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Die Enthüllungsfeier des
Kriegerdenkmals zu
Trarbach.
17 Mai 1874, Trarbacher
Zeitung ( General - Anzeiger
).
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Am
verflossenen
Sonntag, dem
Jahrestage des
Frankfurter
Friedens,
versammelten
sich im
hiesigen
Rathaussaale
und auf dem
Markte die
städtischen
Behörden, der
Kriegerbund
und der
Männer-
Gesangs-
Verein, ferner
die Lehrer und
Schüler des
Progymnasiums
und der
Volksschulen
sowie die
Vorsteherinnen,
Lehrerinnen
und
Schülerinnen
des hiesigen
Pensionates
und eine große
Anzahl
sonstiger
Einwohner von
Trarbach und
nächster
Umgebung, um
in geordneten
Reihen vom
Markte aus
nach dem
Schlossrondell
zu ziehen, wo
die Enthüllung
des Denkmals
stattfinden
sollte,
welches die
Gemeinde
Trarbachs
ihren in dem
großen Kriege
1870- 71
gefallenen
Söhnen hier
errichtet hat.
Es hatte sich
eine
außerordentlich
große
Menschenmenge
eingefunden,
die dieser
Feierlichkeit
beiwohnte.
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Nach
Absingung
des
Liedes:
"
Klaget
nicht
daß
ich
gefallen
"
Seitens
des
hiesigen
Männer-
Gesangs-
Verein
hielt
Herr
Pfarrer
Pfender
folgende
Rede:
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"
Hochgeehrte
Festversammlung
!
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Wir haben uns hier auf diesem
schönen Punkte unserer
Umgebung versammelt, um dieses
noch verhüllte Denkmal,
welches den im großen Kriege
gebliebenen Söhnen Trarbachs
errichtet ist, feierlich zu
enthüllen. In schonender
Rücksicht, daß es dem Vater
eines Gefallenen schwer würde
hier Sprecher zu sein, ist mir
von der stadtverordneten-
Versammlung der Auftrag hierzu
geworden. Ich habe diesen
Auftrag gerne angenommen, weil
ich damit dem Bedürfniß meines
eigenen Herzens genüge,
unseren treueren sechs Opfern
des Krieges hier öffentlich
die letzte Ehre zu erweisen,
und weil es mir ein Vergnügen
ist, den Gedanken und
Empfindungen Ausdruck zu
geben, welche die Trarbacher
angesichts dieses Denkmals
beherrschen.
Es ist heute der 10. Mai, der
Jahrestag des Frankfurter
Friedens, ein Tag, der zur
Enthüllung eines Denkmals kaum
passender gefunden werden
konnte, weil wir ja die
Früchte dieses Friedens der
aufopfernden Vaterlandsliebe
unserer deutschen Heere - auch
dieser 6 Gefallenen zu danken
haben. Unsere Gedanken und
Empfindungen verbreiten sich
mit Stolz und Freudigkeit über
die vollzogene Einigung der
deutschen Stämme, die
Herrlichkeit der deutschen
Kaiserkrone, die auf unseres
großen Königs Haupte strahlt,
über die ehrenvolle Stellung
die wir unter den Völkern
wieder einnehmen. Das Alles
wurde uns ja durch den
Frankfurter Frieden
vollzogenen Abschluss des
großen Krieges
versiegelt.
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Und hoch sind
nicht die
gewaltigen
Errungenschaften,
welche uns
beim Anblick
dieses
Denkmals
erfüllen,
schildert
vielmehr die
Personen,
bereit jedis
Wahrheit
noch verhüllt
auf diesen
Steinen
eingegraben
find. Sie
lagen wie wir
alle der
Vorbereitung
zu ihrem
Berufe ab.
Einer hatte
sogar schon
seinen eigenen
Herd, ! da
drängte jene
unheimliche
Macht, -
derein
Streben, das
deutsche Reich
wieder zu
zerschmettern,
offenes
Geheimnis ist,
und welche ja
auch jetzt in
unseren
unblutigen
Kämpfen wieder
an den Tag
tritt - den
verblendeten
schicksalsgläubigen
Napoleon uns
den Krieg vom
Zaume zu
brechen. Da,
wie haben wir
da gebebt hier
an den Grenzen
! Lieb
Vaterland
magst ruhig
sein, so
sangen unsere
Regimenter,
aber wir
zitterten; die
Erfolge
sollten uns zu
unserer
Beschämung
zeigen, daß
unsere Krieger
mit der "
Macht am Rhein
" seine
Redensart
gefunden
haben.
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Stracks ging's
unter des
Kronprinzen
Führung bei
Weißenburg und
Wörth auf den
Feind. Da
bezahlte schon
der erste
Trarbacher ,
Adolph Mezger
, Reservist im
1.
Niederschles.
Infant. Reg.
mit seinem
Leben.
Zwölf Tage
später
schlugen sie
die grimme
Schlacht bei
Cravelotte, da
wird der
zweite
Trarbacher
Wilh. Meyer,
Fähnrich im
15. Westph.
Inf. - Reg.,
als er seinen
Zug
Heldenmutig
gegen die
Franzosen
führt, von
feindlichem
Geschoß
tödlich
getroffen, und
in der selben
Schlacht fällt
der dritte
Trarbacher,
Reservist
Peter Trapp in
unserem 69sten
Regiment vor
dem Feind, von
einer
Franzosenkugel
durchbohrt.
Den Sie des
Vaterlandes
haben sie mit
ihrem Leben
erkauft.
In seltener
Weise
schritten die
deutschen
Heere von Sieg
zu Sieg
weiter. Auch
gewaltige
Belagerungen
warteten ihrer
auf
diesem
Kriegesfluge.
Die Belagerung
von Metz zog
dem vierten
Trarbacher,
Philipp Barz,
Linien-
Infanterist in
unserem 69.
Regiment eine
Thybuskrankheit
zu, an welcher
er im Lazareth
zu Goslar am
Harze
gestorben ist.
Es ist von
Bedeutung, daß
er sein Leben
im Dienste des
Vaterlandes
ausgehaucht
hat angesichts
der Trümmer
seines alten
deutschen
Vaterlandes,
welches die
dankbaren
Überlebenden
jetzt nach
Wiedererrichtung
des deutschen
Reichs als
Kaiserpalast
wieder
herstellen.
Bei der
Belagerung von
Paris, der
großartigsten
aller Zeiten,
überfiel den
fünften
Trarbacher,
Fritz Barz,
Reservist im
Rhein.
Garderegiment
Königin
Augusta,
dieselbe
Typhuskrankheit,
welche ihn im
Lazareth zu
Conosse bei
Paris
unerwartet
rasch
dahinraffte,
nachdem er die
vorhergehenden
schrecklichen
Schlachten
glücklich
bestanden
hatte.
Endlich als
wir den Krieg
fast beendet
glaubten, und
als die
Franzosen über
ihre
Niederlage
knirschend die
letzte Kraft
anstrengten zu
jenem für die
noch
verhängnisvolleren
Kämpfen - da
sollte der
sechste
Trarbacher,
unter
Einjährig-
Freiwilliger
Herm. Franz,
im Rheinischen
Feld-
Artillerie-
Reg. zu Fuß,
in einer der
letzten
Schlachten bei
St. Quentiu ,
mit der
Bedienung
seines
Geschützes
beschäftigt,
von einer
feindlichen
Bollkugel in
der Nähe
seines Bruders
fallen.
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Die beiden
letzten ruhen
also in
fremder Erde,
die anderen
aber im
Schooße des
deutschen
Vaterlandes,
denn die
Heldengräber
von
Weißenburg-
Wörth und von
Cravelotte
sind ja durch
den
Frankfurter
Frieden wieder
deutsch
geworden. Aber
fern von der
Heimat ruhen
sie. Kein
Hügel, kein
Stein auf
unserem
Kirchhof
bezeichnet die
Stätte, da sie
schlummern.
Deshalb zündet
auch der
Gedanke,
unseren sechs
Gefallenen
einen Stein
des
Gedächtnisses
in unserer
Heimath zu
errichten,
augenblicklich
in den
Gemütern der
Trarbacher.
Es verdient
hier mit
besonderer
Anerkennung
erwähnt zu
werden, daß
die
Stadtverordneten
unserer
Gemeinde
sofort die
Errichtung
dieses
Denkmals
beschlossen
haben und daß
der
verstorbene
Rentner Gottl.
Assmann in
ächt
vaterländischem
Geiste die
ansehnliche
Summe von 200
Thlr. Zu
diesem Zwecke
bestimmte.
Hat man denn
aber die
Absicht
gehabt, mit
diesem Denkmal
den Schmerz um
die Gefallenen
zu verringern
? D gewiß ,
ohne Wehmuth
wird Niemand
dasselbe
betrachten. Es
wird sich
mancher
Seufzer vom
gepressten
Vaterherz hier
loswinden,
manche Träne
aus Mutter, -
Geschwister,
und
Freundesaugen
in den
trockenen Sand
dieses Ortes
rinnen. Aber
wollen sie am
Todestag dem
Heimgegangenen
einen Kranz
widmen - hier
haben sie eine
Stätte, da sie
ihn
niederlegen
können, und
unser wackerer
Kriegerverein
wird sich`s
gewiß nicht
nehmen lassen,
diese
Gedächtnißstätte
ihrer
gefallenen
Kriegsgenossen
am Segen- oder
Todtenfeste
mit dem
wohlverdienten
Lorbeerkranze
kameradschaftlich
zu schmücken.
So hat man
also im
Gegenteil mit
diesem Denkmal
die Absicht
gehabt, den
Schmerz,
welcher in der
Ferne die
Gräber sucht,
in der Heimath
an diesem
Steine zur
Ruhe kommen zu
lassen. Ich
füge noch das
Eine hinzu:
Auswärts geht
der Weg
frommer
Helden, die
für das
Vaterland
fallen.
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Vielmehr ist
dieses Denkmal
ein D a n k m
a l. Ich habe
schon erinnert
an unser Zagen
und Beben beim
Beginn des
Krieges. Daß
das
befürchtete
nicht
geschehen ist,
daß fremde
Kriegsheere
nicht unser
Land
überschwemmt,
daß nicht die
wilden Heerden
des Turkos und
wie Bestien in
unsere
sittlichen
Lebensverhältnisse
hereingebrochen
sind - wem
danken wir`s ?
Dieser
Denkstein
sagt`s
uns in der
beredtesten
Sprache. Die
Wacht am Rhein
hat ritterlich
Wort gehalten.
Ihr Gelübde "
Betritt kein
Feind hier
deinen Strand
! "
hat sie
treulich
erfüllt. Außer
fast 400.000
Kriegsgefangene,
die in
Deutschland
beherbergt
werden
mussten, hat
kein Franzose
den Strand vom
Rhein
betreten. Wer
mir einen Alp
von der Brust
nimmt, dem bin
ich dankbar.
Wer den
Erbfein des
Vaterlandes
geschlagen und
zurückgeworfen
hat, ehe er
seine
Schrecken über
dessen
gesegnete
Fluren
verbreitet,
dem ist das
Vaterland ewig
dankbar. Nun
diese sechs
Gefallenen
haben mit
ihrem
Heldentode
unsere
Verschonung
und Freiheit
erkaufen
helfen. Ihr
Trarbacher, so
sei uns dieser
Gedenkstein
ewig ein
Dankstein.
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Wie endlich
Caesar einst
am Standbilde
Alexanders des
Großen zu
gleichem
Heldensinn wie
dieser
entflammt
wurde, so soll
dieses Denkmal
unsere
wehrhafte und
zur Wehrkraft
heranwachsende
Jugend zur
treuen
Erfüllung
ihrer
Pflichten
gegen das
Vaterland
allzeit
begeistern.
Wir heißen das
Volk in
Waffen. Wir
finden die
Franzosen
werden`s uns
zur Zeit nicht
übel nehmen -
das
kriegstüchtige
Volk der Erde.
Wir sind es,
aber wir
bekennen vor
unserm großen
Feldmarschall
Woltke herab
bis zum
jüngsten
Rekruten, wir
find`s nicht
um des Krieges
willen. Jemehr
die Deutschen
ein Kulturvolk
geworden sind,
desto mehr
haben sie den
Preis des
Friedens
singen
lernen.
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Es geht uns
ruhiger Friede
himmelhoch
über den
eitlen
Kriegesruhm.
Doch wir sind
von Gott an
die Seite
eines
ehrgeizigen
unruhigen
Nachbarvolkes
gepflanzt.
Einem bösen
Nachbarn in
Dorf und
Stadt, kann
man allenfalls
aus dem Wege
gehen durch
Umzug oder
Auswanderung.
Das deutsche
Volk kann
schlechterdings
nicht
auswandern. Es
bleibt ihm
nichts übrig,
als seine
Grenzen gegen
den zänkischen
Nachbarn, der
sie seit 200
Jahren auf die
frevelhafteste
Weise zersetzt
hat zu
vertheidigen.
Nicht zur
Rauf- und
Kampflust will
dieses Denkmal
unsere
deutsche
Jugend
erhitzen, Wohl
aber will es
sie erinnern
an unseres
Heldenkaisers
Wort: " nicht
ein deutsches
Dorf , nicht
einen
Fußbreit
deutscher Erde
" und an das
unseres großen
Bismarck: "
nicht ein
deutsches
Kleefeld ! " -
wenn der Feind
die Hände
wieder nach
deutschem
Grenzland
gierig
ausstrecken
sollte. Die
Chinesen haben
eine Mauer
zwischen sich
und ihrem
Nachbarn
gebaut. Die
brauchen wir
nicht, Gott
hat uns eine
bessere
gegeben in der
Vaterlandsliebe
und Kraft
unserer
streitbaren
Jugend. Unsere
Mauer - das
sind unsere
Regimenter,
Schwadronen
und Batterien.
Und diese
Streitmacht in
unserer Mitte
rufen, wenn es
überhaupt
nötig wäre,
die Namen der
gefallenen
Helden, die
dieser Stein
trägt, die
Mahnung zu;
Fürs Vaterland
Alles, auch
das Leben
!
Nun wenn das
die Bedeutung
dieses
Denkmals ist,
so sollen
wir`s mit
deutschem
Stolz aller
Welt sichtbar
werden. Wehmut
denn die Hülle
in Gottes
Namen hinweg,
daß es von
dieser Höhe
heran scheine
als ein
Zeugnis
vaterländischen
Heldenmuths,
dankbaren
Gedächtnisses
und tapfern
Gelübbes,
Alles fürs
Vaterland
daranzusetzen.
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