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Die älteste Zeit bis zum Jahre 1618.

Unmittelbar unterhalb der Stadt Trarbach fällt auf dem rechten Moselufer zwischen dem Strom und der Mündung des Kautenbachs vom Hunsrückplateau her ein steilkantiger Felsgrat jäh zum Strom bin ab. Auf halber Bergeshöhe erheben sieh hier die allen Moselwanderern wohl bekannten Ruinen einer mächtigen, im vorigen Jahrhundert gesprengten Schlossveste, deren Werke im engen Zusammenhang mit der zerstörten Trarbacher Stadtbefestigung standen. Sie hat eine geschichtliche Vergangenheit, wie wenige ihres gleichen.

Es ist des Trarbachers ,,Schloss" oder seine Gräfinburg". Als Erbauerin gilt ihm nämlich immer noch die bekannte kecke Gräfin Loretta von Sponheim, eine geborene Gräfin Salm, die als Vormünderin ihres Sohnes Johann (III.) von 1322-1331 die (sog. hintere) Grafschaft Sponheim- Starkenburg mit männlicher Kraft regierte (1) Vgl. J. G. Lehmann, prot. Pfarrer in Nussdorf, Die Grafschaft und die Grafen von Spanheim, 2 Teile, Kreuznach 1869, R. Voigtländer; besonders den zweiten, die Starkenburger Linie behandelnden Teil. - Zur Textstelle II, 27 ff.) und bekanntlich den Erzbischof Balduin von Trier gelegentlich einer Fehde im Sommer 1328 längere Zeit auf der Starkenburg gefangen hielt (2) Vgl. Dominicus, Baldewin von Lützelburg, Erzbischof und Kurfürst von Trier. Coblenz. J. Hölscher 1862. - Seite 243ff.). Von Balduins Lösegeld nun soll Loretta unsere Burg erbaut haben.

Leider besteht dieser romantische Zusammenhang von Gräfin und Schloss vor der Kritik nicht. Ein anscheinend recht phantastischer Kopf, Joh. Heinr. Röhde, der hier in Trarbach von 1776-1784 als zweiter Pfarrer und als ,,Collaborator" am Gymnasium thätig war (3) Vgl. Dr. J. M. Schmidt, Gesch. der höheren Schule zu Trarbach vom Anfang des 30j. Krieges bis zur Gegenwart. Trarbach 1873. - Seite 26.), hat ihn erfunden oder wenigstens harmlos naiv weitererzählt. Sein übrigens doch recht wertvolles Geschichtsbüchlein führt den Titel ,,Nachricht von der Stadt Trarbach und ihren Begebenheiten (4) Das im Text citierte Büchlein ist »aufgesetzt zu der gewöhnlichen Osterprüfung" des J 1782, vertritt also die Stelle unseres heutigen »Gymnasialprogramms". Zur Sache Seite 14 ff.) und datirt von Ostern 1782. Er macht darin Loretta auch in einem Zuge zur Gründerin und Erbauerin der Stadt Trarbach, vergisst aber vollständig, auch nur den geringsten Beweis dafür beizubringen. Für die Burg wenigstens holte das bald darauf (1818) ein Schüler Röhdes und geborener Trarbacher, der Bremenser Professor Ad. Storck, nach (5) Dr. Ad. St er c k, Darstellungen aus dem Preussischen Rhein- und Mosellande, 2 Bändchen, Essen und Duisburg 1818. - Vgl. Seite 248.) und berief sich dafür auf einen um l500 lebenden Chronisten, den Abt Johannes Trithemius von Kloster Sponheim. Aber ganz missverständlicher Weise. Trithemius nennt das vom erzbischöflichen Gelde erbaute Schloss ,,Frauenburg" und hat natürlich die Frauenburg bei Birkenfeld im Auge (6) Chronicon monasterii Sponh. kep. II, edit. Francof. 1601) zum Jahre 1328).

Kein geringerer als der hochverdiente erste Herausgeber des Rheinischen Antiquarius, Chr. v. Stramberg, hat den Irrtum zuerst aufgedeckt (7) Ohr. v. Stramberg, Das Moselthal zwischen Zell und Konz. Coblenz 1837, J. Hölscher. Seite 147; wiederholt im Rhein. Antiquarius 1853 III, 1, 256/7.). Und thatsächlich heisst unsere Burg in den Urkunden der ersten Jahrhunderte ihres Bestehens immer ,,grevenburg", und noch 1730 schreibt die Trarbacher Stadtbehörde  (8) In der 1730 gedruckten Species facti oder umständlichen Erzählung wie das hinter- graffschafftliche Sponheimische Städtlein Trarbach durch Fortication des über selbigem gelegenen Schlosses / verschiedene desselbigen Belägerungen und Unterhaltung der Garnisonen währender zweyer letzteren Kriegen auch Hauptsächlich von der seiter dem 9. November 1713 annoch darinnen liegenden Churfürstlich Trierischen Besatzung in äusserstem Ruin und gäntzlich ausser Stand gesetzet worden u. s. w. u. s.w. - Mit Beylagen von Lit A biss K incl. - S. Seite 2.) so; daneben findet sich seit 1664 die Schreibweise gräven- oder gräfenburg (9) Johann Casp. Z i l l e s i us' Genealogia Sponhemica oder Geschlecht Register der alten Graffen und Graffinnen zu Sponheim, erst 1835 durch v. Stramberg im Archiv für Rheinische Geschichte veröffentlicht. (hsg. von Graf v. Reisach und Dr. Linde) 2. Teil, Coblenz J Hölscher.), eine Form, der ein Mitarbeiter Röhdes fast gleichzeitig mit ihm den Vorzug gegeben hat (10) Nämlich der feine und gewissenhafte Rektor Touton 1781 in seiner "Kurzen Nachricht von der gegenwärtigen Verfassung des Gymnasiums zu Trarbach".  Seite 5. Die Silbe greven- in grevenburg hat aber mit Gräfin gar nichts zu thun, was z. B. beim Gräfenstein in den Vogesen, dem Grefenberg bei Nürnberg, dem Gräfenberg bei Kiderich, bei Grevenbruch u. a. mehr nachweisbar ist. Greve, grebe, grabe, grave sind im mittelalterlichen Deutsch dialektlich verschiedene Bezeichnungen für den ,,Grafen"; als Sitz eines mächtigen Reichsgrafengeschlechts - derer von Spanheim -- und zum Unterschiede von anderen ritterliehen und sonstigen Burgen der Nachbarschaft heisst unsere Burg also mit besonderem Nachdruck die ,,Grafenburg".

Und nicht Gräfin Loretta, sondern ihr Sohn Johann III. der von 1331-1399 über die hintere Grafschaft gewaltet hat, muss ihr Erbauer gewesen sein, wie eine genaue Prüfung der vorhandenen Urkunden lehrt.

Existiert hat sie noch nicht im Jahre 1338. Am 19. September dieses Jahres nämlich beurkunden die Eheleute Johann (III), Graf von Spanheim - so haben sich die Reichsgrafen bis zum Erlöschen des Geschlechts 1437 immer geschrieben -, und Herr zu Starkenburg und Metza (d. h. Mechtilde), Herzogin von Bayern, dass sie eine Reihe ihrer Eigengüter oder Allodien, unter anderem ihre villa Traynrebach mit der Herrlichkeit, der hohen und niederen Gerichtsbarkeit, mit ihrer Gemarkung und dem Zubehör auf der Moselseite, wo Traynrebach liegt, dem Erzbischof Balduin und seiner Trierer Kirche übergeben und als Lehen von ihm zurückerhalten haben (11) Günther, Codex dipl. Rheno-Mosellanus III, 1. Nr.240. Die in der Urkunde als Trierische Lehen bezeichneten Orte werden noch 1697 zu Ryswick von den Kaiserl. Gesandten als solche bezeichnet. Hontheim, Hist. III 801. a.). Hätte damals eine Veste oder Burg auf dem Trarbacher Bann existiert, so wäre es ohne Zweifel in dieser sonst genau spezialisierenden Urkunde vermerkt worden.

Andererseits wird sie mit Namen genannt zum ersten Mal am 3. Oktober 1357. Unter diesem Datum bekennen die Eheleute Peter und Agnes aus dem weitverzweigten Adelsgeschlecht von der Leyen eine Reihe genau bezeichneter Wingerte in der Erdener und Uerziger Gemarkung vom Grafen Johann III. als Burglehen empfangen zu haben ,,und soll ich peter vorgenannt und min Söne und ob ich nit Söne enthan, min Dochter gute Burgmannen zu g r e v e nburg sin (12) Neueres Sponh. Copialbuch Nr.IV (fortan eitiert N. Sp.C. Nr.IV) (jetzt im Kgl. Staatsarchiv zu Coblenz) fol. 128.(3. Oktober). Abschrift.). - Zwei Jahre später hat Johann III." zu Ehren des allmächtigen Gottes und St. Marien, seiner Mutter und Magd, der heil. Märtyrer Felix und Adauctus, zum eigenen Seelenheil und demjenigen seiner sel. Ehefrau Mechtilde, seiner Eltern, Vorfahren und Nachkommen" einen Altar und eine ewige Messe ,,vif unser Vesten zu grevenburg gemacht und aufgerichtet" und denselben Altar reich mit Aeckern, mit Korn- und Oelgülten (Abgaben) zu Wolf, Irmenach, Beuren, Risbach, mit 17 Wingerten in Enkirch, sowie endlich mit einem Wingert ,,in kesten oben an der kirchen zu Trainrebach gelegen" und einem Haus ,,zu Trainrebach in der stat (Stadt), da die baitstube (Badestube) inne stund" (13) Bisher noch nicht veröffentlichtes (Original im Staatsarchiv zu Coblenz. (17. Okt.). Der Auszug bei Günther ist wertlos.), ausgestattet. Nach 1357 wird die grevenburg dann öfter erwähnt, in Urkunden aus den Jahren 1360, 1367,1368, 1369, 1372 und so fort (14) 5. Lehmann II 64 ff., sowie das N. Sp. 0. Nr 4. (St. A. Coblenz.); vorher aber nirgendwo, ein ziemlich sicherer Beweis, dass sie zwischen 1338 und 1357 erbaut sein muss, zugleich aber auch, dass ihre Erbauung mit der Erhebung Trarbachs zur Stadt zusammenhängt. 1338 nämlich hiess Trarbach, wie oben gezeigt, noch ,villa', ein Ausdruck, der im 14. Jahrhundert, soviel bis jetzt feststeht, nur von Dorfgemeinden gebraucht wird, wohingegen es 1359 bereits heisst: ,,zu Trainrebach in der stad". Die Grevenburg hat demnach als eine Art von Citadelle den Abschluss der vielleicht schon länger vorhandenen, vielleicht gleichzeitig entstandenen, erst 1358 sicher nachweisbaren (15) N. Sp. 0. Nr.4. fol. 637. Am 18. Aug. 1358 beurkunden der Abt Matheus und der Konvent von Springiersbach, dass sie ihre "mule, bynnent der m u r e n zu Tranrebach gelegen, die unssers gotshuses was" , gegen überreiche Entschädigung an Graf Johann III. abgetreten haben. Diese Mühle lag nach einer im St. A. Cobleuz liegenden Urkunde vom J. 1254, deren Abschrift ich H. Pfarrer Pfender- Zell verdanke, in einiger Entfernung von der Mosel, neben einem Quell ( iuxta fontem), worunter nur der sog. Pfeifenbrunnen verstanden sein kann.) Stadtbefestigung bilden sollen.

So fällt der Bau der Burg in jene Zeit, wo sich die Revolution in der Bewaffnung anbahnt. Kürzlich erst hatten die Feuergeschütze zum ersten Mal gedonnert, bei den Belagerungen von Quesnoy 1340, Calais 1347 und Romorantin 1350, sowie in der Feldschlacht bei Crecy 1346, wo bekanntlich der blinde, auf der Serriger Klause bestattete Böhmenkönig Johann, ein Verwandter des Grafen Johann III. von Spanheim, gefallen ist. Ohne Zweifel hatte also dieser Graf Kunde von den neuen Waffen, als er die Burg baute. Und betrachtet man die in einer Felsrückenscharte gewählte, zur Verteidigung vorzüglich geeignete Lage. die noch im 18. Jahrhundert die Bewunderung der französischen Genieoffiziere erregt hat, einmal genauer, so steigt der Gedanke auf, ob nicht die Besorgnis vor der Wirkung der neuen "Donnerbüchsen" von Einfluss gewesen ist (16) So Cormontaigne, ein Schüler Vaubans, ( 1696-1752), Bousmard ( um 1750), und in diesem Jarhundert Augoyat, alle drei hervorragende Ingenienroffiziere. So sagt Bousmard. der die Grevenburg als Ruine mehrfach besucht und studiert hat, die Mehrzahl dei Kenner werde hei flüchtiger Besichtigung der Ruinen erklären das Schloss werde von der überragenden Höhe derart beherrscht, dass es sich keine halbe Stunde gegen einen Angriff von oben her halten könne. Und doch sei gerade dies des Schlosses Stärke; denn von der Höhe aus könne man es nicht angreifen, ja nicht einmal ihm schaden ( C'est de cette hauteur qu'on ne pouvait ni l'aborder, ni même lui nuire). S. Cormontaigne, mémorial sur l`attaque des places, herausgegeben von Augoyat 1835. Seite 197. Anm).

Z
ur Verteidigung der Burg waren, wie überall, besondere Leute bestellt, sogenannte Burgmannen, zum Teil lebenslänglich, zum Teil nur auf Zeit und für den Bedarfsfall. Sie trugen alle vom Grafen ein mehr oder minder grosses Lehen, das zum Teil recht abgelegen war, waren meist adelig und dem Grafen durch einen besonderen Treueid verpflichtet. Es finden sich recht bekannte Namen darunter, neben von der Leyen: von Dune, von Forlebach, von Hohenstein, von Hunoltstein, von Pfaffenau, von Platten, von Sötern, Boos v. Waldeck, von Schoneck, von Symmern u. a.(17) Lehmann II.194 ff., wo eine höchst ungenaue Zusammenstellung der Lehnsleute der hinteren Grafschaft gegeben ist. Neben den im Text genannten kommen noch andere Namen vor, z. B. Hornbach von Soetern, Joh. Wige, Vogt von Kinheim.) Wenigstens ein halbes Dutzend waren in Trarbach ansässig, d.h. zu ständigem Dienst verpflichtet. Henne Spengin von Allenbach erhält deshalb am 25. August 1396 neben 1* andern Gütern ein Haus an der moselporten als Burglehen (18) Die sogenannte Klause. die 1572 zu einem Schulhaus umgebaut wurde und Volks- und höhere Schule zusammen aufnahm. Die Klause vereinigte man damals mit dem gleichfalls von Johann III.. reich ausgestatteten Enkircher Hospital, das 1338 Agnes, die Witwe des Zacharias aus Enkirch, gestiftet hatte, (Rh. Antiq. 16,689.), Johann von Dune (Dann) 1398 ein solches, das ,,bei der Hallen gelegen und zum Sterne" heisst . Thielgin von Dune, genannt von Zolner, ist 1387 Bewohner eines Lehnshauses ,,by dem Marstall", 1399 derselbe oder sein gleichnamiger Sohn Inhaber eines Hauses "zwischen der schottbach und peter pfortners" Haus .1368 wurde Johann Vogt von Hunoltstein für eine jährliche Bezahlung von 15 Gulden Burgmann, musste sich aber verpflichten, nach Ablauf von 4 Jahren ein Haus im Wert von 100 Gulden zu bauen, eine Summe, zu der sein Lehnsherr Johann III. 50 Gulden und das Bauholz beisteuert . Johann, Herr von Rodemachern, - seine Familie gehört zu den Gemeinem von Schloss Eltz - empfängt 1402 das ganze Lehen des verstorbenen Walter von der Velsch, nämlich eine Jahresgülte von 3 Fuder Wein, von dem besten, der in der Umgebung von Trarbach wächst, und sodann ein neues Haus, ,,so man nennet die neue Velsch" . An einem Burglehen endlich können wir hübsch verfolgen, wie es in 40 Jahren von einer Hand in die andere übergeht. 1367 nämlich erhält ein Edelknecht Gobel, genannt Voit v. Kile neben Anteilen am Zehnten zu Altlay, Niedercostenz, Nieder- Sohren und Schwarzenbach ein Haus ,,das da heisset Wassenerssen husse", gelegen ,,unten an der Kirche", woran er binnen Jahresfrist 100 gulden verbauen zu wollen erklärt; 1391 ist das Lehen ,,apert" d. h. erledigt und fällt Bertholf von Sötern zu, der aber bald stirbt; seine Witwe, Eimichen, geb.. v. Geispitzheim, giebt als Heinrich Bubenheimers Ehefrau, das Lehen dem Grafen zurück, der es vermutlich diesem Bubenheimer verliehen hat; 1411 wenigstens hat ein Ritter Boos v. Waldeck - als Eimichens dritter Mann - Haus und Lehen inne (23) ebd. fol. 173. 274. 71. 151. Eimichen = Annemariechen (handschriftlich hinterlassene Notiz des Superintendenten Back).

Das Schloss selbst aber war, wie sein Name besagt, als gräfliche Wohnung in Aussicht genommen, vermutlich zunächst als Heim für ein junges Paar. Der etwa 8 oder 9jährige Sohn Johannes III, der spätere Johann IV., wurde, nach Beilegung einer heftigen Fehde zwischen den beiderseitigen Eltern, mit der Gräfin Eilsebrecht oder Eilse von Spanheim- Kreuznach verlobt, unter der Bedingung, dass binnen 8 Jahren die Hochzeit stattfinden müsse (24) Lehmann I  180.). Nun reichte, als 1346 die Ehe vollzogen wurde, die seit etwa 1190 urkundlich(25) Z  l l e s i u s   a. a. 0. 187. Heinrich, Graf von Spanheim, ein Zeitgenosse Kaiser Heinrichs VI., trägt dem Erzbischof Johannes von Trier das Schloss Starckenburg auf der Mossel, das Schloss Hamm, das halbe Schloss Onren und Olerwall (Clairvaux ) - alle drei im Luxemburgischen - auch 10 Morgen Ackers zu Lohnbach als Lehen auf.) vorkommende Starkenburg für zwei gräfliche Familien und ihr Gesinde wohl kaum aus, und so mag der Wunsch, den Kindern eine standesgemässe Wohnung in der Nähe zu bieten, mit die Veranlassung zum Bau gegeben haben (26) Gräfin Mechtilde, die Pfälzerin, († 25. Nov. 1357 und im Kloster Himmerode begraben) hat jedenfalls die Erbauung der Burg noch erlebt, nach Zillesius a. a. 0. 223 sogar "sambt ihren Herrn für sich und ihre Voreltern den Altar auf Grävenburg und in der Kellerey zu Trorbach auch einen Altar zum Seelgerede" gestiftet. (?)
Merkwürdig ist eine Angabe in einem Sühnbriefe Johannes III. vom 29. Juli 1356, den er nach einer unglücklich verlaufenen Fehde wider den Erzbischof Bohemund von Trier (den Nachfolger Balduins) ausgestellt hat. Darin heisst es: Ueber das neue unter Starkenburg »begriffene und gebaute Haus« soll die Entscheidung in die Hände zweier edlen Herren, Philipps von Bolanden und Reinhold von Saarbrücken, gelegt werden; also was die zwene eindrechtlichen uns heisent darvon dun, das sollen wir dun ane widerrede. - Zillesius giebt an, dass Johann III. sich 1356 mit dem Erzbischof wegen des Zollhauses unter Starckenburg sinte Mossel genandt vertragen habe (a. a. 0. Seite 222). Darnach wäre der unweit der Litzinger Fähre unter Starkenburg gelegene Zollturm gleichzeitig mit der Grevenburg entstanden. Vgl. Hontheim, Hist. Trev. II z. J. 1356.
)

Jedenfalls ist aber Johann III., seit er verwitwet war (1357), öfter von der Starkenburg zu Besuch gekommen, zumal er Trarbach sehr in sein Herz geschlossen hatte und an dem Fortgang der von ihm veranlassten Häuserbauten Anteil nahm. In Johann IV aber steckte eine rechte Wander- und Abenteuerlust; in Diensten seiner pfälzischen Onkel und Vettern, hernach als Rat des deutschen Königs Wenzel vielbeschäftigt, hat er nur selten Zeit gefunden, sich um seine Heimat und seine Eilse zu kümmern. Um so häufiger und lieber weilte der letzte, etwas wunderliche Spross dieses Grafengeschlechts, Johann V., dem 1414 auch das Kreuznacher Land zufiel, auf unserer Burg. In kinderloser Ehe mit Gräfin Walpurga von Leiningen vermählt, hoffte der alternde Sonderling immer noch auf Kindersegen. Von den Söhnen seiner Tanten war die vereinigte Grafschaft Sponheim bereits als Erbstück ins Auge gefasst, er selbst als Erbonkel umlauert, umschmeichelt, der Gegenstand grober und feiner Ränke, und doch arbeitete er immer noch daran, seine Schätze zu mehren - und zwar mit Hülfe der schwarzen Kunst. Unter den zahlreichen ,,Alchymisten, Zauberern, Zeichendeuthern, Beschwörern, Schwarzkünstlern und Wahrsagern", die ihn umgaben, ist besonders sein Günstling, Abt Gobelin von Kloster Sponheim, genannt worden, dem er eigens ein Hans in Trarbach zugewiesen hatte, um ihn immer bei sich zu haben. So erzählt wenigstens des Gobelin Nachfahr, der allerdings etwas unzuverlässige Abt Trithemins(27) Chron. Spanh. zum Jahre 1434. ).

1437 erlosch das Grafengeschlecht der Spanheimer. Zwei Fürsten besassen gleiche Erbansprüche und führten fortan laut des schon 12 Jahre vorher geschlossenen Beinheimer Vertrags die Regierung in der hintern Grafschaft gemeinsam. Es war Markgraf Jakob von Baden und seine Nachkommen einerseits, und der Graf Friedrich von Veldenz- Gerolseck, der, ohne männliche Erben, seine Lande 1444 seinem Tochtersohn, dem Pfalzgrafen Friedrich von Simmern (dem sog. Hunsrücker) und seinen Nachkommen hinterliess, andererseits.

Ueber die gemeinsame Verwaltung ihrer Schlösser und Städte haben die Erbfürsten 1437 einen Vertrag, einen sog. Burgfrieden, abgeschlossen, aus dem wir - zum ersten Male -näheres über die kriegerische und sonstige Ausrüstung unserer Burg erfahren. Es heisst darin: ,,Es ist auch berett, daz wir stetiglich diese nachgeschrieben Kost vnd Gezugk in den vorgen. Sloissen haben sullen, mit Namen zu Greuenburch XL malder Korn und X Malder Mels V Fuder Wyns, X Sitten Specks, eyn Malder Saltz, II Malder Erwessen, XX Schien Ysses (Eisens), eyn Smittgezuge, II Wagen mit Kollen (Holzkohlen), XX Hantboissen (Handbüchsen), zwo Kammerboissen, zwo Schermboissen, zwo Tonnen Polffers, X Armbroisten, der ieglichs vier Gulden wert sy III dusent Pyle (Pfeile) II Zentener Blyes (Blei), III Armbrostwinden, eyn Reysbank, III Armbrostböck, VI Huben (Hauben oder Helme) VI Brostblech (Panzer) VI Par Armgezug - und XX Hantboissen in der Stat Trarbach ,, Ferner: ,,XL Scheiben Semengarns sal in iglichem Sloisse am . . . . Item . . . stetelichen . .III Kriege gefasset vnd gezuget, daz man Armbrost damit spannen moge. Solich Kost vnd Gezugk als vor begriffen ist, (sal) auch allzyt, ewedichen vnuerruckt vnd vunerandert darin buben und alle Jar zwuschent sant Michaels (29. September) vnd sant Martinstag (10. November) ernuwert vnd erfrischet werden . . nach goeder Noitdorfft an (ohne) geuerde (Gefahr)". - Das ist der ganze ,,eiserne Bestand" an Proviant und Waffen. ein Beweis dafür, dass man im äussersten Notfall mit etwa 46 Mann die Burg halten zu können glaubte. Dabei ist die Ausrüstung ungefähr dieselbe, wie bei den übrigen Sponheimischen Burgen, Birkenfeld, Dill, Kastellaun und Winterburg; wohingegen diejenige der Frauenburg erheblich geringer und die Starkenburg noch besser ausgestattet war. - Im Kriegsfalle, so machten die beiden Gemeinsherren ferner aus, wollten sie in den nächsten 14 Tagen ,,gen Trarbach oder an andere gelegene Orte" zusammenkommen oder Abgeordnete schicken, um Vorbereitungen zu treffen und ,,sunder auch die Sloisse zu versorgen vnd zu bestellen mit Luten (Leuten), Koste und Gezuge" (28) Günther, Cod. Rh.-Mos. IV. 370-385.).

Indessen - 180 Jahre lang - blieb alles friedlich, und Burgund Stadt führten ein beschauliches Stillleben. Selbst die Einführung des lutherischen Gottesdienstes störte den Frieden nicht, da die gemeinsherrlichen Häuser anfänglich beide der Reformation geneigt waren, und die hiesige Bevölkerung mit der überwiegenden Mehrzahl der gebildeteren Schichten unseres Volkes ihr, wie es scheint, freudig zustimmte.

Bezeichnend für die friedlichen Zustände ist es, dass die in Trarbach angesiedelten Burgmannsfamilien bald spurlos verschwinden. Die Burg selbst war der Sitz eines Oberamtmannes, den erst beide Gemeinsherrn nach Verabredung, dann in regelmässigem Wechsel hierher sandten. Lauter adelige Herren, aus den verschiedensten Geschlechtern, wohnten sie mit wenigen Ausnahmen auf der Burg. Selbstredend blieben ,,Thurmknechte, Pförtner und Wächter" gemäss dem Beinheimer Vertrags (29) ibidem 269 ff., vom Jahre 1425.) dauernd oben wohnen, waren aber meist wohl zugleich Bediente des Oberamtmanns. Unter den Oberamtleuten (30) Siehe das Verzeichnis bei Röhde a. a. 0. Seite 25, das aber ungenau und unvollständig ist. Die Oberamtleute der hinteren Grafschaft waren zugleich Burggrafen oder Oberburggrafen zu Grevenburg. Der erste Burggraf indes, der sich nachweisen lässt, heisst Peter von Atzenrade und kommt urkundlich schon 1420 vor. N. Sp. C. Nr. IV. fol. 197.) treten besonders hervor: Philipp der Jüngere, Freiherr von Wünnenberg und Beilstein, Albrecht Senfft von Sulburg und Graf Philipp Ernst von und zu Dhaun. Manche von ihnen haben in freundschaftlichen Beziehungen zu den angeseheneren Bürgern gestanden, besonders die ersten beiden, eifrige Lutheraner, finden sich im ältesten. Trarbacher Kirchenbuch oft als ,,Pathen", ihre Frauen als "Goden" verzeichnet. Jedenfalls aber haben in den ältesten Zeiten die Gemeinsherren und ihre Angehörigen bei ihren Besuchen am Orte auch oben gewohnt. Deshalb finden wir auch bis etwa ein Jahrzehnt vor der Einführung der Reformation noch Kapläne der Grevenburg. Aber wiewohl ihre Einkünfte 1895 durch allerlei Gefälle aus Enkirch und Burg noch erhöht waren (31) N. C B. fol. 16 vgl. fol. 9. (1395, feria quinta post diem Marci Evangeliste: 29. April). In demselben Jahr hatte der alte Johann III., offenbar um sein Seelenheil besorgt auch in »unserm grossen Hause auf der Schottenbach einen Altar »von nuwen gestifft und gemacht« und mit Zehnten in Wolf ausgestattet (am Sonntag Quasimodogeniti,18. April, ebendort fol. 46). - Die Kapläne waren  zugleich Geheimschreiber der Grafen, und das Archiv befand sich oben auf der Grevenburg, wie Trithemins uns an einer von Lehmann II 161 missverstandenen Stelle zum J. 1434 verrät (inter litteras comitatus Spanheimensis in testudine castri Tranerbach), verschlechterte sich im folgenden Jahrhundert ihre wirtschaftliche Lage immer mehr. Am Ende des 15. Jahrhunderts kann sich der derzeitige Inhaber der Stelle, Johann Bonn, vor Schulden nicht retten. Er hat ein ganz baufälliges Haus beim Amtsantritt vorgefunden und deshalb mit gemeinsherrlicher Unterstützung ein neues gebaut; eine Restschuld von 14 Gulden kann er aber nicht erschwingen; deshalb bittet er ihm nochmals helfen oder ihm wenigstens verstatten zu wollen, dass er anderwärts soviel verdiene, um die Schulden abtragen zu können. Ob auch er - wie der Starkenburger Kaplan 1515 - seiner Bitte entsprechend beurlaubt wurde, lässt sich nicht angeben (32) B a c k, in dem ausgezeichneten Werke: Die evangelische Kirche im Lande zwischen Rhein, Mosel, Nahe und Glan, 1872. I  113 vgl. 115.); seit 1540 giebt es jedenfalls auf beiden Burgen keine Kapläne mehr, und ihre Einkünfte werden von den Gemeinsherren für andere Zwecke, zumal zur Ausbildung von Beamtenkindern, verwendet (33) B a c k a. a. 0. III 150.).

Gelegentlich aber diente die Grevenburg in dieser Zeit auch als Gefängnis. So wurde z. B. 1592 der Pfarrer Rieneck und der Schulmeister Och von Gebroth, die sich wörtlich und thätlich gegen einander vergangen hatten, ,,der eine wie der andere" auf der Grevenburg ,,jeder besonders verstrickt" und zween oder drei Tage mit Wasser und Brot gespeisst, doch in der Stille, dass nicht noch mehr ärgerlich Geschrei deshalb stattflnde (34) Back a. a. 0.III 412/3.). - Sogar eine Königstochter und verwitwete Landesmutter sass hier oben gefangen. Es war die entartete Tochter König Gustav Wasas von Schweden, die Gemahlin des Markgrafen Christoph von Baden, namens Caecilie, die als Witwe offenbar aus Geldbedürfnis katholisch wurde und sich dann als galante Abenteurerin in der Welt herumtrieb. Von ihren Söhnen wurde sie schliesslich, als der Skandal zu arg wurde, in Antwerpen aufgegriffen, öffentlich misshandelt und mit Billigung des Magistrats aus der Stadt geführt. Auf Veranlassung ihres ältesten Sohnes, des tollen Eduard Fortunat, der unter dem Einfluss seines Vormundes als l9jähriger Jüngling gleichfalls convertirt war, wurde sie auf die Grevenburg gebracht und sollte hier in Haft bleiben ; allein der lutherische Mitgemeinsherr, Pfalzgraf Karl I. (1584-1600), wollte nicht einwilligen, dass auf der Grevenburg für die vornehme Büsserin katholischer Gottesdienst abgehalten werde. Deshalb musste sie bald weiter wandern, blieb aber in Haft, bis sie 1627 starb (35) Back a. a. 0.II  507-509. 510. 517. 520.).

Die Verhältnisse gestalteten sich indessen in unserem deutschen Vaterlande immer vorworrener und trüber. An der Mosel fiel 4 Jahre nach einander die Weinernte völlig aus, und dreimal nach einander, und zwar jedesmal mehrere Jahre lang, wütete hier die Pest, die böse Luft oder Pestilenz genannt, nämlich 1577-79, 1583-85, 1597 und 1598. In Trarbach betrug die Zahl der Opfer im Jahre 1583  83, 1597  42, 1598  93. Zudem waren die religiösen Gegensätze immer unleidlicher geworden.

Schroff standen sich die Lutheraner der hinteren Grafschaft und ihre katholischen Nachbarn gegenüber; aber auch Calvins Lehre, die bald viele geheime und offene Anhänger zählte, ward von den Kanzeln verketzert (36) Die Belege hierfür enthält das älteste erhaltene Trarbacher Kirchenbuch, besonders die Totenliste.). Gelegentlich eines Versuchs, dem Protestantismus im Erzbistum Köln durch einen Putsch zum Siege zu verhelfen, erhielt der Kurfürst- Erzbischof Ernst von Köln von Philipps II. Statthalter von den spanischen Niederlanden her ein ,,wälsches" Regiment de Bellemont zugesandt. Es zog im Februar 1588 längs der Mosel abwärts, brach in die hintere Grafschaft Sponheim und zwar in den Flecken Traben ein und hauste hier sowie im Cröver Reich greulich. Dieser Einfall gab den Gemeinsherren den Anlass, auch die Grevenburg stärker zu besetzen. Ein ,,Kapitän" kam mit seiner Kompagnie dort zu liegen (37) Rheinischer Antiquarius II 17. Seite 297-304. Im Trarbacher Kirchenbuch 1595 24. Sept. / 4. Okt. ist Capitän Hanss uff dem Schloss als Pathe eingetragen.).

Die Bellemont'schen zogen nach einer Woche wieder ab, ohne Trarbach anzugreifen. Es waren die Sturmvögel gewesen, die die Unwetter des 30jährigen Krieges im Voraus ankündigten.
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(18) N. Sp. 0. Nr. IV. fol. 101. 19).ebd. fol. 76 (nach dem alten Bilde vom Markt das Haus auf der Ecke der Schottstr., der Kirchgasse und des Marktes, heute die Volksbank). 20) ebd. fol. 205 und 172. 21) ebd. fol. 238. 22) ebd. fol. 272.

(19) Pantaleon ist kein natürlicher Sohn des Grafen Jonhann II. wie man bisher annahm, sondern nebst einer Schwester Blancheflor aus seiner zweiten rechtmäßigen Ehe mit einer Nichte des deutschen Königs Rudolf von Habsburg, Katharina von Ochsenstein, hervorgegangen. Die ihm von Rudolfs Sohn, Albrecht r.,1307 verliehene königliche Patronatspfarre ließ er von einem Vertreter um geringes Entgelt versehen, Er selber führte von Burg Dill aus, wie noch vorhandene Urkunden bezeugen, regelrecht - sengend und brennend - Fehde mit den adeligen Vögten von Hunolstein. Ja, er verkaufte gar bald Dill und Zubehör an die Kreuznachische Nebenlinie, so daß Graf Johann III. es nur mit großem Opfer wiedererlangen konnte. Pantaleon ist nach Nördlinger Nachrichten 1335 als dortiger ,,Pfarrer" gest.. d.h. wohl dem Namen nach.

(20) Von der Pfalzgräfin Mechtild erzählt Zillesius, leider ohne Jahresangabe: Auch stiftet sie sambt ihren Herren, (d.h. ihrem Gatten und Sohn), für sich und ihre Voreltern den Altar auf Grävenburg und in der Kellerey zu Trorbach einen Altar zum Seelgerede, (d.h. zum Jahrgedächtnis.) - Wenn Erzbischof Boemund II. (23. August 1360) die Aufrichtung des Altars auf Grävenburg ,,von neuem" gemacht sein läßt und Graf Johann III (18. April 1395) von einer Neustiftung des anderen Altars spricht, so haben wir mit der Möglichkeit zu rechnen, daß Pfalzgräfin Mechtilde tatsächlich an der ersten Stiftung der beiden Altäre beteiligt war.

(21) Das Todesjahr steht jetzt, (trotz Lehmann, Die Grafschaft und die Grafen von Spanheim II. 92 u. 102.) zweifellos fest, vornehmlich durch eine Urkunde des Ritters Johannes von Lewenstein vom 13. Juli 1399 (Margeretentag), worin der ,,alte Herr Graf Johann" als ,selig" bezeichnet wird. (Kobl. St.-A. 33,12276. Fol. 92.)

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