Johannis" (1620) die Besatzung auf 250 Mann gebracht worden (Unionstruppen), vornehmlich auf Betreiben des Durlachere (40) Joh. Hofmann, (Rektor des Trarbacher Gymnasiums), Trorbachische Ehren- Säul: oder Geschichtliche Beschreibung / Förderst der Fürstl. Spanheymischen Ober-Amts-Statt Trorbach an der Mosel / Theils auch anderer Ohrt in derselben Gegend / sonderlich des dahin verbürgerten Hauptfleckens Traben. In Verlegung des Autoris. Gedruckt zu Stuttgart / Bey Johann Weyrich Rösslin I. J. Ohr. 1669. Seite 724. Vgl. Touton, Seite 5). Doch hören wir einen Zeitgenossen, Joh. Nicolans Artopaeus, der 1627 Rektor, 1629 Diacon und 1631-1666 Pfarrer und Inspektor in Trarbach war (41) Von Artopé selbst »Trorbacher Memorial" genannt. Diese Aufzeichnung ist bis heute noch unveröffentlicht geblieben, und doch ist sie nicht ohne geschichtlichen Wert. Sie existiert noch in 3 Abschriften, im evang. und im kathol. Pfarrarchiv, sowie im Besitz des Herrn Bäckermeisters Heitz, alle drei nicht ohne Schreibfehler) ,,lch erinnere mich", so erzählt er in einer am 7. Trinitatis- Sonntage 1665 gehaltenen Predigt, ,,dass vor dem Kriege diesem Lande viel Gutes bescheret ... , sintemal das Jahr 1615, 16, 17, 18, 19 und 1620 sehr herrliche, an Frucht und Wein gesegnete Jahre gewesen. Dieselben aber bat man, wie es gemeiniglich geschiehet, missbrauchet; man ist lüstern und stolz worden und hat den lieben Gott sehr wenig dabei geachtet ......... Der Gottesdienst und Kirchengang ist den meisten wenig oder gar nicht zu Herzen gegangen, dadurch die Stühle unter den Predigten oft sehr ledig gewesen ......... Darum Gott endlich Anno 1618 den schrecklichen Cometstern über ganz Deutschland etliche Wochen in Gestalt einer feurigen, zackigten Ruthe an den Himmel gesetzet, welcher das künftige Uebel andeutete ......... Als nun die Spanier Creuznach und andere Orte eingenommen, wurde auch hiesiger Ort und Schloss, darauf eine ziemliche Besatzung von Soldaten und Ausschuss (a) eine Art Bürgerwehr.) lag, im Namen Kaiserl. Maj. durch die Spanische Generalität aufgefordert, der Kays. Maj. zu unterthänigsten Ehren den Ort gehorsamlich zu übergeben, wesswegen der damalige Oberamtmann Schmitburger (Nicol. Schenk von Schmidtburg) nach eingeholter Pfalz- Birkenfeldischer Resolution zu Kreuznach die Schlüssel dem Herrn General (b) Spinola.) eingelieffert und dahin akkordiret, dass Stadt und Schloss mit einer geringen erträglichen Garnison beleget und in Kaiserl. Schutz sollten aufgenommen werden. Unterdessen aber und hierzwischen, als solche Resolution dem Herrn Markgrafen ( c) Georg Friedr. von Baden- Durlach ) vorkommen, ist bei Verlierung des Lebens und aller Ehren und Gutes dem Kommandanten und Oberamtmann die Uebergabe verboten worden, welches hernach zu grossem Schaden ausgeschlagen. Denn als vermöge getroffenen Akkords ein Hauptmann mit etwas wenigem Volk sieh vor dem Schloss präsentiret, in Willens, dasselbe zu besetzen, hat der darin befindliche Kapitän den Spanischen Kraut und Loth ( d) Pulver und Blei.) geboten, darüber sie sich müssen zurückbegeben. Welches der Marquis Spinola also aufgenommen, als wenn pfälzische Herrschaft und Oberamtmann ihne nur geäffet, dadurch er beweget worden, mit grösserer Macht den Ort zu bezwingen; hat darauf ein hochdeutsches Regiment von 4000 Mann unter dem Oberst Baur (42) So richtig im Trarbacher Kirchenbuch zum 13. Mai 1621 (Taufregister), wo ein Hauptmann Valentinus aus Sebastian Baurs Regiment angeführt ist; desgl. in einem (noch unveröffentlichten) Brief Georg Wilhelms an Markgraf Wilhelm vom 22. Juli 1625.) sammt grobem Geschütz und Stöcken anher geschickt, so (las Schloss anfangen zu belagern und zu beschiessen und die Laufgräben allernächst sammt den Schanzen vor die Schottpforte zu legen und sich ganz feindlich zu erzeigen darüber nicht allein der Oberamtmann mit Hinterlassung der Seinigen, sondern auch Ihre Fürstl. Durchlaucht sich aus dem Lande begeben mussten wegen ausgestossener Bedrohungen, da sie ja (doch) ihres Theils ganz unschuldig waren. Hier ist nicht wohl auszusprechen, was Angst und Noth unsere Leute betroffen, als sie den Ernst gesehen und die Cartaunen, deren ein Theil der Kugeln in die Stadt gefallen, hören krachen. Da hat man Weib und Kind in die Flucht, geschickt und mit vielen und heissen Thränen von einander Abschied genommen. Man hat sie zu den benachbarten geschickt, die selbst ihrer gespottet haben und (ihnen den Garaus gewünschet, wie denn viele, wenn ein Stück losgegangen, droben auf dein Bernkastelerberg herum- getanzt sind und gesprungen, weiches ihnen doch nach dem Sprichwort: Wenn deines Nachbars Haus brennt, ist es nahe an dir, hernach zum Übelsten ausgeschlagen. Man hatte zwar den Ausschuss in der Stadt liegen, aber sobald man von der feindlichen Parthei hörte, dass sie bald hier, bald dort in. die Dörfer eingefallen, so liefen sie davon und sprangen teils über die Stadtmauer hinaus und war [es] mit der Wacht (43) Auch hier alle Abschriften irrig: Macht) so schlecht bestellt, dass, als einstmals etliche Leute rondiren gingen, sie nicht mehr als einen einigen Gesellen auf dem Kirchthurme gefunden. Also war Jedermann voll Schreckens und wusste niemand, was er thun sollte, welches, so es der auswärtige Feind gewusst., hätte er ohn einige Mühe die Stadt erobern können, Als man sich nun gütlich durch einen getroffenen Ackord a) Uebergabe- Vertrag) ergeben, ist aller Noth und Jammer angegangen".... Dieser ,,Ackord", im Namen Spinolas gethätigt lautet: Verzeichnis der Articul und Conditionen, uff welche die Stadt Trarbach sich Ihrer Kay. May. allerhorsamst ufgeben den 5/15 Nov. anno 1620. 1) Sollen die Burger und Nachkömlinge in der Stadt und Ambt Trarbach ihre Religions- Uebung in Kirchen und Schulen freygelassen werden 2) Sollen die Burger und Einwohner an Leib, Leben, Haah und Gutt, Weib und Kinder, Handel und Wandel an Ihren Rechten und Freiheiten unverletzt und ungehindert seyn, jedoch sollen die vom Ausschuss und ausserhalb der Statt ihr Wehr dem Kays. Obristen, so alhie pleiben möchte, lieffern. 3) Alle Beampten und Herrn, Kirchen- und Schuldiener, so bey ihren Aemptern in Kays. May. Dienste mit schuldigen Treuen zu pleiben begeren, die sollen darbey gelassen werden und die Fürstl. Gefell (e) nach Verordtnung des Kays. Feldtherrn, einnehmen und verrechnen. So geschehen zu Trorbach, am 5/15 Novembris Ao. 1620 Wie es dem Schloss und seiner Besatzung ergangen ist, erzählt Artopöe nicht, doch
entwirft er ein treues Bild von den Leiden der Stadt. ,,Man hat einen solchen Haufen mehrenteils
kranker Soldaten allhier einlogieret, dass der ärmste Bürgersmann 10 und mehr ins Haus bekommen,
welche eine solche Seuche mitgebracht, dass davon in Kurzem die ganze Stadt ist inficirt worden, also
dass kaum so viele gesunde Mannspersonen übrig blieben, dass sie die Soldaten und Bürgersleute,
deren an die 166 gestorben (45) Nach den allerdings an dieser
Stelle wohl nachträglich aus einem Notizbuch eingefügten Angaben des Kirchenbuchs sind vom Nov.
1620 bis zum Juli 1621 166 Personen gestorben. Darüber ist vermerkt: Als die Spanier diess
Städtlein Trorbach einbekommen, haben sie durch ihre kranke Soldaten eine sehr gefährliche und
ansteckende Haupt-Krankheit mit sich gebracht, daran folgende Personen gestorben) ,
begraben können. 11 1/1 Jahre lang blieben die Spanier hier am Orte, und wie es diese Soldateska getrieben, das hat Artopöe wohl nicht ohne Uebertreibung, doch mit lebendigem Abscheu geschildert. -Selbstredend verloren beide Gemeinsherren ihre landesherrlichen Rechte, die an eine aus Spaniern gebildete, dem General Verdugo als "Gubernator" untergeordnete "Kayserl. Regierung in der untern Pfalz" zu Kreuznach übergingen. - An Stelle des geächteten Durlachers trat kraft eines Reichshofrat- Urteil (46) Touton, Seite 5-) der bis dahin bei Seite gedrängte Sohn jener Maria Eickin, der katholische Markgraf Wilhelm von Baden-Baden (November 1622) 47) Facti Species und Deduction, Woraus erhellet, dass des Herrn Pfaltzgraffen Christiani dess Dritten zu Birkenfeld Hochf. Durchlaucht In die Abtheilung der mit dem Fürstl. Hause Baaden in Gemeinschaft besitzenden Hindere Gravschaft Sponheim ohne Misshandlung wider die beschworene Gemeinschaffts- und sonderbare Verträge u. s. w. nicht zu willigen vermöge (ohne J. und Druckort; 1723 gedruckt). 5. Seite 93 ); Pfalzgraf Georg Wilhelm wies zwar mit Erfolg seine Unschuld nach, blieb aber dennoch Jahre lang seiner Landeseinkünfte verlustig und machtlos gegenüber der militärischen Ausnützung der Grafschaft. Er konnte es nicht hindern, dass zunächst 1625 auf Verdugos Geheiss der in der Stadt befehligende Kapitän Peter Haccart in der Kirche die Aufstellung eines katholischen Altars für den Garnisongottesdienst erzwang, noch weniger, dass 1629 auf Grund des Restitutionsedikts Ferdinands II . den Evangelischen ihre Kirche genommen und ebenso wie das reiche Kloster Wolf den Katholiken wieder zugewendet wurde (48) Auf Grund reichen archivalischen Materials, das ich Herrn Pfarrer Pfender-Zell verdanke, und anderen Orts beleuchten will. Nach E. Weydmanns fleissiger Dissertation (Geschichte der ehemaligen gräflich- sponheimischen Gebiete, Heidelberg 1899; Konstanz, Kommissionsverlag von E. Ackermann), die mir erst während des Druckes bekannt wurde, ist die Grevenburg von den Spaniern zum Zeichen der dauernden Besitzergreifung als Festung ausgebaut worden. Seite 35. Leider fehlt bei W. jeder nähere Nachweis.). Aber trotz der spanischen Soldatenwirtschaft - zur Ehre der Spanier und der hiesigen evangelischen Bürgerschaft sei es erwähnt - wurde ausser einem Fall, wo es sich um ein junges Mädchen handelte, niemand zum Uebertritt gepresst (49) So Artopé im Trarb. Memorial: Wie denn auch ein grosses Gespräch von Reformiren (d. h. zum Katholizismus zurückführen) unter dem gemeinen Volke durch sie (die Spanier) gemacht worden und unterschiedliche Wettungen darauf angestellt. Daran sich aber Gottlob kein einziger aus unserer Gemeinde, ob es wohl ihrem Herzen schmerzlich vorkommen, gekehret und ihre Lehre und Religion angenommen, ohne ein Mägdlein, so dem Gubernator verrätherischer, heimtückischer Weise zu einer Concubine beigebracht worden. ); spanischerseits hat man sich also der Bekehrung der, Ketzer nicht mit demselben Eifer hingegeben, wie es in den österreichisch-böhmischen Gebieten sehr zum Schaden dieser schönen Lande bereits geschehen war. Da trat im Herbst durch des grossen Schwedenkönigs Gustav Adolf Sieg bei Breitenfeld ein völliger Umschwung der Dinge ein. Als er am 13./ 23. Dezember Mainz erobert hatte (50) Baur, Philipp von Soetern, geistl. Kurfürst zu Trier und seine Politik während des 30jährigen Krieges 1897, I.), wagten sich schwedische Streifscharen bereits in unsere Gegend. Am 17./ 27. Dezember fand beim Schafhofe ein Gefecht zwischen ihnen und ,9 Cornets " Kaiserlicher Reutter statt, in dem diese geschlagen wurden und samt ihrem Tross und Weibern in die Stadt flüchteten (51) Nach Artopés Memorial. Dazu im Kirchenbuch zwei Notizen (Totenverzeichnis 12. Juli 1632: und Taufverzeichnis zum 18. Dez. 1631 (selbstredend alten Stils). Beide handeln von Soldatenkindern; die letzte lautet: Eodem wordt eines Keyserischen Reutters, der den tag zuvor auss dem Schoffhoff sampt etlich hundert anderen Reutern von den Schwedischen geschlagen worden, Kindt, eine Junge Tochter getaufft, Elisabeth ni fallor genannt. Die Eltern sollen sein gewessen Marcus Hetsch aus Franckenlandt vndt Christina auss Anhalt, die Godt war eines Reuters fraw Elisabeth, die Paten Johan Florin, ihr Leutenant, vndt Georg Strom von Znaim auss Oesterreich, Hanss Zimmer von Andersdorff auss Mähren.). Weil die Spanier nun einen Angriff auf diese befürchteten, wurden alle Thore, selbst die Pforte zum Kirchhof, versperrt und verschanzt, so dass die Bürger ihre Toten nicht auf dem neuen, seit 1598 angelegten Kirchhof beerdigen konnten (52) Randbemerkung' im Kirchenbuch z. J. 163.2.). Die Besatzung, lauter "Burgunder", lag etliche hundert Mann stark zum Teil unten in der Stadt und hatte jeder Soldat nachts einen ,Baisch" Stroh vor seinem Bette liegen, um, "wenn die Schweden die Stadt mit Hilfe der Bürger erobern würden, dieselbe anzuzünden " (53) Artopoë, Trarbacher Memorial.). Bald stiegen die Hoffnungen der schwedisch gesinnten Bürger; wiederholt kamen flüchtige
Abteilungen der Spanier hier durch. Mitte März plante Gustav Adolf selbst hierher zu marschieren;
doch kam es nicht dazu (54)
Baur, Phil. von Sötern, I.231.).
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