2. Kapitel

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Der dreissigjährige Krieg.

Bald nach Ausbruch des 30. jährigen Krieges wurde durch eine böse Verkettung der Umstände auch Burg, Stadt und Grafschaft von dem Kampfeslärm erfüllt. Gemeinsherren waren nämlich damals Pfalzgraf Georg Wilhelm von Birkenfeld geboren 1591, reg. von 1600-1669) und Georg Friedrich, Markgraf von Baden- Durlach. Durch einen unglücklichen Sturz von der Treppe hatte nämlich 1600 der abenteuerliche Eduard Fortunat (von der Linie Baden-Baden) auf dem Kastellauner Schloss ein jähes Ende gefunden; seinen Kindern aber aus der Ehe mit einer schönen Brüsselerin Maria Eickin oder van Eicken), deren Stand und Herkunft nie vollständig aufgedeckt worden (38) Bark, Die evangel. Kirche, I I  511.), stritten die lutherischen Baden- Durlacher die Ebenbürtigkeit und Erbfähigkeit mit Erfolg ab. Nun war Georg Friedrich von Baden- Durlach (reg. von 1605 bis zu seiner Ächtung im Jahre 1622 ein besonders eifriger Parteigänger der ,,Union", während der andere Gemeinsherr sich diesem protestantischen Fürstenbunde fern hielt, - Sobald aber durch das Eintreten der Union und ihres Hauptes, des Kurfürsten Friedrich V. voll der Pfalz, für den böhmischen Aufruhr der Kaiser Ferdinand II. gefährdet wurde, eilten sogleich 18000 Spanier unter dem Marchese Ambrosio Spinola von den spanischen Niederlanden herbei, zogen durch das Trier'sche, über den Hunsrück, und setzten sich in der Kurpfalz und den Nachbarlanden fest (39) Theatrum Europ. II 355-358. H e in t z, Das ehemalige Fürstentum Pfalz - Zweibrücken während des 30 jährigen Krieges. 2. Aufl. 1895 (Abdruck der ersten von 1810).

Hier auf der Burg war ,,um Johannis" (1620) die Besatzung auf 250 Mann gebracht worden (Unionstruppen), vornehmlich auf Betreiben des Durlachere (40) Joh. Hofmann, (Rektor des Trarbacher Gymnasiums), Trorbachische Ehren- Säul: oder Geschichtliche Beschreibung /  Förderst der Fürstl. Spanheymischen Ober-Amts-Statt Trorbach an der Mosel / Theils auch anderer Ohrt in derselben Gegend / sonderlich des dahin verbürgerten Hauptfleckens Traben. In Verlegung des Autoris. Gedruckt zu Stuttgart / Bey Johann Weyrich Rösslin I. J. Ohr. 1669. Seite 724. Vgl. Touton, Seite 5). Doch hören wir einen Zeitgenossen, Joh. Nicolans Artopaeus, der 1627 Rektor, 1629 Diacon und 1631-1666 Pfarrer und Inspektor in Trarbach war (41) Von Artopé selbst »Trorbacher Memorial" genannt. Diese Aufzeichnung ist bis heute noch unveröffentlicht geblieben, und doch ist sie nicht ohne geschichtlichen Wert. Sie existiert noch in 3 Abschriften, im evang. und im kathol. Pfarrarchiv, sowie im Besitz des Herrn Bäckermeisters Heitz, alle drei nicht ohne Schreibfehler) ,,lch erinnere mich", so erzählt er in einer am 7. Trinitatis- Sonntage 1665 gehaltenen Predigt, ,,dass vor dem Kriege diesem Lande viel Gutes bescheret ... , sintemal das Jahr 1615, 16, 17, 18, 19 und 1620 sehr herrliche, an Frucht und Wein gesegnete Jahre gewesen. Dieselben aber bat man, wie es gemeiniglich geschiehet, missbrauchet; man ist lüstern und stolz worden und hat den lieben Gott sehr wenig dabei geachtet ......... Der Gottesdienst und Kirchengang ist den meisten wenig oder gar nicht zu Herzen gegangen, dadurch die Stühle unter den Predigten oft sehr ledig gewesen ......... Darum Gott endlich Anno 1618 den schrecklichen Cometstern über ganz Deutschland etliche Wochen in Gestalt einer feurigen, zackigten Ruthe an den Himmel gesetzet, welcher das künftige Uebel andeutete ......... Als nun die Spanier Creuznach und andere Orte eingenommen, wurde auch hiesiger Ort und Schloss, darauf eine ziemliche Besatzung von Soldaten und Ausschuss (a) eine Art Bürgerwehr.) lag, im Namen Kaiserl. Maj. durch die Spanische Generalität aufgefordert, der Kays. Maj. zu unterthänigsten Ehren den Ort gehorsamlich zu übergeben, wesswegen der damalige Oberamtmann Schmitburger (Nicol. Schenk von Schmidtburg) nach eingeholter Pfalz- Birkenfeldischer Resolution zu Kreuznach die Schlüssel dem Herrn General (b) Spinola.) eingelieffert und dahin akkordiret, dass Stadt und Schloss mit einer geringen erträglichen Garnison beleget und in Kaiserl. Schutz sollten aufgenommen werden. Unterdessen aber und hierzwischen, als solche Resolution dem Herrn Markgrafen ( c) Georg Friedr. von Baden- Durlach ) vorkommen, ist bei Verlierung des Lebens und aller Ehren und Gutes dem Kommandanten und Oberamtmann die Uebergabe verboten worden, welches hernach zu grossem Schaden ausgeschlagen. Denn als vermöge getroffenen Akkords ein Hauptmann mit etwas wenigem Volk sieh vor dem Schloss präsentiret, in Willens, dasselbe zu besetzen, hat der darin befindliche Kapitän den Spanischen Kraut und Loth ( d) Pulver und Blei.) geboten, darüber sie sich müssen zurückbegeben. Welches der Marquis Spinola also aufgenommen, als wenn pfälzische Herrschaft und Oberamtmann ihne nur geäffet, dadurch er beweget worden, mit grösserer Macht den Ort zu bezwingen; hat darauf ein hochdeutsches Regiment von 4000 Mann unter dem Oberst Baur (42) So richtig im Trarbacher Kirchenbuch zum 13. Mai 1621 (Taufregister), wo ein Hauptmann Valentinus aus Sebastian Baurs Regiment angeführt ist; desgl. in einem (noch unveröffentlichten) Brief Georg Wilhelms an Markgraf Wilhelm vom 22. Juli 1625.) sammt grobem Geschütz und Stöcken anher geschickt, so (las Schloss anfangen zu belagern und zu beschiessen und die Laufgräben allernächst sammt den Schanzen vor die Schottpforte zu legen und sich ganz feindlich zu erzeigen darüber nicht allein der Oberamtmann mit Hinterlassung der Seinigen, sondern auch Ihre Fürstl. Durchlaucht sich aus dem Lande begeben mussten wegen ausgestossener Bedrohungen, da sie ja (doch) ihres Theils ganz unschuldig waren. Hier ist nicht wohl auszusprechen, was Angst und Noth unsere Leute betroffen, als sie den Ernst gesehen und die Cartaunen, deren ein Theil der Kugeln in die Stadt gefallen, hören krachen. Da hat man Weib und Kind in die Flucht, geschickt und mit vielen und heissen Thränen von einander Abschied genommen. Man hat sie zu den benachbarten geschickt, die selbst ihrer gespottet haben und (ihnen den Garaus gewünschet, wie denn viele, wenn ein Stück losgegangen, droben auf dein Bernkastelerberg herum- getanzt sind und gesprungen, weiches ihnen doch nach dem Sprichwort: Wenn deines Nachbars Haus brennt, ist es nahe an dir, hernach zum Übelsten ausgeschlagen. Man hatte zwar den Ausschuss in der Stadt liegen, aber sobald man von der feindlichen Parthei hörte, dass sie bald hier, bald dort in. die Dörfer eingefallen, so liefen sie davon und sprangen teils über die Stadtmauer hinaus und war [es] mit der Wacht (43) Auch hier alle Abschriften irrig: Macht) so schlecht bestellt, dass, als einstmals etliche Leute rondiren gingen, sie nicht mehr als einen einigen Gesellen auf dem Kirchthurme gefunden. Also war Jedermann voll Schreckens und wusste niemand, was er thun sollte, welches, so es der auswärtige Feind gewusst., hätte er ohn einige Mühe die Stadt erobern können, Als man sich nun gütlich durch einen getroffenen Ackord a) Uebergabe- Vertrag) ergeben, ist aller Noth und Jammer angegangen"....

Dieser ,,Ackord", im Namen Spinolas gethätigt lautet:

Verzeichnis der Articul und Conditionen, uff welche die Stadt Trarbach sich Ihrer Kay. May. allerhorsamst ufgeben den 5/15 Nov. anno 1620.

1) Sollen die Burger und Nachkömlinge in der Stadt und Ambt Trarbach ihre Religions- Uebung in Kirchen und Schulen freygelassen werden

2) Sollen die Burger und Einwohner an Leib, Leben, Haah und Gutt, Weib und Kinder, Handel und Wandel an Ihren Rechten und Freiheiten unverletzt und ungehindert seyn, jedoch sollen die vom Ausschuss und ausserhalb der Statt ihr Wehr dem Kays. Obristen, so alhie pleiben möchte, lieffern.

3) Alle Beampten und Herrn, Kirchen- und Schuldiener, so bey ihren Aemptern in Kays. May. Dienste mit schuldigen Treuen zu pleiben begeren, die sollen darbey gelassen werden und die Fürstl. Gefell (e) nach Verordtnung des Kays. Feldtherrn, einnehmen und verrechnen.

So geschehen zu Trorbach, am 5/15 Novembris Ao. 1620 
44)
Abschrift aus einem gegenwärtig noch im Privatbesitz befindlichen, für die kirchlichen Angelegenheiten des 16. u.17. Jahrh. wichtigen Sponheimischen Copialbuch, die ich
der Güte des Herrn Pfarrer Pfender-Zell verdanke).

Wie es dem Schloss und seiner Besatzung ergangen ist, erzählt Artopöe nicht, doch entwirft er ein treues Bild von den Leiden der Stadt. ,,Man hat einen solchen Haufen mehrenteils kranker Soldaten allhier einlogieret, dass der ärmste Bürgersmann 10 und mehr ins Haus bekommen, welche eine solche Seuche mitgebracht, dass davon in Kurzem die ganze Stadt ist inficirt worden, also dass kaum so viele gesunde Mannspersonen übrig blieben, dass sie die Soldaten und Bürgersleute, deren an die 166 gestorben (45) Nach den allerdings an dieser Stelle wohl nachträglich aus einem Notizbuch eingefügten Angaben des Kirchenbuchs sind vom Nov. 1620 bis zum Juli 1621 166 Personen gestorben. Darüber ist vermerkt: Als die Spanier diess Städtlein Trorbach einbekommen, haben sie durch ihre kranke Soldaten eine sehr gefährliche und ansteckende Haupt-Krankheit mit sich gebracht, daran folgende Personen gestorben) , begraben können. 
0 was Jammer und Herzeleid ist da entstanden! wie elend und erbärmlich ist es damals hergegangen, also dass auch wegen mangelnder Wartung Bürger und Soldaten sehr viel verschmachten müssen."

11 1/1 Jahre lang blieben die Spanier hier am Orte, und wie es diese Soldateska getrieben, das hat Artopöe wohl nicht ohne Uebertreibung, doch mit lebendigem Abscheu geschildert. -Selbstredend verloren beide Gemeinsherren ihre landesherrlichen Rechte, die an eine aus Spaniern gebildete, dem General Verdugo als "Gubernator" untergeordnete "Kayserl. Regierung in der untern Pfalz" zu Kreuznach übergingen. - An Stelle des geächteten Durlachers trat kraft eines Reichshofrat- Urteil (46) Touton, Seite 5-) der  bis dahin bei Seite gedrängte Sohn jener Maria Eickin, der katholische Markgraf Wilhelm von Baden-Baden (November 1622)  47) Facti Species und Deduction, Woraus erhellet, dass des Herrn Pfaltzgraffen Christiani dess Dritten zu Birkenfeld Hochf. Durchlaucht In die Abtheilung der mit dem Fürstl. Hause Baaden in Gemeinschaft besitzenden Hindere Gravschaft Sponheim ohne Misshandlung wider die beschworene Gemeinschaffts- und sonderbare Verträge u. s. w. nicht zu willigen vermöge (ohne J. und Druckort; 1723 gedruckt). 5. Seite 93 ); Pfalzgraf Georg Wilhelm wies zwar mit Erfolg seine Unschuld nach, blieb aber dennoch Jahre lang seiner Landeseinkünfte verlustig und machtlos gegenüber der militärischen Ausnützung der Grafschaft. Er konnte es nicht hindern, dass zunächst 1625 auf Verdugos Geheiss der in der Stadt befehligende Kapitän Peter Haccart in der Kirche die Aufstellung eines katholischen Altars für den Garnisongottesdienst erzwang, noch weniger, dass 1629 auf Grund des Restitutionsedikts Ferdinands II . den Evangelischen ihre Kirche genommen und ebenso wie das reiche Kloster Wolf den Katholiken wieder zugewendet wurde (48) Auf Grund reichen archivalischen Materials, das ich Herrn Pfarrer Pfender-Zell verdanke, und anderen Orts beleuchten will. Nach E. Weydmanns fleissiger Dissertation (Geschichte der ehemaligen gräflich- sponheimischen Gebiete, Heidelberg 1899; Konstanz, Kommissionsverlag von E. Ackermann), die mir erst während des Druckes bekannt wurde, ist die Grevenburg von den Spaniern zum Zeichen der dauernden Besitzergreifung als Festung ausgebaut worden. Seite 35. Leider fehlt bei W. jeder nähere Nachweis.).

Aber trotz der spanischen Soldatenwirtschaft - zur Ehre der Spanier und der hiesigen evangelischen Bürgerschaft sei es erwähnt - wurde ausser einem Fall, wo es sich um ein junges Mädchen handelte, niemand zum Uebertritt gepresst (49) So Artopé im Trarb. Memorial: Wie denn auch ein grosses Gespräch von Reformiren (d. h. zum Katholizismus zurückführen) unter dem gemeinen Volke durch sie (die Spanier) gemacht worden und unterschiedliche Wettungen darauf angestellt. Daran sich aber Gottlob kein einziger aus unserer Gemeinde, ob es wohl ihrem Herzen schmerzlich vorkommen, gekehret und ihre Lehre und Religion angenommen, ohne ein Mägdlein, so dem Gubernator verrätherischer, heimtückischer Weise zu einer Concubine beigebracht worden. ); spanischerseits hat man sich also der Bekehrung der, Ketzer nicht mit demselben Eifer hingegeben, wie es in den österreichisch-böhmischen Gebieten sehr zum Schaden dieser schönen Lande bereits geschehen war.

Da trat im Herbst durch des grossen Schwedenkönigs Gustav Adolf Sieg bei Breitenfeld ein völliger Umschwung der Dinge ein. Als er am 13./ 23. Dezember Mainz erobert hatte (50) Baur, Philipp von Soetern, geistl. Kurfürst zu Trier und seine Politik während des 30jährigen Krieges 1897, I.), wagten sich schwedische Streifscharen bereits in unsere Gegend. Am 17./ 27. Dezember fand beim Schafhofe ein Gefecht zwischen ihnen und ,9 Cornets " Kaiserlicher Reutter statt, in dem diese geschlagen wurden und samt ihrem Tross und Weibern in die Stadt flüchteten (51) Nach Artopés Memorial. Dazu im Kirchenbuch zwei Notizen (Totenverzeichnis 12. Juli 1632: und Taufverzeichnis zum 18. Dez. 1631 (selbstredend alten Stils). Beide handeln von Soldatenkindern; die letzte lautet: Eodem wordt eines Keyserischen Reutters, der den tag zuvor auss dem Schoffhoff sampt etlich hundert anderen Reutern von den Schwedischen geschlagen worden, Kindt, eine Junge Tochter getaufft, Elisabeth ni fallor genannt. Die Eltern sollen sein gewessen Marcus Hetsch aus Franckenlandt vndt Christina auss Anhalt, die Godt war eines Reuters fraw Elisabeth, die Paten Johan Florin, ihr Leutenant, vndt Georg Strom von Znaim auss Oesterreich, Hanss Zimmer von Andersdorff auss Mähren.). Weil die Spanier nun einen Angriff auf diese befürchteten, wurden alle Thore, selbst die Pforte zum Kirchhof, versperrt und verschanzt, so dass die Bürger ihre Toten nicht auf dem neuen, seit 1598 angelegten Kirchhof beerdigen konnten (52) Randbemerkung' im Kirchenbuch z. J. 163.2.). Die Besatzung, lauter "Burgunder", lag etliche hundert Mann stark zum Teil unten in der Stadt und hatte jeder Soldat nachts einen ,Baisch" Stroh vor seinem Bette liegen, um, "wenn die Schweden die Stadt mit Hilfe der Bürger erobern würden, dieselbe anzuzünden " (53) Artopoë, Trarbacher Memorial.).

Bald stiegen die Hoffnungen der schwedisch gesinnten Bürger; wiederholt kamen flüchtige Abteilungen der Spanier hier durch. Mitte März plante Gustav Adolf selbst hierher zu marschieren; doch kam es nicht dazu (54) Baur, Phil. von Sötern, I.231.). 
Mitte Mai lagen mehrere Tage 1300 Spanier bei uns im Quartier (55) Kirchenbuch; Taufverz. 13. Mai 1632. aditus ad sacellum nostrum (im Laboratorium!) nobis ab Hispanis, quorum tum temporis ultra 1300 in oppido nostro per aliquot dies commorabantur, erat interclusus). Am 8. Juli endlich überrumpelte der schwedische Parteigänger Rhein- und Wildgraf Otto Ludwig (56) Kirchenbuch, Totenverzeichnis zum 30. Juni (Sambstags pridie Kai. Julii wardt auch ein Bawer von Raversbewren begraben, welcher alhie vor dem schloss in seiner arbeith erschossen worden) und 1. Juli (Sonntags den 5. Trin.). So da wahr der 1. Julii wardt auch . . . . in der Kirchen begraben Ein tapfferer Soltat, Hanss Wann von Fürstenberg uss der Marck Brandenburg, gewessener Leutenambt, vnder dem alten schwed. Roten Regiment, welcher 2 tag zuvor neben anderen Soltaten vor dem Schloss alhier von einer Kugeln getroffen vndt auff der Wahlstatt liegen blieben.) mit mehreren Regimentern (57) Ausser dem roten Regiment ist auch das Horneckische Regiment beim Angriff auf das Schloss beteiligt; vgl. Kirchenbuch zum 2. Juli, wonach ein Sergeant dieses Regiments bei uffführung der wacht uff die schantz vor dem Schloss erschossen ist.) die Stadt, wo seit dem 20. Juni die Thore abermals zugelegt waren. Von zwei ortskundigen Offizieren, dem Quartiermeister seines Regiments, Engelbert Baldwein und dem Rittmeister Hans Gerhard Patrick geführt (58) So schreibt Hofmann, Seite 731; Touton giebt die Namen Hien und Mühlberger an. (Seite 7). erschienen die Schweden unbemerkt am Schottthor, das sie rasch mit Aexten aufschlugen. Die Wache wurde flugs niedergemacht und nun stürmten die Schweden in die Stadt. Die Besatzung wurde jedoch durch einen Soldaten, der ,,in den Weinbergen einer Grasmagd nachgeschlichen war", noch eben zur rechten Zeit alarmiert und der Kommandant 59) Dragon (nach Hofmann); Mondragone (Touton). rettete sich schleunigst aufs Schloss, eine wohlbesetzte Tafel im " Rumpel'schen " Hause am Markte zurücklassend. 

V
ergebens versuchte der Rheingraf aber, die Burg zur Kapitulation zu zwingen; erst der (spätere) Feldmarschall Gustav Horn, der nach einigen Tagen eintraf, erreichte dies nach mehrtägiger Beschiessung (10. / 20. Juli) (60) Baur nach Droysen, Gust. Adolf, II. Seite 12.) Einer Lokaltradition zufolge hat der berühmte Schüler Gustav Adolfs, während er auf dem (alten) Kirchhof bei den Geschützen auf- und abging, unbekümmert um die feindlichen Geschosse ruhig im ,,Tacitus" gelesen. Den Spaniern wurde freier Abzug bewilligt. 

A
ber auch die schwedische Einquartierung  wurde von  Bürgerschaft je länger, je mehr als eine Last empfunden, obgleich nur eine Kompagnie unter Kapitän Herxel auf dem Schloss verblieb (61) Kirchenbuch (Taufregister und Kommunikantenverz.). Und zwar nur 2 Jahre. Zum Ostermontag (7. April 1634) weist das Trarbacher Kirchenbuch unter den Taufen noch die von zwei schwedischen Soldatenkindern auf, deren Väter unter Herxel dienen und dann kein einziges mehr, ein Beweis, dass die Kompagnie als solche nicht mehr lange hier gelegen hat. Wahrscheinlich ist sie in den Dienst der Gemeinsherren übergetreten (62) Hofmann, Seite 735, dessen Bericht aber recht verworren ist.). Im Oktober desselben Jahres taucht sogar wieder ein ,,Juncker Oberamtmann ", Reinhart Sebastian von Sickingen, auf (63) Kirchenbuch (Taufregister) zum 12. Okt. 1634.), lutherischen Glaubens, wohl ein Beweis; dass er von dem Pfalzgrafen Georg Wilhelm vorgeschlagen ist. Er amtierte nicht lange; am 29. September 1636 starb er, wie seine Angehörigen ein Opfer der Pest (64) So Hofmann, Seite 250; anders das Kirchenbuch (Totenreg. 7. Okt. vgl. 22. Okt. und 17. Jan. 1636).

Als man - so schildert Artopöe diese grauenhaften Zeiten, nachdem er noch erwähnt, dass auch beim Erscheinen der Schweden eine ,pestilenzialische Krankheit auftrat und 170 Opfer forderte - vermeinet, es würde einmal wieder gut werden, ist das unglückliche Treffen von Nördlingen Ao. 1634 vorgegangen und darauf Ao. 1635 die Metternich`sche Plünderung und Belagerung dieses Orts um Johanni erfolgt, welches eine solche Teuerung und Hungersnot verursachet, dergleichen vielleicht niemalen allhier ist erhöret worden. Denn man hat das Malter Korn für 16,18, auch 20 Reichsthaler bezahlet; 1 Käse 2 Kopfstück, auch 1 Rthlr., 1 Quart Weizenmehl 1 Kopfstück, 1 Pfund Speck 1 1/2 Kopfstück, 1 Ey 3 Albus gegolten (65) Ein Kopfstück = Gulden = 83 Pfg.; ein Albus = 1/20 Gulden = 8 3/10 Pfg). Man hat auf einmal über die 400 armer Menschen gezählet, so in der Kirche das Almosenbrot empfangen; da hat man gesehen, wie um die Zeit, wenn etliche Leute ihr täglich Almosen ausgegeben, die Gassen ganz voller armer Leute gelegen und auf ein Bisslein Brodes, ein Trünklein Weins und Löffel voll Brüh gewartet, welche doch Gottlob! nicht eben aus hiesigem Orte gewesen, sondern anderswoher, auch aus den besten Ländern, von der Nahe, vom Glan, aus der Pfalz, Elsass und dergleichen herkommen. Darunter waren Leute, die auch vorhin grosse Mittel gehabt und doch andern Leuten vor die Thür kommen und betteln müssen, die sich auch nicht gescheuet, unnatürliche Mittel zu Speisen zu gebrauchen, schebigte Hunde, Schindaas von gefallenen Kühen und Pferden, drunten an der Mosel. - Es fand sich aber auch hierbei ein unnatürlich und hierzuland ganz ungewöhnlich Fieber und andere schädliche Krankheiten mehr, an welchen allein unter hiesiger Bürgerschaft an die 193 Personen (66) Das Kirchenbuch weist 1635: 116 Tote, 1636 noch 81 auf; sonst starben am Orte in jenen Zeiten jährlich etwa 10- 20) gestorben, etlicher hundert auswärtiger, so theils auf unserm Gottesacker, theils am Laboratorio in den Stadtgärten und auf dem Graben hingelegt, ganz zu geschweigen. Was nach selbiger Zeit bei Einlogierung der Kaiserlichen und französischen Völker für Not und Drangsal entstanden, ist noch wohl bewusst, sonderlich wie man unserer Mitbürger etliche viel Wochen lang gefänglich um desswillen, dass gemeine Stadt die abgeforderte Geldsumme nicht erlegen konnte, herumgeschleppt und übel tractiret, ist leider mehr als zuviel bewusst (67) Indessen - trotz Artopés Schilderung - ging es den Trarbachern von 1636 bis zum Schluss des Krieges noch verhältnissmässig gut; aber diese Zeiten bedürfen erst einer gründlichen Aufhellung durch archivalisches Material, da Hofmann und Touton nur recht dürftige Notizen bieten)
Man kann sich den Jubel denken, als endlich 1648 der Friede wieder ins Land zog. Und doch hat es noch 3 1/2 Jahre gedauert, ehe am Jubilatesonntag 1652 ,,der gnädigen Herrschaft christliche Intention und gnädiger Befehl wegen Anstellung eines schuldigen Dankfests vor den erlangten allgemeinen Frieden von der Cantzel öffentlich verkündigt" wurde. Am Freitag, 21. Mai, war der Hauptfesttag. Auf allen Gassen waren Blumen und Zweige gestreut, die Kirche mit Maien geschmückt. Zweimal, vor- und nachmittags, ging es in feierlichem Zuge in die Kirche, um die Dankespredigten des Inspektors und des Diakonus und das verordnete Friedensgebet anzuhören; ,,voran zwey Musikanten mit einer Violin und Bassgeigen", dann die herrschaftlichen Beamten, " nechst diesen Herr Burgermeister und ein ehrbares Gericht in ihrer Ordnung, darauf die Kirchen- Juraten und - Censores (d. h. der Kirchenvorstand), dann die bis dahero gewesenen Stadtmumper und nach diesen eine gantze löbliche Bürgerschaft. Dann folgte das Weibsvolck, als erstlich die Jungfrauen in Begleitung der Musikanten mit ihren Kränzen und Palmzweige in Händen tragend, darauf die übrigen Weibspersonen ordentlich mit einander". Dabei läuteten die Kirchenglocken und wurde ,,uff der Vestung mit dem Geschütz und Musqueten ordentlich Salve gegeben". Die ganze Bevölkerung wurde nachmittags mit Wein und Weissbrot im Laboratorium regaliert, selbst die zu Haus gebliebenen Kranken nicht vergessen. Auch wurde - als etwas ganz besonderes - zum Gedächtnis r.o t h er Wein, "so aus einem auff gerichteten Maien durch ein Rohr gesprungen, der sambtlichen Jugend, je einem ein Glässlein voll, zu trinken überreicht. Bei dem Friedensmahl gingen auf Kaiserl. Majestät, der beiden Kronen (Frankreich und Schweden!!), gesambten Churfürsten und Stände des römischen Reiches, insonderheit aber beyder unserer gnädigsten Landesfürsten und Herren Gesundheit und beständige Wohlfahrt unterschiedliche Freudentrunk herum, worzu dann einmal oder etliche die Stücke gelöst und von der Burgerschaft aus Musqueten und Mörsern Salve gegeben worden. Beim Abend wurde im Schlossberg, an dem halben Mond, ein von Harz, Pech, Tonnen, alten Fässern und dergl. zugerichtetes Freudenfeuer angezündet, und damit selbiger Tag beschlossen. Den darauffolgenden Sonntag wurde von Rectoren Scholl das Freudenfest nachmittags in Versammlung des gantzen Oberampts Trarbach continuiret (fortgesetzt) und ein Friedens- Comödie durch die Scholaren (der Lateinschule), ihrem Vermögen nach, im Laboratorium gespielt. Der Allmächtige Gott, der wolle uns und unsere Nachkommlinge lange Zeit bey Frieden und Freud erhalten", so schliesst der unbekannte Verfasser einer alten handschriftlichen Aufzeichnung. Von Stramberg, der sie abdruckt, bemerkt im Hinblick auf die bald einsetzende Franzosenzeit dazu: Wünschensgewalt. Scheine dem treuherzigen Berichterstatter nicht geworden zu sein (67a) Das Moselthal, Seite 82-86.).

3. Kapitel.

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Die Grevenburg

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(37) Rheinischer Antiquarius II 17. Seite 297-304. Im Trarbacher Kirchenbuch 1595 24. Sept. / 4. Okt. ist Capitän Hanss uff dem Schloss als Pathe eingetragen.

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