- Erster Teil - Die Grevenburg und die Stadt Traben-Trarbach in ihren Anfängen. Im Anfang des Mai jährten sich diesmal zum zweihundertsten Male die Tage in denen über das Endschicksal der stolzen. über dem Moselstädtchen Trarbach gelegenen und mit ihm ein zusammenhängendes festes Bollwerk bildenden Grafenburg die Entscheidung gefallen ist. Ursprünglich ein wehrhaftes Residenzschloß für die Landesherren die Grafen von Sponheim, dann Wohnung des höchsten Landesbeamten, des adeligen Amtmanns und Oberamtmanns, war sie im 30jährigen Krieg von den spanischen Eroberern. die sich hier festsetzen wollten, zu einer kleinen Festung ausgebaut worden; ein halbes Jahrhundert danach hatte Frankreichs genialer Festungs-Erbauer Vauban zweimal seine Künste daran versucht und endlich war es 1704 von den Mächten, die sich mit dem deutschen Kaiser gegen den übermütigen und eroberungssüchtigen Franzosenkönig Ludwig XIV. verbündet hatten. zurückerobert und durch Geheimvertrag von den Holländern dem Kurfürst-Erzbischof von Trier zugeschanzt, von diesem als "Reichsfeste" übernommen mit Besatzung belegt und mit großen Unkosten ausgebessert worden.1) Die Pläne für die neuen Kasernen, di im Speyrer Staatsarchiv aufbewahrt werden und von Herrn M. Havenstein zuvorkommender Weise copiert wurden, beanspruchen auch neben den Vauban'scben Entwürfen unser Interesse. - Kein Geringerer, als der Erbauer der Trierer Paulinuskirche Balthasar Neumaan, Oberst- Leutnant im Dienste des Würzburger Fürstbischofs, hat im Auftrage des Kurfürsten Franz Georg von Trier die Fortifikationen von Trarbach und von der Grevenburg m Juli - August 1733 geprüft. Lückger, Pastor bonus 1933, 327 ff Aber im polnischen Erbfolgekrieg (1734- 1739) fielen die Franzosen wieder über Trarbach
her. Am 2. Mai 1734 übergab der kurtrierische Kommandant die Feste, nachdem Bresche geschossen war,
und am 4. Mai ließ man ihn mit seinen Leuten, etwa der Hälfte der ursprünglichen Besatzung, 243
Mann, zu Schiff nach Koblenz abziehen. Die siegreichen Franzosen taten den beiden, über die Trierer
Eindringlinge ungehaltenen Landesherren, besonders dem Pfalzgrafen Christian III. von Birkenfeld, der
als Generalleutnant in ihren Diensten stand einen großen Gefallen, willigten in die Schleifung ein
und ließen die Burg zum Schrecken, aber auch zur Freude der Einwohnerschaft im Juli durch den
Ingenieur-Offizier Delorme in die Luft sprengen. Der evangelische Pfarrer in Traben. Christoph Adolph
Liernur, verfaßte damals ein längeres Gedicht auf das glücklich ,,zu Grab gebrachte Schloß"
und gab darin unverhohlen seiner und aller Mitbürger Genugtuung über das Zerstörungswerk Ausdruck. Neuerdings hat sich ein anderer, ein wirklicher Dichter und geborener Trarbacher, an die Aufgabe gemacht, uns den Untergang der Burg zu schildern. Gewiß kennen viele Leser dieser Zeilen das feine, schnurrig kunterbunte Geschichtenbuch ,,Der Kuckuck und die zwölf Apostel" von Werner Beumelburg. Zweifellos wird mancher in diesen Tagen der Erinnerung gerne die Dichtung zur Hand nehmen und sich mit Vergnügen in die Rokokozeit zurückversetzen lassen. Daneben aber macht es vielleicht doch auch Freude, einmal den Anfängen der Grevenburg nachzugehen und sich erzählen zu lassen, warum, wann und wie sie entstanden ist, soweit unsere zum Teil recht dürftigen Quellen es möglich machen. Die Flurnamen sind es, die uns von verschiedenen Burganlagen der früheren Zeiten im Trarbacher Gebiet Kunde geben. Schon in der ausgehenden Römerzeit oder doch bald danach hat sich, wie die Flurbezeichnung Kestel beweist, auf dem ,,Vorgebirge" zwischen Schottbachmündung und dem Kautenbach eine Feste, castellum, erhoben, die die beiden Paßwege nach Longkamp und Irmenach - beides alte Orte - sichern sollte. Vielleicht steckt im Gemäuer des Kirchturms der evangelischen Kirche, der ursprünglichen St. Nikolauskapelle, noch ein Baurest, den die Sponheimer Grafen bei der ersten Anlage dieser Kapelle (13. Jahrhundert) benutzt haben. Jahrhunderte später entstand sodann jene Burg für eine Herzogsfamilie, deren Spuren sich in der Flur ,,Herzeburg" unweit der Mündung des Schraubeler Baches oberhalb von Gräffsmühle finden. 1343 kommt urkundlich noch die Bezeichnung ,,Herzogenburg" vor. Mit dieser Burg hing aller Wahrscheinlichkeit nach die Eberhardskirche zusammen, die etwas unterhalb, rechts vom Kautenbach, an der Stelle des heutigen Kurhauses Mannesmann gestanden haben muß. Der Flurname ist schon zu Anfang des 15. Jahrhunderts als Eberhards Kirchhoff (Sponheimisches Gültbuch), später auch als Ebertskirchhof nachweisbar. Beide Gebäude müssen schon früh, sei es durch die von der See her eingedrungenen Normannen um 882 oder vielleicht nach dem Sturz und Untergang des Herzogs Eberhard von Franken, der als Empörer gegen Otto 1. in der Schlacht bei Andernach 939 fiel, vom Erdboden verschwunden sein. Die Erbschaft der nicht zu ermittelnden Herzöge scheinen anfangs geistliche Gewalten hier anzutreten, die mächtige Reichsabtei Korvei und die Aachener Münstergeistlichkeit, doch nur vorübergehend. Im 12. Jahrhundert sitzt das kraftvolle, hochadelige den salischen Kaisern verwandte Geschlecht in unsern Orten. das sich als eins der ersten in Deutschland nach seiner stärksten Burg Spanheim oder, wie man seit dem 16. Jahrhundert sagt, Sponheim unfern Kreuznach einen Familiennamen beigelegt hat. Die Grafen von Sponheim sind an der Mosel erstmalig in Enkirch im Jahre 1125 nachzuweisen, und ein Zweig des Geschlechts beherrscht von der Starkenburg aus seinen Anteil an einem weitverstreuten Besitz. der sich über ein großes Gebiet an der Nahe und Mosel, im Idar- und Hochwald, in der Pfalz und in der Eifel, erstreckt hat. Sie betreiben, so scheint es, eine kluge Handelspolitik und suchen neben den Haupthandelsstraßen längs des Rheines und längs der Saar und Maas einen mittleren Handelsweg über den Hunsrück und die Eifel in Aufnahme zu bringen. Die Orte an der Mosel Enkirch, Traben und Trarbach erhalten wohl auf ihr Betreiben ihre
meist über mehrere Tage sich ausdehnenden Jahrmärkte. Soweit sie nicht einen solchen bereits haben:
Traben am St. Jakobstag (25. Juli), Trarbach einen St. Jobannesmarkt zu Sungeten. d. ist zur
Sommersonnenwende (24. Juni), und einen auf St. Nikolaus (6. Dezbr.), der sich mit der Zeit nach dem
St. Luzientag (13. Dezbr.) hin verschoben hat. Enkirch versammelte die Umwohner am Dreikönigentag
(6. Jan.) und auf St. Bartholomäus (24. August). Die Grafen geben dem an der Mündung des
Trabenerbaches, der 1310 im Mittellauf auch Kutenbach heißt, enstandenen Trarbach zu seinen von der
Natur gebotenen Verteidigungsstellen, den "Landwehren" im Schott und im Kompen und der
,,Sehr" am Hühnerberg, noch Mauern und Tore, wozu die Gunst der Lage in den Bachtälern
geradezu auffordert. Beide Orte, Traben und Trarbach, schließen sie zu einer Gerichtsgemeinde, communitas,
zusammen, ohne ihr allerdings anfänglich Stadtrechte zuzugestehen. Wenn nun auch Trarbach sich
rascher und entschiedener zur Stadt entwickelt als das wie so viele Moselorte nur primitiv befestigte
Traben, so schwankt doch die Bezeichnung für Trarbach zwei Menschenalter hindurch zwischen villa,
einem unbestimmten Ausdruck für Hof oder Dorf, und oppidum, was einen festen Ort bedeutet. Als
,,Stadt" im eigentlichen Sinne erscheint Trarbach erst. nachdem es eine feste Burg erhalten hat. Von einer Greven- oder Grafenburg aber verlautet keine Silbe, Die Gräfin Loretta, aus dem Hause Salm hervorgegangen, 1314 mit Heinrich, dem ältesten Sohn des Grafen Johann II, verheiratet, 1322 verwitwet und Vormünderin ihrer drei kleinen Kinder, die seit 1324 auch das Land zu verwalten hat und im Sommer 1328 den Erzbischof Balduin von Trier gefangen hält, weiß von einer Burg über Trarbach noch nichts, und nur durch ein Mißverständis konnte der Ausdruck Gräfinburg in Anspielung auf die hervorragende Frau aufkommen. Als sie länger schon (seit 1331) auf ihrem Altenteil, der Frauenburg an der Nahe im Birkenfeld'schen, sitzt, übertragen 1338 ihr Sohn, Graf Johann III., und seine Gemahlin, Pfalzgräfin Mechtilde aus dem Hause Wittelsbach, die ihnen gehörige ,,villa Traynrebach, mit der Herrschgewalt, der hohen und niederen Gerichtsbarkeit sowie ihrer Gemarkung und dem gesamten auf dem rechten Moselufer gelegenen Zubehör" an den Erzbischof Balduin zum Eigentum, um alles sogleich als Lehen wieder zu empfangen. Von einer ,,Grevenburg" ist nicht die Rede; möglicher Weise aber hatte das Grafenpaar den Bau schon ins Auge gefaßt und deshalb, um einen Einspruch Balduins von vornherein auszuschließen, Trarbach unter die Trier'schen Lehen aufnehmen lassen, was zum Glück für seine Entwicklung ganz bedeutungslos geblieben ist. Aber eine noch jüngere für unsere Ortsgeschichte wichtige Urkunde aus dem Jahre 1343 ( In einer der von Erzbischof Balduin angelegten Urkundensammlungen ,dem sogenannten Balduineum Kesselstatt, jetzt im Besitz des Grafen Wilczek in Wien, dessen Archivar, Herr Dr. Goldmann, bereitwilligst Auskunft gab.) spricht sogar dagegen, daß die Burg über Trarbach dazumal schon vorhanden war. In eben diesem Jahr, 6 Jahre nach der ,,Judenschlacht" von 1337 ( Einer Judenverfolgung, bei der in unseren Gegenden, besonders in Boppard und Oberwesel, zahllose Juden ihrer Güter beraubt und erschlagen wurden.) verpfändet das gräfliche Ehepaar die Gefälle ( Der Graf bezog im Jahre 1398 an Bede (Grafensteuer) in Enkirch 800, in Traben 350 und in Trarbach 200 Gulden. Die Angabe ist für die Leistungsfähigkeit der Orte bezeichnend. Allerdings sind ,,die von Trarbach und die darzu gehören", verpflichtet, wann der Graf ,,reisen" will, ihm einen dauerhaften (wolerzugeten) Wagen mit 6 Pferden zu stellen.) seiner drei Dörfer Enkerich, Traven und Tranrebach auf sechs Jahre an den Erzbischof Balduin und ,,seine", d.h. einige unter seinem Schutz stehende Juden. Es soll damit eine alte, gewiß zum Teil noch von ihrer Mutter, Gräfin Loretta, herrührende und auf 4400 Gulden angewachsene Schuld in Jahresraten von 800 Gulden bezahlt werden. Wird die jedesmal Weihnachten fällige Rate nicht bezahlt, so darf niemand aus den drei Dörfern Wein oder sonstige Güter weder auf dem Wasser- noch auf dem Landweg verkaufsweise ausführen und die gräflichen Eheleute müssen sich unaufgefordert nach Metz oder Diedenhofen solange in Schuldhaft begeben, bis die Rate bezahlt ist. Bis zur Abtragung der ganzen Schuldsumme bleibt die sponheimische feste Burg Herrstein, die im Fischbachtal unweit der Nahe liegt, unter der Obhut eines beiden Parteien durch Eid verpflichteten Treuhänders. Die Wahl dieser entlegenen Feste als Unterpfand, während gleichzeitig die Gefälle der drei Moseldörfer verpfändet werden, spricht nicht dafür, daß die Grevenburg damals bereits vorhanden war. Vielmehr wird Graf Johann III. wohl erst nach Abtragung seiner Schuld und, nachdem er 1350 durch einen Gnadenbeweis Erzbischof Balduins sein Oberamtmann im rechtsseitigen bischöflischen Moselland geworden war, mit dem Bau der Grevenburg begonnen haben. Diese Urkundenabschrift von 1343 enthält zugleich eine für unsere Stadt bedeutsame Angabe über die Siegel, die dem verlorenen Original angehangen haben. Neben dem Grafenpaar, den beiden Rittern Volker von Starkenburg und Simon vom Walde, sowie der Gemeinde Enkirch siegelt ,,die Gemeinde der Dörfer Traven und Tranrebach". Schon 1327 läßt auch der in Trarbach wohnende Ritter Johann Kneusele von Esch mit seiner Frau, Gezela, geborene von Muditz, eine Schuldurkunde von der communitas de Tranrebach besiegeln. Halten wir beide Angaben zusammen, so lassen sie den Schluß zu, daß auch die ältesten schon im 13. Jahrhundert erwähnten Siegel solche der Gesamtgemeinde Traben und Trarbach waren, und die zerstörte Umschrift auf dem allein erhaltenen Bruchstück des Siegels, dessen sich die Gemeinde (universitas) von Trarbach 1285 bedient, gelautet haben muß: S(igillum) COMMUNITATIS DE TRAVENE ET TRAYNREBACH, Das Wappen, das einen Turm mit zwölf fensterartigen Luken und mit einen spitz zulaufenden Dach im Schachbrett vorstellt, kann also nicht von der Grevenburg entlehnt sein. In dem großartigen Löse- und Sühnebrief, den die Gräfin Loretta mit diplomatischer Meisterschaft dem gefangenen Erzbischof Balduin am 7, Juli 1328 in die Feder diktiert hat, heißt es: ,,ihr (Lorettas) Land und die Stad, da wir gelegen han gevangen, soll bis nächsten Ostern von dem Beslag, den man Interdikt of (- oder) Cessatie ( Verbot aller gottesdienstlichen Handlungen, des Glockengeläuts usw.: nur die Sterbenden durften versorgt werden. Schon ein Jahrhundert früher, vor dem Jahre 1232, waren die Trabener Pfarreingesessenen einmal excommuniciert worden, weil sie den Stiftsherren des Aachener Marienmünsters den Zehnten verweigert hatten.) heißt, los und ledig gemacht werden". Wenn hier von einer ,,Stad" die Rede ist, worunter zunächst ,,Ort, Stelle, Stätte" verstanden wird, so hat Loretta damit vielleicht die Starkenburg ( Auch gegen die Starkenburg erheben sich Bedenken, da die ältesten Teile, der große Turm und die Kapelle, zur Gemarkung und zur Pfarre Enkirch gehörten. Am ehesten ist an die ursprüngliche Pfarrkirche für die Gesamtgemeinde, die Trabener St. Peterskirche, zu denken - falls das Wappenbild nicht reines Phantasiestück ist, wie es auch vorkommen soll.) allein, wo nach unserer besten Quelle Balduin gefangen saß, vielleicht aber auch die communitas von Traben-Trarbach gemeint, wozu die Burg Starkenburg mit ihrem südlichen Teil, d.h, ohne den großen Turm und die Kapelle, gehörte. Eine ,,Stadt" Trarbach, in die der Flecken Traben, wie es später hieß, eingemeindet war, kommt für Loretta nicht in Frage; zu einer solchen hat sich Trarbach erst entwickelt, seit es eine Burg hatte, Am 13. Oktober 1357 wird die Grevenburg erstmalig genannt. Peter und Agnes von der Leyen, ein adeliges Ehepaar, erscheinen urkundlich als ,,Burgmannen" der Grevenburg. Sie erhalten vom Grafen Johann III, mehrere genauer bezeichnete Wingerte in Erden und Uerzig als erbliches Burglehen mit der Vergünstigung, daß nicht nur die Söhne, sondern auch die Tochter in Ermangelung von Söhnen ,,gute Burgmannen zu Grevenburg" sein sollen; mit anderen Worten: auch die Tochter soll, wenn sie allein ihre Eltern überlebt, verpflichtet sein, zu gewissen Zeiten im Jahre einen oder mehrere Bewaffnete als Wächter und Verteidiger auf die Burg zu schicken. Zwei Jahre später, am 17. Oktober l359, hat Graf Johann III. mit Zustimmung seines gleichnamigen Sohnes für das eigene Seelenheil, das seiner verstorbenen Gattin, seiner Eltern und Vorfahren einen Altar und eine ewige Messe ,,uff unser Vesten zu Grevenburg" auf gerichtet und einen Kaplan eigens dafür bestellt, dem ein bestimmtes Einkommen, Korn- und Oelgülten zu Irmenach, Beuren, Risbach und Wolf, 17 Wingerte in Enkirch und ein solcher in Trarbach, ,,in Kesten oben an der Kirchen gelegen", sowie ein Haus ,,zu Trainrebach in der Stat, da die baitstube (Badestube) inne stund", als Wohnung zugewiesen wird. Erzbischof Boemund II. aber, der am 23. August des folgendes Jahres diese Stiftung bestätigt und den Altar zu einem kirchlichen Beneficium ( Pfründe mit Seelsorgeberechtigung.) erhebt, nennt die Aufrichtung und Dotierung des Altars eine von neuem vorgenommene (de novo factas). Liegt hier kein Irrtum vor, so ist die erstmalige Altarstiftung - und der Bau selbst? - wenigstens einige Jahre zurück zu datieren. Immerhin darf aus den obigen Darlegungen und aus der Tatsache, daß in den nächsten Jahren, von 1367 ab, die Grevenburg häufiger in den Urkunden vorkommt, der Schluß gezogen werden, daß die Burg in der Zeit von 1350 bis 1357 erbaut worden ist. Ja, eine im Jahre 1364 niedergeschriebene Bemerkung klingt so, als ob man damals nachträglich noch mit dem Ausbau der Burg zu tun gehabt habe. Sie findet sich in einem Haushaltungsbuch, das in den Jahren 1363 bis 1368 auf der Grevenburg von einem lateinkundigen Schreiber, welcher Hausmeister und wohl auch Burgkaplan in einer Person war, geführt wurde. ,,Von Samstag vor Bonifacius (8. Juni) bis an den Tag sente Peters und Pauwels (29. Juni) sind 4 Wochen ( Die 4 Wochen des Haushaltsbuches beruhen, natürlich aus Irrtum.), sind getrunken 7 Stucke (- Fuder) wins. Item 51 m (alter) gebacken. bynnen der zyt waren dy lude in dem graven, den (en) myn Her (Graf Johann III.) ze essen gab" . ( Für die Entzifferung des 12 Folioseiten umfassenden Aktenstücks - es enthält eine Reihe nur schwer oder garnicht zu erklärender Ausdrücke - bin ich Herrn Archivdirektor Dr. Schaus in Koblenz und seinen Mitarbeitern zu großem Dank verpflichtet.) Demnach arbeiten frondienstpflichtige Leute etwa drei Wochen im Juni für den Grafen im ,,Graben", worunter dem ganzen Zusammenhang nach der Schloßgraben zu verstehen ist. Es wird sich um eine Vertiefung und Verbreiterung des Grabens gehandelt haben, und die Zahl der Arbeiter muß eine sehr beträchtliche gewesen sein. In diesen drei Wochen backt man nämlich weit mehr als doppelt so viel, 51 Malter, und trinkt doppelt soviel Wein. 7 Fuder, als es auf der Burg Regel war, Es pflegt hier anscheinend überhaupt hoch herzugehen. Ist doch die Burg, wie das Haushaltsbuch jetzt unwiderleglich beweist, die eigentliche Wohnung des Landesherrn, Johann III., der seit 1356 verwitwet ( Man hat auf den Himmeroder Grabdenkmälern des Ehepaares das Wörtchen sub nicht beachtet. Die Gräfin ist 1356 und Graf Johann tu. 1398 gestorben, was sich für diesen urkundlich nachweisen läßt.) und, wie eine Urkunde von 1358 dartut, bereits am Erblinden war. Häufiger zeigt sich als Gast sein Sohn Johann (IV.); einmal während dreier Jahre auch dessen Gattin Elsebrecht, eine geborene Gräfin von Sponheim-Kreuznach, mit ihren Frauen von der Starkenburg her. Durchschnittlich trinkt man auf der Burg, wo außer dem Gesinde, Turmknechten, Pförtnern usw., die gerade Dienst tuenden Burgmannen zur Stelle sind, alle vier Wochen 4 Fuder Wein, verbackt außer dem Spelzmehl 22 Malter Korn und verfüttert 60 Malter Hafer an die Pferde. Besonders üppig zeigt man sich, wenn auswärtiger Besuch, z.B, die adeligen Herren von der Burg Ulmen oder die Herren vom Steine, eintreffen, In der Nacht und an dem Morgen, wo der Herzog von Brabant als Gast verweilt, werden 9 Ohm (1 1/2 Fuder) vertrunken. Für die Vorräte an Frucht und Wein waren, wie das Haushaltungsbuch verrät, ein umfangreicher Getreidespeicher und ein Keller für mehr als 50 Fuder vorhanden. Selbstrebend war die Burg auch wehrhaft, Graf Johann III, nennt sie ,,unser Veste", und Erzbischof Boemund braucht dafür das lateinische Wort ,,castrum", Sicherlich hat das Aufkommen des Feuergeschützes, das, soviel bis jetzt feststeht, 1324 im Abendlande zuerst und zwar bei einer Fehde um die Stadt Metz in Anwendung kam, dazu geführt, die Burg in einer nach allen Seiten möglichst sturmfreien und gedeckten Scharte in der Mitte des Berghanges anzulegen. Sie war also auch von vornherein, obgleich erst ein Wehrverzeichnis von 1437 vorliegt, nicht nur mit Armbrüsten und mehreren tausend Pfeilen, sondern auch schon mit Schußwaffen, Kammer -, Hand- u. Schirmbüchsen und etlichen Tonnen Pulver versehen, Die Verteidigung übernahm eine ganze Reihe von Burgmannen, die großenteils von Adel waren. Einige von ihnen erhalten zu ihrem Lehen auch ein Haus in Trarbach angewiesen oder müssen mit gräflicher Bauhilfe ein solches aufrichten. Vier bis fünf Dutzend Bewaffnete hielt man damals für eine ausreichende Besatzung. Die Stadt Trarbach selbst ist 1437 nur mit 20 Handbüchsen ausgerüstet, mit denen die von einem Mompar ( Dieser Name für den militärischen Führer, der von der Bürgerschaft auf 1 Jahrgewählt wurde und als Altmompar noch ein zweites Jahr tätig blieb, geht auf das althochdeutsche Wort muntboro (Vormund) zurück und zeigt. daß ein großer, ja der größte Teil der Bürgerschaft ursprünglich unfrei war. Ein solcher Stadtmompar kommt meines Wissens auch in der belgischen Stadt Lüttich vor) befehligten Bürger, der sogenannte ,.Ausschuß", die Mauern zu verteidigen hatten. Zeichnungen oder auch Beschreibungen der Burg in ihrer ältesten Gestalt haben sich nicht erhalten. Zwei Gebäude, von denen sich in den Trümmern Spuren finden, stammen jedenfalls vom ältesten Bau her: der ,,Donjon", ein Rechteck mit runden Ecktürmen, und der schon 1702 zusammengeschossene große runde Trum, der mehrere fest überwölbte Stockwerke, im unteren Teil aber keinen Zugang hatte und als letzter Zufluchtsort für die Verteidiger dienen sollte. Durch eine hölzerne, eisenbeschlagene Zugbrücke war, nach einer alten Schlosserrechnung, die Burg zugänglich. An diese schloß sich eine Felsenkammer; zu ihr gehörte auch ein mittels einer Pforte verschließbarer Garten und ein Weiher, der aus Quellen an den Kampsteinen gespeist wurde. (Rohre der Wasserleitung hat man vor einigen Jahren beim Wegebau noch in großer Anzahl gefunden.) Durch die Burg gewinnt Trarbach dem Mutterort Traben einen Vorsprung ab und heißt fortan Stadt. Zu ihren Bürgern rechnen aber auch die Trabener, soweit sie edeler und freier Abkunft sind, oder, wie sich Rektor Hofmann in der ,,Trorbachischen Ehrensäul" 1669 ausdrückt, der .,Hauptflecken" Traben ist nach Trarbach hin ,,verburgert". Unter dem Schutz der Burg und der auf ihr residierenden, letzten sponheimtschen Grafen Johann IV. (1398 - 1411) und Johann V. ( 1411 - 37) hat dann die Gesamtgemeinde eine Zeit des Friedens und wirtschaftlichen Gedeihens erlebt, der sich nur die letzten Hälften des 18. und des 19. Jahrhunderts an die Seite stellen lassen. Dr. H. Disselnkötter (Abdruck aus. Traben-Trarbacher Zeitung Nr 132 v 9.6. l934).
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